Das Posaunenquartett erfüllt die Alte-St.-Laurentiuskirche mit Klängen, die dem Publikum bisweilen unter die Haut gehen. Foto: Anton Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: "Opus 4" reißt Zuhörer mit

Mit dem Engagement des hochkarätigen Posaunenquartetts "Opus 4" hat der Förderkreis Alte St. Laurentiuskirche Sulgen einen weiteren großen Höhepunkt der Konzertreihe 2019 geboten.

Schramberg-Sulgen. Erste Kontakte mit dem vielfach ausgezeichneten Ensemble, das dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert, waren bereits vor vier Jahren geknüpft worden, wie Konzert-Organisator Josef Doedt in seiner Begrüßung berichtete.

Unter dem Titel "Von Bach bis Broadway" brachte das vielseitige Quartett Bläsermusik aus fünf Jahrhunderten zu Gehör. Ihr agiler Leiter und Gründe, Jörg Richter, sprach dazu einführende Worte. Er stellte auch die Mitglieder des Quartetts vor: Bassposaunist Wolfram Kuhnt, seit sieben Jahren dabei, Stephan Meiner, Mitglied seit 13 Jahren; für den verhinderten Tenorposaunisten Dirk Lehmann war Michael Peuker eingesprungen, der ebenfalls schon oft mit dem Quartett musiziert hat. Als Manager, musikalischer Leiter, Ansager, und Busfahrer wurde Richter vorgestellt.

Welch wuchtige Klanggewalt vier Posaunen ausüben können, erlebten die Zuhörer schon beim Einsatz bei "Deus in Adjutorium" aus der Marienvesper von Claudio Monteverdi, wo die Musiker, die Bassposaune voran, die Mauern der historischen Kirche zum Beben brachten. Aber genauso verstanden sich die Bläser auf die Leichtigkeit des schwebenden Klang.

Auf die festlichen Klänge der Eröffnung folgte, ebenfalls aus der Alten Musik, sehr feierlich und getragen die Komposition „Non moriar sed vivam“ von Ludwig Senfl , die noch ein Jahrhundert früher entstanden war. Der harmonische Zusammenklang der vier Instrumente – eine Altposaune, zwei Tenorposaunen und die Bassposaune – war ein herrliches Bad im Wohlklang. Mit drei weiteren Renaissancekomponisten setzten die Musiker ihr Programm fort.

Die nächste Stilepoche des Barock erreichten die Musiker mit Heinrich Schütz, dessen Chor "Meine Seele erhebt den Herren" sie instrumental interpretierten. Mit Stolz verwies Richter auf die seit sieben Jahren verwendeten Barockinstrumente, die dem Quartett, nachgebaut nach Originalen des Leipziger Instrumentenmuseums, als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Der transparente Klang, den er an den Barockposaunen besonders hervorhob, wurde bei Schütz deutlich hörbar. Jedes Instrument brachte seine besondere Klangqualität ein. Interessant war der plötzliche Taktwechsel von schweren zu leichten Passagen. In der hervorragenden Akustik kam jeder Ton zur Geltung. Nach dem Springtanz erfolgte das dichte Finale mit festlichem Gepräge.

Höhe- und Glanzpunkt des Programms war die Transkription der Toccata und Fuge in d-moll. Dieses Orgelwerk einmal von vier wuchtigen Posaunen gespielt zu hören, war ein völlig neues Klangerlebnis. Nach der Einleitung mit den verschwimmenden Klängen erfolgten die akkurat gespielten Läufe der Alt- und Tenorposaune, in die sich schließlich noch der knatternde Bass mischte. Mit unglaublicher Virtuosität kamen die leichten Läufe, die von feierlichen Akkorden unterbrochen wurden. Bei der Fuge bewiesen die Musiker große dynamische Gestaltungskraft. Die rasanten Läufe strömten im kontinuierlichen Melodienfluss wie ein Perpetuum mobile dahin, um sich schließlich wieder zum harmonischen Zusammenspiel zu treffen und sich nach dem Trugschluss erneut auf die musikalische Reise zu machen, bevor das endgültige Finale erreicht wurde ­–­ eine kolossale atemberaubende Meisterleistung der vier Musiker.

Die Klassik überspringend kam das Programm mit drei Werken von Anton Bruckner bei der Spätromantik an. Auch ohne Text kam im feierlichen Duktus und der dynamischen Gestaltung der flehende Charakter des Chorwerks "Ave Maria" gut zum Ausdruck. Bei der "Antiphon" leitete die Tenorposaune ein. Die übrigen Instrumente griffen die Melodik auf. Anfangs sakral, wurde im Finale ein fast fröhlicher Ton angestimmt, der aber vom aufsteigenden Bass eher wieder in eine schaurige Klangfarbe getönt wurde.

Sprung in die Gegenwart

Nach einem großen Sprung in der Musikgeschichte kamen die Musiker mit Bernhard Krol in der Gegenwart an. Die Musiker hatten den Komponisten vor elf Jahren in Neuhausen auf den Fildern persönlich kennengelernt und er selbst bot sich an, etwas für das Quartett zu schreiben. Mit "Kaffestunde bei Anna Magdalena" versetzte der Komponist die Zuhörer scherzhaft 300 Jahre zurück mitten an den Kaffeetisch der Gattin Johann Sebastian Bachs.

Nacheinander meldete sich eine Stimme nach der anderen zu Wort, um eine Neuigkeit beizusteuern, was von den anderen beifällig aufgenommen wurde. Die Lautstärke nahm zu, als der Bass das Wort führte, von den anderen Stimmen schien schallendes Gelächter auszugehen, in das schließlich auch der dröhnende Bass einstimmte. Mit leichter werdendem Duktus schien das Gespräch sich danach um leichtere Themen zu drehen, doch kamen zum Schluss eher melancholische Töne und schwere Seufzer. Diese jedoch mündeten wieder in harmonisches Einvernehmen. Das letzte Wort hatte der Bass.

Der nächste stilistische Schritt führte über den großen Teich in die Frühzeit des Jazz. Im flotten Tanzschritt mit tollen Schleifern ertönte "Alexander’s Ragtime Band" von Irving Berlin. Die Musiker legten los, was das Zeug hielt und ihre Begeisterung übertrug sich augenblicklich auf das Publikum, das euphorisch mitklatschte.

Ein brillanter Höhepunkt war zum Abschluss das Medley "A Portrait" von George Gershwin, das mit farbigem Bläsersound und fesselnder Rhythmik in die spezielle Klangwelt Gershwins und die Glanz- und Glamour-Welt des Broadways einführte. Den Auftakt übernahm der Bass, die einsetzenden Posaunen explodierten schier vor Klanggewalt, bevor mit gestopfter Soloposaune die Melodie "Summertime" aus der Oper "Porgy and Bess" ertönte. Herrliche Melodien, großartige Harmonien und Reibungen, mitreißende Rhythmen erfüllten den Kirchenraum.

Josef Doedt blieb am Ende des außergewöhnlichen Musikereignisses nur noch der Dank an die Musiker. Der Förderkreis sei stolz, ein Konzert mit so erfolgreichen Musikern anbieten zu können. Die Posaunisten bedankten sich nach dem riesigen Applaus mit dem Choral "Es ist genug" aus einer Kantate ihres Lieblingskomponisten Bach.

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