Bei einem Treffen in Kirnbach wurde die Idee angestoßen, dass sich die drei Bollenhut-Gemeinden zusammentun und sich um die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe der Unesco bemühen. Wie stehen die Chancen?
Es war nur eine Randnotiz beim ersten Treffen der Interessengemeinschaft für das 750-jährige Jubiläum in Kirnbach – aber eine, die es in sich hat: Bei den Teilnehmern des Treffens kam die Frage auf, ob der Bollenhut das Zeug habe, in das immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden.
In Gutach habe es bereits erste Bemühungen in diese Richtung gegeben, erinnerte sich Hardy Happle. Diese würden aktuell allerdings ruhen. Die Idee an diesem Abend: Wenn sich alle drei Bollenhut-Gemeinden zusammentun würden, stünden die Chancen nicht schlecht.
Teil der Tracht in Kirnbach, Gutach und Reichenbach
Bürgermeister Thomas Geppert versprach an diesem Abend, die Idee mit seinen Amtskollegen aus Gutach und Hornberg zu besprechen. Bekanntlich ist der rote Hut – und sein schwarzes Pendant für die verheirateten Frauen – Teil der Tracht in Kirnbach, Gutach und dem Hornberger Ortsteil Reichenbach.
Werbeprofi und Sprecher der Interessengemeinschaft Jakob Wolber ist Feuer und Flamme für die Idee. „Der Bollenhut ist als Werbesymbol für den gesamten Schwarzwald weltweit bekannt, beliebt und unübersehbar“, zählt er auf. „Das wäre natürlich eine riesengroße Werbung für uns.“ Wenn der markante Hut aufgenommen würde, wäre das eine willkommene Würdigung der traditionellen Tracht. Allerdings, gibt Wolber zu bedenken, würde es zeitlich wohl nicht hinkommen, das bis zum Jubiläum über die Bühne zu bringen. Sein Ansinnen sei es, die Tracht und ihre Eigenheiten für die kommenden Generationen zu erhalten – darum werde die Tracht und ihre Fertigung auch in dem geplanten Kirnbach-Buch beschrieben. „Ob die Bemühungen Erfolg haben werden, kann ich nicht beurteilen – aber es wäre ein sehr guter Schritt, die Tracht weiter zu erhalten“, meint er.
„Dieses Brett können wir nur gemeinsam nach vorne bringen“, sagt Wolfachs Bürgermeister Thomas Geppert auf Nachfrage unserer Redaktion. „Unabhängig vom Jubiläum in Kirnbach hätte das für uns eine gewaltige Außenwirkung und würde dem gesamten Kinzigtal zugute kommen“, meint er. Darum sei er sehr interessiert daran, den Weg gemeinsam mit den beiden anderen Bollenhut-Gemeinden zu gehen. Als nächstes gelte es, sich mit seinen Amtskollegen abzustimmen und sich dann mit allen Beteiligten zusammenzusetzen. „Aber es wäre utopisch zu sagen, das regelt die Politik allein“, sagt er. Für den Erfolg in dieser Sache brauche es auch die Aktiven vor Ort: Die Trachtenkapellen, Trachtenträger und engagierte Bürger, die sich mit einbringen wollen.
Auch Hornbergs Bürgermeister Marc Winzer ist der Meinung, dass ein gemeinsames Auftreten in dieser Sache zielführend sei.
Gemeinsames Auftreten ist zielführend
„Der Bollenhut ist nicht nur Teil der Tracht und Heimatgeschichte, sondern wird mittlerweile immer stärker mit dem Schwarzwald verbunden. So wird er permanent als Werbeträger genutzt, was ich persönlich schätze“, meint er. Dennoch sollte er geschützt werden, um seine offizielle Bestätigung der Herkunft zu festigen, so Winzer. Ein Eintrag als Unesco-Kulturerbe sei daher wünschenswert.
Gutachs Bürgermeister Siegfried Eckert ist auch Vorsitzender des Bunds Heimat und Volksleben, also quasi per Amt zuständig für alles, was mit dem Bollenhut zu tun hat. Und die Idee, den Hut zum Kulturerbe erklären zu lassen gebe es schon länger, auch schon lange vor der Pandemie. „Aber das ist ein dickes Brett, das da gebohrt werden muss, das geht nur wenn alle drei Kommunen gemeinsam daran arbeiten.“ Nun sei der Bollenhut in aller Munde, es sei also vielleicht nicht ungeschickt, jetzt aktiv zu werden. Es sei jedoch noch nichts in die Wege geleitet.
Das Verfahren
Um als immaterielles Kulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden, braucht es zunächst einen Eintrag in das nationale Verzeichnis, heißt es auf der Webseite der deutschen Unesco-Kommission. Dieses Bundesweite Verzeichnis wird in einem mehrstufigen Verfahren von mehreren staatlichen Stellen und der Deutschen Unesco-Kommission erstellt. Die Vorschläge kommen direkt aus der Zivilgesellschaft. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen Kulturformen aus den Bereichen Tanz, Theater oder Musik ebenso wie mündliche Überlieferungen, Naturwissen, Handwerkstechniken und Feste. Das Verzeichnis umfasst derzeit 144 Einträge. Immaterielles Kulturerbe ist übrigens nicht gleich „Welterbe“. Als Letzteres gelten ausschließlich Baudenkmäler, Stadtensembles sowie Kultur- und Naturlandschaften