Kunst aus Keramik – ob unser Selbsttest auch so schön gelingt? Foto: Neß

Töpfern – wirklich so entspannend und meditativ wie es klingt, oder doch stressig und anstrengend? Das Handwerk ist wieder auf dem Vormarsch – höchste Zeit also, sich an die Töpferscheibe zu setzen und einen Selbsttest zu wagen.

Wirft man einen Blick in die sozialen Netzwerke, tauchen sie überall auf: Videos von Menschen an einer Töpferscheibe oder beim Anmalen von Keramik. Das Handwerk des Töpferns scheint sich wieder größerer Beliebtheit zu erfreuen.

 

Diese Beobachtung macht auch Sonja Börner von „Kurt – Genuss und Keramik“. Seit Juli vergangenen Jahres betreibt sie in der Gustav-Schwab-Straße in Schwenningen ihr Restaurant, Café, Deli und – die Töpferwerkstatt. „Die Menschen machen heutzutage viel zu viel digital, ohne ihre Hände zu benutzen“, versucht sie die Beliebtheit des Töpfer-Handwerks zu erklären. Dem stimmt auch Debora Ortmann zu, die uns später in die Welt des Töpferns einführen wird. Die 28-Jährige hat Soziale Arbeit studiert, doch nach dem Studium wollte sie sich beruflich umorientieren und mehr mit der Hand arbeiten – und landete bei „Kurt“.

Vom Stierkopf kneten zum Endprodukt

Dann geht es schon an die Grundlagen: Vor dem eigentlichen Töpfern muss der Ton gut durchgeknetet werden, damit jegliche Luft entweichen kann – sonst besteht die Gefahr, dass der getöpferte Gegenstand später im Ofen explodiert, was gefährliche Folgen haben kann. Die Technik werde „Stierkopftechnik“ genannt. Warum, das erklärt die Form, die später daraus entsteht. Doch so einfach „Ton kneten“ klingt, so leicht ist es gar nicht, wie sich später im Selbstversuch herausstellen wird.

Das „Stierkopfkneten“ soll Luft aus dem Ton holen. Foto: Schölzel

Was denn besonders einsteigerfreundliche Formen sind? Wenigstens eine „krumme Müslischüssel“ müsste doch auch für uns „drin“ sein, oder? Sonja Börner und Debora lachen. „Na, wenn man sich das im Vorfeld schon vorstellt, dann wird die auch krumm“, schmunzeln die beiden.

Das wichtigste sei jedoch, ein Gefühl für den Ton zu entwickeln. Der Ton merke, wenn er nicht mehr will, so die beiden. Ob das Töpfern demnach auch einen psychologischen Aspekt hat? Definitiv, so Börner und Debora. Wenn man unruhig sei, wird das schwer mit dem Töpfern. Innere Spannungen übertragen sich dabei, man müsse gleichmäßig arbeiten und nicht zu hektisch sein. Also genau das Richtige für einen stressigen Alltag? „Es hat schon etwas Beruhigendes, Meditatives, man fokussiert sich nur auf das, was man tut“, so die beiden Expertinnen.

Die Fingernägel sind zu lang

Doch so meditativ ist das Töpfern zunächst gar nicht – für uns ist es sogar recht anstrengend und hinterließ uns am nächsten Tag mit einer Portion Nackenschmerzen. Zu Beginn schaut uns unsere Lehrerin Debora tadelnd auf die Finger: Die Fingernägel seien viel zu lang, so werde das Töpfern schwer, lautet das vernichtende Urteil.

Dennoch geben wir unser Bestes – zuerst muss der Ton auf der Scheibe zentriert werden, damit er gleichmäßig mitschwingt. Danach wird der Ton aufgebrochen und der Boden unserer Schüssel wird geformt. „Am Handballen stabil bleiben, Arme am Hüftknochen verankern“, leitet uns Debora zwischendurch an. Eine ungewohnte Körperhaltung, so halb sitzend, halb über den Ton gebeugt.

Simone Neß in Aktion – Töpfern ist harte Arbeit. Foto: Schölzel

Trotzdem kristallisiert sich der Reiz an diesem Handwerk nach einigen Minuten heraus: Man verspürt eine innere Ruhe, hat nur Augen für sich, den Ton und wie die eigenen Hände diesen bearbeiten.

Doch dann eiert der Ton, der Druck auf das Ton-Wasser-Gemisch auf der sich schnell drehenden Scheibe verlagert sich nicht gleichmäßig und dann machen tatsächlich unsere Fingernägel einen Strich durch die Rechnung und stechen in den Ton – unsere Müslischüssel zerfällt förmlich vor unseren Augen.

Etwas bedrückt ob unseres zerfallenen Kunststücks – und der harten Arbeit – gucken wir auf den zerfallenen und matschigen Ton. „Nicht schlimm“, beruhigt Debora schmunzelnd. Laut ihr haben wir uns gut angestellt – bekanntlich ist ja auch noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Angst vor schmutzigen Händen darf man bei diesem Handwerk nicht haben – dreckig wird man auf jeden Fall. Foto: Neß

Über das „Kurt“ und Kurse

Töpfern
Wer selbst Lust bekommen hat Hand anzulegen, kann im „Kurt – Genuss und Keramik“ Töpferkurse belegen. Die Kurse finden jeweils in kleinen Grüppchen von einer bis drei Personen statt und kosten rund 100 Euro.

Keramik anmalen
Auch Keramik kann man im Kurt bemalen. Das ist auch spontan zu den Restaurant-Öffnungszeiten möglich.

Öffnungszeiten
donnerstags von 17 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 9 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr.

Kontakt
Reservierungen für das Restaurant werden unter folgender Nummer entgegen genommen: 07720 / 3046955, Sonstiges: 0176 / 19924925.