Immer wieder sind Telefonbetrüger am Werk und ziehen ihren ahnungslosen Opfern das Geld aus der Tasche. Auch in Furtwangen versuchten sie kürzlich ihr Glück – dabei werden die Täter immer raffinierter.
Dagmar Graf ist noch immer schockiert, wenn sie an die jüngsten Geschehnisse denkt. Denn für sie hat der alltägliche Gebrauch des Smartphones einen kleinen Schrecken mit sich gebracht. Ihren Namen möchte sie daher nicht in der Zeitung lesen, weshalb sich unsere Redaktion zu einer Namensänderung entschlossen hat.
Graf wurde von Betrügern belästigt – doch nicht die altbekannten Telefonbetrüger haben bei der Furtwangerin ihr Glück versucht – stattdessen erreichte sie eine Nachricht auf dem Smartphone. „Hallo Mama, mein Handy ist defekt, deshalb habe ich ein Leihhandy mit Nummer“ – das konnte – so war sich Graf sicher, nur ihre Tochter sein.
Die Nachricht Die zweite Nachricht ließ nicht lange auf sich warten: „Mama, ich habe eine Bitte an Dich, kannst du mir helfen, aber es ist mir peinlich.“ Und auch die Dritte folgte schon bald: „Mama, ich habe ziemlich viel im Internet auf Raten gekauft und habe in den letzten beiden Monaten nichts bezahlt. Bis 11 Uhr muss ich das Geld überwiesen haben.“
Doch Graf war sogleich misstrauisch. „Ich habe dann ’meine Tochter’ gebeten, mich auf dem Festnetz anzurufen, was nicht geschah – sie sei ja nicht zu Hause“, berichtet die Furtwangerin. So wollte Graf mehr wissen – und bat den Verfasser der Nachricht, ihr den Namen der Großmutter zu nennen. Danach: Funkstille. Es kam keine Antwort mehr. „Dann habe ich meine Tochter auf Ihrem angeblich defekten Handy angerufen, und sie wusste von nichts“, erzählt Graf weiter.
Der Schock Die Furtwangerin war schockiert von diesem betrügerischen Vorgehen. „Diese Masche war für mich neu“, bekennt Graf, dennoch sei sie misstrauisch gewesen. Mit ihrer Erfahrung möchte sie andere warnen: „Wenn Sie jemand anruft oder über andere Medien kontaktiert, fragen Sie nach privaten Dingen, die Fremde nicht wissen können, und rufen Sie die richtige Nummer Ihrer Verwandten an.“ Ihr Rat: „Auf keinen Fall Geld, Schmuck oder anderen Wertsachen geben.“
Das kann auch Dieter Popp vom Polizeipräsidium Konstanz nur unterstreichen: „Da hat sie gut reagiert.“ Betrugsmaschen wie diese sind dem Beamten nicht neu. Unterscheiden müsse man zwischen drei Kategorien. Die sogenannten Schockanrufe, der Enkeltrick und der falsche Polizist.
Die Tricks Bei Ersterem ginge es den Betrügern darum, den Kontaktierten in eine emotionale Ausnahmesituation zu bringen – und folglich irrational zu handeln. So gaukelten sie etwa vor, einen schweren Unfall gehabt zu haben oder medizinische Hilfe im Ausland zu benötigen. Auch Corona war hier in der Vergangenheit ein Thema: „Ich liege in der Klinik und brauche ein Gegenmittel“ – dieser Satz fiel laut Popp öfter.
Beim Klassiker, dem Enkeltrick, werde versucht, über emotionale Bindung das Ziel – das in der Regel immer Geld ist – zu erreichen. Beim falschen Polizisten wird den Betrugsopfern vorgetäuscht, Wertgegenstände an vermeintliche Ordnungshüter abzugeben oder Geld auf ein bestimmtes Konto zu überweisen – etwa, weil angeblich Einbrecher in der Gegend seien. Die Gemeinsamkeit dieser Maschen: „Sie gehen alle in die gleiche Richtung – in erster Linie will jemand Geld“, erklärt Popp.
Die Abwehr Und diese Gemeinsamkeit birgt auch die Möglichkeit, den Betrügern nicht auf den Leim zu gehen. „Immer wenn solche Nachrichten oder Anrufe in Bezug auf Geld kommen, sollten alle Alarmglocken schrillen“, sagt Popp. Er rät: Nicht reagieren, sofort auflegen, einen Angehörigen oder auch die Polizei verständigen. Spott oder Vorwürfe hätte man bei Letzterem nicht zu erwarten: „Es ist gut, wenn wir davon Kenntnis haben.“
Angeblichen Verwandten könne man entgegnen: „Gib mir deine Nummer, ich rufe dich zurück.“ Die Rückruftaste sollte nicht betätigt werden. Unter keinen Umständen sollte man den Betrügern Geld geben. In puncto Geldforderungen, Verträgen oder Gewinnversprechen sollte man „sehr vorsichtig sein und keine Informationen oder persönliche Daten herausgeben“, betont der Beamte. Auch persönliche Besitzverhältnisse gingen niemanden etwas an. „Das alles hat den Anrufer nicht zu interessieren.“
Das Ausmaß Die Betrugsversuche träten immer wieder in Wellen auf und kursierten in gewissen Landkreisen. „Wie Heuschreckenplagen“, sagt Popp. „Die sitzen dann in der Türkei oder irgendwo im Ausland und probieren irgendwelche Nummern durch“, erläutert er.
Die Warnung Er rät jüngeren Menschen, ihre älteren Angehörigen für dieses Thema zu sensibilisieren. Denn die Täter würden immer kreativer und seien „sehr einfallsreich“. „Sie sind darin geschult, auf die Ängste und Vorbehalte der Menschen einzugehen, und versuchen, durch mannigfaltige Gespräche das Gegenüber zu überzeugen“, warnt Popp.
Mittlerweile können sogar die Telefonanzeige manipuliert werden – den Betroffenen erscheint dann die „110“ auf dem Display. Recht neu seien auch die Maschen via Whatsapp. Popp rät: Nicht reagieren, die Nummer blockieren. Und: „Nicht ins Boxhorn jagen lassen.“