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Schramberg Mal großspurig, mal zweifelnd und kritisch

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Schramberg. "Wenn ich Theaterdirektor wäre, dann würde ich ›Des Teufels General‹ einer ganz jungen Generation vorstellen. Denn ich glaube, dass es nicht unbedingt von den speziellen politischen Tages- und Zeitereignissen abhängig ist. Natürlich ist es ganz und gar geprägt auf die Hitlerzeit, aber das Grundproblem setzt sich ja fort." So beurteilte der Schriftsteller Carl Zuckmayer 1976 in einem Interview selbst sein größtes Drama, das 1943 im Exil geschrieben, aber erst 1946 in der Schweiz und 1947 in Deutschland uraufgeführt wurde.

Zuckmayers Absicht (selbst mit Udet, dem Ausnahme-Flieger im Dritten Reich befreundet), der jüngeren Generation die moralischen Fragen des aktiven Widerstands und der passiven Duldung grundsätzlich aufzuzeigen, erweist sich auch heute noch, 70 Jahre später, als berechtigt.

Mit dem Schauspiel "Des Teufels General" von Carl Zuckmayer in der Regie von Klaus Kusenberg gastierte die Konzertdirektion Landgraf beim Theaterring Schramberg, absolut überzeugend in der Hauptrolle als Harras, General der Flieger im Dritten Reich, Gerd Silberbauer. Die Inszenierung (Günter Hellweg) mit gezielt reduziertem Bühnenbild und doch erkennbarem zeitgeschichtlichen Bezug stellte gleichnisartig die Aktualität der Thematik in den Vordergrund und traf damit genau die Grund-Intention des Autors: General Harras, ein Flieger mit Leib und Seele, der wie das Vorbild Udet "mit dem Teufel paktierte" ein "Mann, der leichtfertig und hochmütig von Charakter, von Macht und Glanz, die seine Zeit ihm bieten, verführt wird, zu spät seine Schuld erkennt und untergeht", so beschreibt ihn 1955 Helmut Käutner, Regisseur des gleichnamigen berühmten Filmes damals mit Curd Jürgens in der Hauptrolle.

Innerer Widerstand

Gerd Silberbauer verkörperte hervorragend diesen Menschen Harras, zwischen schneidig, großspurig, kameradschaftlich, verführerisch, aber auch kritisch, zweifelnd und von elementaren Lebensängsten geplagt. Er zeigte alle Facetten und erntete dabei berechtigt lang anhaltenden Beifall, zusammen mit seinem Team. An der Seite des Flieger-Generals Adjutant Korrianke (Daniel Pietzuch) mit schnoddriger Berliner Schnauze, als erfolgreiche Kampfflieger Oberst Eilers (Thorsten Niedel), Leutnant Hartmann (Adrian Spielbauer) und der bayrisch polternde Hauptmann Pfundtmayer (Peter Schmidt-Pavloff), alle drei Nazi-Parteimitglieder im Gegensatz zu Harras. Sein Gegenspieler im Namen der Obersten Heeresleitung, Dr. Schmidt-Lausitz ( Markus Fisher), als Kulturleiter beharrlich darum bemüht, Harras zum Eintritt in die Partei zu bewegen, ebenso der Präsident im Beschaffungsamt für Rohmetalle Siegbert von Mohrungen (Andreas Klein) und der als absolut loyal geltende Oberbruch, Chefingenieur im Luftfahrtsministerium (Hans Machoviak), der erst zum Schluss die "Wahrheit" aufdeckt: aktiver innerer Widerstand gegen das Naziregime durch Sabotageakte an den Flugzeugen der Wehrmacht. Harras, selbst kritisch dem Regime gegenüber, kann sich jedoch nicht anschließen, da er sich für die abgestürzten Flugkameraden moralisch verantwortlich fühlt und wählt den Tod in einem defekten Flugzeug (als Flieger).

Aber auch die Frauenrollen haben in diesem Stück ihre wichtige Funktion: Anne Eilers, Ehegattin des erfolgreichen Fliegeroberst Eilers, (Marsha Zimmermann), die durch ihre Parteitreue ihrem Mann die Karriere sichern will und daraus später auch dem General gegenüber den schweren Vorwurf ableitet, am Tod ihre Mannes, seines Fliegerkameraden, schuld zu sein, Annes Schwester "Pützchen" ( Martina Dähne), ehemalige Verlobte von Hartmann, engagierte BDM-Frau und laszive und doch erfolglose Verführerin von Harras, sowie Operettendiva Olivia (Annette Kreft), ehemalige Geliebte des Generals, und ihre Nichte Diddo Geiss (Elisabeth Halikiopoulos), die aktuelle Geliebte. Sie alle ergeben das dichte Netz der Beziehungen, in dem General Harras verstrickt ist, das Geflecht von Verführern und Verführten, von Überzeugten und Mitläufern, in dem keiner von Schuld frei ist, sei es aktiv oder durch passive Duldung der Umstände.

Ein eindrucksvoller Theaterabend mit großer Schauspielkunst und vielen Denkanstößen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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