Aus Längsparkplätzen am Schulsportstadion sollen nun auch offiziell Senkrechtparkplätze werden. In der Praxis gibt es die Regelung schon. Foto: Alexander Kauffmann

Die Sanierung des Bisinger Schulsportstadions samt temporärer Kita auf dem Bolzplatz nebenan ist ein Mammutprojekt – auch im Hinblick auf die bürokratischen Hürden.

Das Bisinger Schulsportstadion soll umfassend saniert werden. Das ist bekannt. Vorübergehend soll dazu ein Kita-Gebäude als Übergangslösung auf dem Bolzplatz östlich davon entstehen. Der Gemeinderat hatte nun weitere Weichen für das Projekt gestellt – und einmal mehr bürokratische Hürden genommen.

 

Konkret wurde einstimmig der Aufstellungsbeschluss für die Flächennutzungsplanänderung „Schulsportstadion/Kita“ gefasst. Bisher war die Fläche, auf welcher die Übergangskita für Kinder von sieben bis zehn Jahren entstehen soll, als Grünfläche mit der Zweckbestimmung Bolzplatz ausgewiesen. Diese wurde nun in eine Fläche für den Gemeinbedarf umgewandelt. Dies ist eine Voraussetzung für die temporäre Kita.

Gemeinbedarfsfläche auch langfristig sinnvoll

Wie Jana Gfrörer vom Empfinger Ingenieurbüro Gfrörer, welches die Gemeinde durch das Verfahren begleitet, in der Sitzung mitteilte, sei die Ausweisung des Gebiets als Gemeinbedarfsfläche auch auf lange Sicht sinnvoll. Denn: Mit der Wiederherstellung des Bolzplatzes wird nicht geplant, so könne die Fläche aber weiterhin für gemeindliche Zwecke genutzt werden soll. Eine Folgenutzung ist indes noch nicht bekannt.

Soweit die erste Voraussetzung: Im darauffolgenden Tagesordnungspunkt ging es dann um den Bebauungsplan für das „Schulsportstadion/Kita“. Auch dieser ist eine nötige Formalie, damit die Modernisierung des bestehenden Sportstadions und der Bau der Interimskita über die Bühne gehen können. Dabei müssen die sogenannten Träger öffentlicher Belange angehört werden, sprich Behörden und betroffene Institutionen, die Stellungnahmen abgeben können. Die der frühzeitigen öffentlichen Auslegung und der frühzeitigen Behördenbeteiligung sind nun für das Bisinger Projekt eingegangen und der Bebauungsplan wurde dementsprechend überarbeitet.

Deutsche Bahn will auch bei späterer Baugenehmigungweiter informiert werden

Interessant ist dabei ein Blick, wer sich zum Bebauungsplan geäußert hat. Da wäre die Deutsche Bahn, welche anmerkt, dass das Bauvorhaben keine Auswirkungen auf die Bahnanlage und das Bahngelände haben darf. Dabei ist die Bahnlinie 200 Meter vom Schulsportstadion entfernt. Auch bei späteren Anträgen auf Baugenehmigung will die Bahn informiert werden. Doch warum? Jana Gfrörer erklärt, dass es sich dabei um eine Standard-Stellungnahme der Bahn handle, beispielsweise könnten bei Sonnenschein die Photovoltaikanlagen auf Dächern den Zugführer blenden. Das sei im vorliegenden Falle kein Problem.

Das Landratsamt weist wiederum darauf hin, genügend Parkplätze vor der Kita bereitzustellen. Bekanntermaßen sei die Parkplatzsituation im Bereich des Schulzentrums angespannt – mit der Kita komme ein weiterer Belastungsfaktor dazu. Gfrörer hat eine Alternative erarbeitet: Die bestehenden Längsparker mit parallel laufendem Gehweg entlang der Straße werden als Senkrechtparkplätze genutzt, sodass insgesamt rund 30 Parkplätze entstehen.

Artenschutz spielt wichtige Rolle

Auch der Artenschutz spielt für die Balinger Behörde eine wichtige Rolle. So wird nun eine Habitat-Potenzial-Analyse erstellt – genauso wie eine artenschutzrechtliche Untersuchung, bei welcher der Zustand der Wiese bewertet wird. Dazu seien Flutlichtanlagen insektenfreundlich zu gestalten.

Letztlich stimmte der Gemeinderat einstimmig zu. Aber Klaus Ertl schüttelte ob all der Vorschriften den Kopf: „An diesem Projekt sieht man, was Bürokratie in Deutschland bedeutet.“ Bürgermeister Roman Waizenegger wollte sich einen Kommentar zum Thema Bürokratie ersparen. Und es geht weiter mit Bürokratie: Mit dem Beschluss im Gemeinderat steht nun die Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange an. Schon im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung einen Baubeginn 2024 ausgeschlossen.