Der komplette Hang am hinteren Tierstein ist umgewühlt. Die Wildschwein-Rotte sucht das Gelände immer wieder heim. Foto: Dold

Rotte sucht Tierstein heim. Hang muss erst mühsam wieder gerichtet werden.

Schramberg - Es ist ein Problem, das langsam, aber sicher überhand nimmt: Die Plage mit Wildschweinen. Nun hat eine ganze Horde am hinteren Tierstein eine ein Hektar große Wiese umgepflügt – und der Besitzer wird mit dem Problem alleine gelassen.

"Dafür kommt keine Versicherung auf", klagt Siegfried Braunschweiger beim Blick auf seine steil abfallende Wiese. Es an liegt ihm, die Schäden zu beseitigen und den Hang wieder in Schuss zu bringen – zum wiederholten Male. "Das ist eine schwere Arbeit an dem steilen Hang. Da gehen Tage ins Land dafür", sagt der Besitzer: "Eine Katastrophe."

Die Wildschweine sind nachtaktiv, daher bekommen die Anwohner sie nicht zu sehen. "Heute Nacht um 4 Uhr habe ich gemeint, was zu hören", sagt ein Nachbar.

"Im Oktober hat es angefangen", sagt Braunschweiger. Seitdem suchen die Wildschweine den Hang immer wieder heim. Dort wühlen sie nach Nahrung in Form von Engerlingen, Kräutern und Wildmöhren.

Die Wildschweine dürften sich sonst – da sind sich Siegfried Braunschweiger und Jagdpächter Thilo Geisler einig – zumeist an den sonnigen Steilhängen rund um den Steinbruch am Rappenfelsen aufhalten. Dafür spricht auch die Tatsache, dass lediglich der am tiefsten gelegene Hang am Tierstein immer wieder verwüstet wird. Die Wiesen oberhalb hingegen bleiben verschont – noch.

Oberhalb des Waldes, zwischen der Firma Trumpf Laser und dem Lienberg gebe es auch immer wieder Ärger mit Verwüstungen durch Wildschweine, weiß Thilo Geisler, der auch diese Flächen bejagt.

Populationen wachsen immer weiter an

Das Problem werde immer größer, da die Populationen anwachsen. "Früher sind die Rotten bei uns höchstens mal durchgezogen", sagt der Jäger. Heute hingegen gebe es immer mehr Schäden.

Zwei Gründe sieht Thilo Geisler: Zum einen würden die Winter immer milder, zum anderen werde viel mehr Mais als früher angebaut, was den Tieren viel Nahrung biete und die Populationen so anwachsen lasse.

Zudem hätten die Schweine heute zum Teil schon früher Nachwuchs als in der Vergangenheit. Werde eine Leitbache geschossen, so komme die Struktur in der Rotte durcheinander und die Paarung erfolge schon früher – was die Populationen weiter anwachsen lasse.

Dem Problem lässt sich durch das Bejagen nicht so ohne weiteres Herr werden, weiß Geisler. Wildschweine seien deutlich cleverer als beispielsweise Rehe, die einfach irgendwann aus ihrer Deckung kämen und auf einer Wiese fressen würden. Wildschweine hingegen seien völlig unberechenbar.

Es sei bereits vorgekommen, dass er am Tierstein nachts zwei Stunden angesessen sei – aber kein Wildschwein in Sicht war. Als er dann weg war, seien die Tiere 30 Minuten später gekommen, wie er auf einer Kamera habe feststellen können.

Werde dann doch einmal eine Sau geschossen, so ziehe die bis zu 30 Stück starke Rotte weiter und komme vorerst nicht mehr an diesen Ort.

Ein weiteres Problem an dieser Stelle: Der Jäger könne nicht von oben schießen, da sich unterhalb des Hangs bewohnte Häuser befinden. Von unten hingegen habe er keine gute Übersicht über das Gelände, so Geisler.­

Siegfried Braunschweiger hilft das alles nicht. Er muss nun wieder in mühsamer Handarbeit die Schäden am Steilhang beseitigen – und weiß nicht, ob die Wildschweine schon einen Tag später wieder kommen, um alles erneut zu verwüsten.

Immerhin: In Zukunft soll der betroffene Hang mit einem Elektrozaun abgegrenzt werden, um das Problem in den Griff zu bekommen, so Geisler.

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