Und mag die Eisenbahnliebe auch noch so groß sein – bezüglich der Probleme um die Schwarzwaldbahn und den starken Räderabrieb stellen sich selbst alten Bähnlern die Nackenhaare auf.
Schwarzwald-Baar-Kreis - Nicht nur Fahrgäste, auch bei der Deutschen Bahn selbst dürfte man die Lösung der Probleme auf der Schwarzwaldbahnstrecke herbeisehnen. Die Reklamationen häufen sich, Ärger staut sich auf, ganz abgesehen vom Imageschaden, der parallel zum Fahrzeugschaden entsteht.
Umso schleierhafter ist es für viele der zahlreichen passionierten Eisenbahnfreunde, dass man aus Fehlern in der Vergangenheit nicht gelernt habe. Die Probleme wären, meinen sie, vorhersehbar gewesen – und auch das Vorgehen bei der Fehlerbehebung sei bestenfalls mangelhaft.
Dem Problem auf der Spur?
Seit Wochen geht zwischen Hausach und St. Georgen nichts mehr. Bahnreisende müssen raus aus dem Zug und rein in den Bus, um ihre Reise fortzusetzen. Besonders ärgerlich: Diese dauert erheblich – etwa eine Stunde – länger. Immer häufiger melden sich unterdessen Insider und Bahnkundige hinter den Kulissen zu Wort, sprechen von krassen Managementfehlern bei der Bahn, es gebe auch Hinweise darauf, dass das eigentliche Problem nicht die Räder, sondern falsch verlegte Schienen seien – denn dem derzeitigen Bahnchaos voran ging die Schienensanierung im vergangenen Jahr. Und nun will die Deutsche Bahn bei Testfahrten dem Problem auf die Spur kommen.
Hätte man all das wissen müssen?
"Es liegt nicht an der Schiene an sich, sondern am Verlegen", glaubt auch Günter Lang. Der 73-Jährige aus Villingen ist sozusagen Insider, blickt als jahrelanger Zugbegleiter einer Museumsbahn in der Region auf viel Erfahrung und schaut etwas ungläubig auf das Chaos rund um die Schwarzwaldbahn. Die Probleme zwischen Hausach und St. Georgen hätten erst mit der Erneuerung der Schiene zwischen Hausach und St. Georgen begonnen, sagt Lang. Dass die starke Abnutzung nicht generell bei neuen Schienen, sondern insbesondere auf Strecken wie der Schwarzwaldbahn auftreten, liegt für ihn auf der Hand: In den Kurven, wo die Schienen weiter aufgemacht werden müssen und das Außenrad zwangsläufig auf größerer Strecke unterwegs sei als das Innenrad, sei das vorprogrammiert. "Die Bogen ab Hornberg sind sehr eng, da habe ich Bogen drin mit 600 Metern Durchmesser, der Unterschied zwischen Innen- und Außenschiene liegt bei zweieinhalb Metern", plaudert er aus dem Nähkästchen.
Wie beim Verlegen neuer Schienen auf so kurvenreicher Strecke vorzugehen ist, hätte man an Beispielen in der Vergangenheit lernen können – beispielsweise schon vor fünf bis sechs Jahren auf der Sauschwänzlebahn. "Da ist das Gleiche passiert": alles neu gemacht, eine hohe Radprofil-Abnutzung festgestellt, dann habe man die Schienen "aufgemacht" und unterlegt, dass sie eine andere Neigung haben. Denselben Effekt wolle man nun auf der Schwarzwaldbahn erzielen, allerdings indem man die Schienen aufwendig zurechtschleift. Warum die Deutsche Bahn, anstatt aus den Erfahrungen zu lernen und "die Alten zu fragen" eine aufwendige Fehlersuche betreibt, ist Eisenbahnfreunden wie Günter Lang schleierhaft.
Fahrgäste seien einfach nur lästig
Wenn sich die Fahrgäste und Tagestouristen in der Region derzeit über die Auszeit auf der Schwarzwaldbahn ärgern, dann ärgert sich Günter Lang mit. Oft hat er bestenfalls ein frustriertes Kopfschütteln dafür übrig, wie mit Fahrgästen umgegangen wird, "es scheint, als seien sie denen da oben einfach nur lästig". Etwa, wenn, wie jetzt zwischen Hausach und St. Georgen, auf den Schienenersatzverkehr gesetzt wird, der Bahnreisende mit Fahrrad aber vor Fahrtantritt bislang nichts von seinem Pech erfahren hat, dass mit Fahrrad zwischen Hausach und St. Georgen erst einmal Schluss ist. Die Redaktion hat es getestet, und wirklich: "Fahrradmitnahme möglich" hat der DB-Navigator der Kundschaft bis vor kurzem noch vorgegaukelt, wenn man eine Fahrt mit Fahrrad und Zug in die Ortenau geplant hat – erst ganz hinten, nach dem gefühlt dutzendsten Klick, war klar: Das funktioniert nicht. Und die Bahn habe zwar einen unrealistischen Pendlerzug um 5 Uhr in der Frühe auf die Reise geschickt, der durchfahre – auf einen Fahrradmitnahme-Zug "zu christlicher Zeit einmal am Morgen und einmal am Abend" aber habe man verzichtet, bedauert Lang. Wenngleich die Angabe mit der Fahrradmitnahme zwischenzeitlich auch online angepasst worden ist, ein anderes Ärgernis aber bleibt: Die lange Fahrt.
Leute stehen 52 Minuten rum
Wer von der Ortenau in den Schwarzwald-Baar-Kreis fährt und mit der Regionalbahn R2 in Hausach ankommt, dem bleiben neun Minuten Umstiegszeit von der Bahn auf den Schienenersatzverkehr mit dem Bus. Dann fährt dieser los, kommt in St. Georgen an – aber der Planzug ist dem eigentlich Bahnreisenden quasi vor der Nase weggefahren und seit fünf Minuten schon weg – "das heißt, da stehen die Leute dann 52 Minuten in St. Georgen rum", erläutert Lang und schüttelt, wie so oft in diesem Gespräch, verärgert den Kopf.
Immerhin: Ab dem 19./20. Juli sollen die Züge auf der Schwarzwaldbahn wieder rollen, hat er gehört – "man will sogar eventuell mit Schweizer Wagen fahren, nicht mit Doppelstock", setzt er hinzu, "schöne Fahrzeuge, mit großen Fenstern und besser als unsere", lobt Lang – nicht nur da seien die Eidgenossen der Deutschen Bahn einen gehörigen Sprung voraus.