Dass es noch vor der ersten Schulstunde ein solches Theater geben würde, das hätten einige Erstklässler-Eltern nicht gedacht: Sie sollen die Lehrmaterialien in dem Geschäft einkaufen, das die Gartenschule Schwenningen für sie ausgesucht hat? Stoff für Ärger.
Die Entrüstung nach einem Infotag für die Eltern der neuen Schüler an der Schwenninger Gartenschule war so groß, dass sie prompt in einen Beitrag in der Facebook-Gruppe „Mir Schwenninger“ gepackt wurde und innerhalb kurzer Zeit die Kommentarspalten füllte.
Am Mittwochvormittag schaltete sich auch Oberbürgermeister Jürgen Roth ein, während zur gleichen Zeit Tino Berthold, Vorsitzender des Gesamtelternbeirates für die Schulen der Doppelstadt, auf einen „klärenden“ Anruf aus der Schule wartete.
Keine Listen auf mehrfache Nachfrage
Gleich am Dienstagabend machte Gruppenmitglied Yvonne Schäfer ihrem Ärger Luft, bis zum Vormittag sammelten sich unter ihrem Beitrag knapp 90 Kommentare: „.....heute gab es für die neuen Schüler/Eltern in der Gartenschule einen Infotag. Als es um das Thema Schulmaterial ging, wurde uns gesagt, dass eine Kooperation mit einem Geschäft in Villingen besteht. Ich hätte die Liste gerne gehabt....Die Liste wird aber von der Schule nicht herausgegeben. Kann es denn wirklich möglich sein, dass uns vorgeschrieben wird, wo wir einkaufen?! Vor allem haben wir auch ein Schreibwarengeschäft in Schwenningen, und vielleicht würden einige Schwenninger eben auch dieses gerne unterstützen!“
Im Gespräch mit unserer Redaktion am Tag danach bekräftigte sie ihre Position. Gegen ein unverbindliches Angebot sei nichts zu sagen, „aber wieso bekomme ich auch auf mehrfaches Nachfragen hin keine Listen?“ Zudem gebe es auch eine emotionale Seite: „Kinder möchten doch mit ihren Eltern ihre Schulsachen kaufen gehen.“
Schulamt einschalten
Die Reaktionen auf Schäfers Schilderungen lassen nicht lange auf sich warten. Die Kommentare widerspiegeln meistens Unverständnis und Entrüstung. Ein Nutzer schreibt: „Kooperation??? Das sieht doch eher wieder nach Vetternwirtschaft aus. Es kann Dir doch keiner vorschreiben, wo man diese Dinge kaufen muss. ....Und warum wieder in Villingen, wenn die Schulen in Schwenningen sind??? Damit kann man natürlich die Händler vor Ort noch mehr zerstören...“ Eine weitere Stimme: „Man kann kaufen, wo man will, das hat die Schule nicht vorzuschreiben.“ Manche Gruppenmitglieder wollen das „Aufreger-Thema“ außerhalb der Gruppe diskutieren: „Da würde ich beim Schulamt anrufen….!“
OB und GEB schalten sich ein
Das Streit-Thema gleich an Schulamt oder Regierungspräsidium zu tragen, das geht Tino Berthold, dem GEB-Vorsitzenden, zu weit, auch wenn er zu den Schilderungen von Schäfer eine klare Meinung hat: „Das geht gar nicht.“ Listen seien zwar eine gute Sache, aber „wo die Eltern einkaufen, das sollten sie selbst entscheiden“.
Nicht nur Berthold klinkte sich in die Diskussion ein, sondern auch Oberbürgermeister Jürgen Roth, er versprach: „Ich lasse dieses Vorgehen vom Fachamt prüfen. Bitte um Geduld.“
Noch ist die Protest-Lawine nicht dort angekommen, wo sie ausgelöst wurde. Laila Siebel, die derzeit die kommissarische Leitung der Gartenschule innehat, zeigte sich auf Anfrage unserer Redaktion überrascht. Sicher, es habe einen Infostand gegeben. Die Eltern hätten das Schultüten-Angebot für das Geschäft in Villingen annehmen können oder „eben auch nicht“. Von einer Verpflichtung könne nicht die Rede sein, meint sie. Aber wieso wurden an jene Eltern, die sich nicht auf eine Bestellung einlassen wollten, keine Listen ausgegeben? Die Listen kommen im Juli, so Siebel, zusammen mit der Einladung zum ersten Elternabend. Für Tino Berthold etwas zu spät, „aber besser als gar nicht“, meinte er nach dem „klärenden Gespräch“ mit der Schule.