Der ehemalige Lebensmittelladen in Besenfeld sollte bald wieder eröffnet werden, rät die Expertin Susanne Dahm. Foto: Braun

Susanne Dahm von Netzwerk pakora.net rät dem Gemeinderat Seewald dringend zu Wiedereröffnung des früheren Lebensmittelladens.

Seewald - Viele kleine Einzelmaßnahmen tragen zu einer langfristig positiven Entwicklung des Orts bei. Dies war die zentrale Aussage von Susanne Dahm von pakora.net, die dem Gemeinderat Seewald in dessen jüngster Sitzung ihren Abschlussbericht über das Leader-Sonderprogramm Flächenmanagement vorstellte. pakora.net ist ein Netzwerk für Stadt und Raum, in dem sich Planungs-, Architektur- und Designbüros zusammengeschlossen haben.

Untersucht wurden unter anderem innerörtliche Gebäude- und Flächenpotenziale sowie die Bevölkerungs- und Nachfrageentwicklung in Seewald. Die zu 75 Prozent mit Leader-Mitteln geförderte Untersuchung ergab laut Susanne Dahm relativ dramatische Zahlen für Seewald im Vergleich zum Land, dies vor allem in Hinblick auf die Abwanderung von jungen Leuten und die große Zahl von älteren Einwohnern. "In Seewald kommt auf 16 Einwohner ein Betreuungsplatz, daher ist auch eine Zuwanderung von älteren Menschen zu verzeichnen", so Dahm.

Einen rechnerischen Bedarf an neuen Bauflächen gebe es nicht, Flächenreserven seien in ausreichender Form vorhanden, jedoch nur wenige davon seien auf dem Markt. Hier gelte es ein Angebot zu schaffen und eine Flächenmobilisierung vorzunehmen. "Man muss kleine Schritte gehen", so die Expertin, die eine Bündelung von Siedlungsflächen in Besenfeld und Göttelfingen anregte.

Ein großes Problem sei die Infrastruktur, die es zu erhalten und zu verbessern gelte. "Der ehemalige Lebensmittelladen in Besenfeld steht schon länger leer, der Laden ist wirklich wichtig", meine Dahm. Sie regte an, den Weg über eine Genossenschaft zu gehen. "Wenn die Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr da sind", meinte sie, "braucht man sich über das Thema Neuansiedlung keine Gedanken mehr zu machen."

Was Seewald helfe, seien Einwohner in Besenfeld, hier sehe sie einen Schwerpunkt. Man müsse versuchen, so die Expertin, die Vermarktung von Bauplätzen anzukurbeln, auch über die Verwaltung, auf öffentlicher und interner Ebene. "Die Bereitschaft, Grundstücke zu verkaufen, ist nicht besonders hoch auf privater Ebene", sagte Susanne Dahm. Sie schlug eine Art Verkauf "Von Bürgern an Bürger" vor. "Vielleicht wird eher verkauft, wenn eine Familie aus dem Ort sich für einen Platz interessiert."

Viele weitere Vorschläge und Anregungen hatte die Expertin in ihre Präsentation aufgenommen. Neben der Ausschöpfung von Fördermöglichkeiten zielten die Lösungsansätze auf die Schaffung eines attraktiven Ortbilds und einer guten Versorgungsstruktur ab. "Noch ist die Ausgangslage gut, es gibt ein schönes Ortsbild und genügend Flächen", betonte Dahm. Sie riet dazu, rechtzeitig Wertverlusten entgegenzusteuern. Die Zielgruppe "Ältere" sollte in den Vordergrund gestellt werden. Aktivitäten seien räumlich zu konzentrieren, um attraktiv zu bleiben, so ihre Ratschläge an Gemeinderat und Verwaltung. "Ich meine, das ist die wichtigste Aufgabe einer Gemeinde, da hat es bisher erheblich geklemmt", sagte Gemeinderat Richard Koch (Vereinigter Seewald), der sich konkrete Vorschläge seitens der Verwaltung wünschte.

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