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Schramberg Mit angeblicher Krypto-Währung Milliarden erschwindelt

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Ein Blick auf die Hardware eines Computers. Die bekannteste Kryptowährung ist Bitcoin. Mit der angeblichen Währung "One-Coin" hat sie jedoch nichts zu tun. (Symbolfoto) Foto: dpa

Schramberg - Der in Schramberg aufgewachsene Konstantin Ignatov soll gemeinsam mit seiner Schwester Ruja Ignatova einen weltweit operierenden Betrugsring mit einer Krypto-Währung aufgebaut und angeführt haben. Nach jahrelangen Ermittlungen des FBI und der amerikanischen Justiz wurde Ignatov deshalb kürzlich in Los Angeles festgenommen.

Ignatov ging in Schramberg zur Schule und machte sein Abitur, bevor er an der Universität Tübingen ein Studium der Politikwissenschaften aufnahm. Ein Mitschüler bezeichnet ihn als "kein Kind von Traurigkeit", der aber immer für seine Freunde eingestanden sei. Ignatov habe sein Ding immer konsequent durchgezogen. Immer wieder wurde er in der früheren Heimat gesichtet, unter anderem bei der Fasnet 2018. Er verdiene sein Geld mit Finanzgeschäften, sagte er damals.

Diese Finanzgeschäfte waren aber wohl nicht legal: Laut Ermittlungen der amerikanischen Justiz und des FBI haben die beiden Ignatovs in den vergangenen Jahren mithilfe der angeblichen Krypto-Währung "One-Coin" mehrere Milliarden Dollar erschwindelt. Allein im Zeitraum von 2014 bis 2016 sollen laut einer Pressemitteilung der New Yorker Justizbehörde mit dem System "One-Coin" rund 3,3 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei ein Gewinn von rund 2,2 Milliarden erzielt worden sein.

33-Jähriger führte Netzwerk mit Schwester im Hintergrund an

Den 33-jährigen Konstantin Ignatov und seine ältere Schwester Ruja Ignatova (38) kann man dabei als Urheber des mutmaßlich betrügerischen Krypto-Währungssystems bezeichnen. Bereits 2014 soll nach den Recherchen der amerikanischen Justiz Ruja Ignatova das Unternehmen "One-Coin" in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gegründet haben. Im Oktober 2017 verschwand Ignatova dann von der Spitze des Unternehmens und aus der Öffentlichkeit, ihr Bruder Konstantin Ignatov übernahm. Seither soll er mit seiner Schwester im Hintergrund das Netzwerk angeführt haben.

Doch wie funktionierte die Betrugsmasche überhaupt und ermöglichte es den Ignatovs, sich Milliarden von Dollars zu erschwindeln? In der Pressemitteilung werden die Vorwürfe wie folgt zusammengefasst: "Die Angeklagten schufen ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen, das vollständig auf Lügen und Betrug basiert. Sie versprachen große Renditen und minimales Risiko."

Das Ganze funktionierte nach einem "klassischen Schneeballsystem in einem neuen, digitalen Gewand": Die Gründer schufen eine Krypto-Währung ohne Gegenwert und brachten viele Investoren dazu, darin zu investieren - "beruhend auf einem kompletten Lügenkonstrukt". Konkret sah das Konzept vor, dass die Investoren Werbung für den Coin betreiben. Je erfolgreicher, desto mehr Rendite bekamen sie angeblich. Die Renditen wurden dabei allerdings in "One-Coin" ausgezahlt, die Digitalwährung, die schlicht aus dem Nichts erzeugt wurde und nicht wirklich existierte. Denn hinter der Währung stehe kein reeler Gegenwert, heißt es in der Mitteilung weiter. Sie existiere nur in den Köpfen der Gründer.

Netzwerk hat mehr als drei Millionen Mitglieder

Profitiert haben - wie zumeist bei Schneeballsystemen - nur die Drahtzieher an der Spitze der Pyramide. Gewaschen habe man das Geld ganz klassisch in Off-Shore Banken, wie etwa auf den Cayman Islands. Das System sei so erfolgreich gewesen, dass das ganze "One-Coin"-Netzwerk weltweit inzwischen mehr als drei Millionen Mitglieder habe.

In seiner Funktion als Geschäftsführer reiste Ignatov um die ganze Welt, um für seine Währung zu werben. Seine Reisen stellte er auf seinem öffentlich einsehbaren Facebook-Profil gern zur Schau. Dort dokumentierte er sein Jetset-Leben - er fühlte sich wohl sicher. Ignatov war über das soziale Netzwerk auch mit einigen bekannten Persönlichkeiten befreundet. Darunter mehrere Kampfsportler und auch Ben Teewag, dem ältesten Sohn von Uschi Glas, der selbst schon einige Zeit hinter Schloss und Riegel abgesessen hat.

Schwester wird mit internationalem Haftbefehl gesucht

Bei einem seiner vielen Flüge rund um den Globus ging Ignatov dann aber der amerikanischen Justiz in Los Angeles ins Netz und sitzt seither im Gefängnis. Seine Schwester Ruja Ignatova hingegen wird immer noch mit internationalem Haftbefehl gesucht. Bereits im September 2018 wurde mit dem Amerikaner Mark S. Scott ein weiterer Drahtzieher hinter "One-Coin" festgenommen, er soll Einnahmen im Wert von mehr als 400 Millionen Dollar gewaschen haben. Ignatov und Scott sind nun unter anderem wegen Telekommunikationsbetrugs angeklagt, was eine Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis bedeutet. Dutzende weitere Mittelsmänner waren zuvor bereits 2017 in China festgenommen worden.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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