In der Region wird der Bedarf nach Wohnraum bis 2030 steigen. Foto: IHK

Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez regt regionale Bedarfserhebung an. Herausforderungen stehen an.

Schwarzwald-Baar-Kreis -  In den Landkreisen Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Rottweil sehen die Wissenschaftler in Zukunft eine deutlich steigende Nachfrage nach Wohnraum.
Um den derzeit noch vorhandenen Vorteil der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gegenüber den Ballungszentren zu behaupten, bedürfe  es  der Zusammenführung lokaler Daten zu einer regionalen Bedarfserhebung und Planung, regt Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, an.

Die Verfügbarkeit attraktiven Wohnraums zähle zu den wichtigen Standortfaktoren, stellt die Industrie- und Handelskammer fest.   Albiez bezieht sich   auf eine wissenschaftliche Erhebung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die alle Kreise in der Bundesrepublik erfasst.

Demnach soll der Wohnflächenbedarf in der Bundesrepublik bis 2030 gesamt nur um zwei bis drei Prozent steigen. Allerdings prognostizieren die Wissenschaftler große regionale Unterschiede: Während in München und vor allem dem oberbayrischen Umland bis zu 35 Prozent mehr Wohnraum benötigt werde, drohe in vielen neuen Bundesländern sowie in vielen Regionen Nordrhein-Westfalens massiver Leerstand. Wie ausgeprägt die Nachfragesteigerung in der Region ausfallen wird, hängt unter anderem davon ab, wie viel Fläche der Einzelne bewohnen wird.

Eine Auswertung des sozioökonomischen Panels (eine repräsentative Wiederholungsbefragung von über 12.000 Privathaushalten in Deutschland) zeige, dass die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf zwischen 1995 und 2011 über alle Altersgruppen hinweg um jährlich ein Prozent gestiegen ist. Das heißt, eine Person lebte 2011 durchschnittlich  auf 46 Quadratmetern – ein knappes Viertel Fläche mehr als 1995 (38 Quadratmeter).

Die Experten gehen für die Zukunft von geringeren Steigerungsraten des persönlichen Wohnflächenbedarfs aus. Dennoch erwarten sie für den Schwarzwald-Baar-Kreis bis 2030 eine Steigerung um 11,2 Prozent und für den Kreis Rottweil um 14,4 Prozent. Am deutlichsten wird der Bedarf im Kreis Tuttlingen steigen, dort erwartet das IW eine Zunahme um 17,4 Prozent. Bei der Annahme, dass die Bedarfszunahme von etwa 0,4 Quadratmeter pro Jahr und Einwohner anhält, fällt die Steigerung noch viel deutlicher aus. In der Region sei heute schon ein Mangel an hochwertigen Mietangeboten festzustellen, stellt Albiez fest.

Gerade Führungskräfte hätten Probleme, attraktiven Wohnraum in guter Lage zu finden. »Viele werden deshalb zu Pendlern statt Bewohnern der Region.« Das sei deshalb nachteilig, weil so keine richtige Bindung der Entscheider an die Region erfolgen könne.  Auch für Studenten müsse hinreichender Wohnraum angeboten werden. »Wenn man bedenkt, dass durch die Einführung von Masterstudiengängen am Standort Tuttlingen die Zahl der Studenten der Hochschule Furtwangen allein dort um etwa 400 steigen wird, lässt sich erahnen, welche Herausforderungen warten«, verdeutlicht Albiez.

Es sei für die hiesigen Betriebe wichtig, dass Studenten in die Region kommen, die dann über Praktika und Thesis-Arbeiten an die Unternehmen gebunden werden können. »Eine attraktive Wohnraumsituation ist hier neben der sehr praxisbezogenen Ausbildung ein wichtiges Entscheidungskriterium«, sagt Thomas Albiez.

Die IHK regt daher an, die verschiedenen Anreizmechanismen (beispielsweise Familienprämien beim Grundstückskauf) für den Wohnungs- und Eigenheimbau regional zu koordinieren und  überregional bekannt zu machen. Eine Bedarfserhebung könnte zudem Investitionsentscheidungen privater Anbieter auslösen und so  Impulse für die  Wirtschaft generieren.

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