Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schramberg Junghans als Mahnmal zum Ansporn

Von
Janina Urbach (links) und Innolab-Leiter Steffen Erath haben den Bau 50 als inspirierend entdeckt.Fotos: Fritsche Foto: Schwarzwälder Bote

2017 ist bei der Hansgrohe SE ein interdisziplinäres Innovationsteam mit der Fragestellung "Was bedeutet Digitalisierung für Hansgrohe?" gestartet –mit dem Auftrag, Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck anzugehen.

Schramberg/Schiltach. Sechs Mitarbeiter wurden von ihren Alltagsaufgaben entbunden und für das komplexe Thema freigestellt. Zunächst arbeitete das Team in Räumen am Hauptsitz von Hansgrohe in Schiltach. "Das ging schief, weil die Mitarbeiter zu nahe an ihren bisherigen Tätigkeit waren", berichtet Innolab-Leiter Steffen Erath. Die nächste Station war der "Solarturm" im Gewerbegebiet bei Offenburg, was sich aber schnell als zu weit weg für den Kontakt mit den Wissensträgern in der Zentrale erwies.

Seit 2018 arbeitet das Team im Junghans Gewerbepark in der Geißhalde im Bau 50 und scheint die ideale Umgebung gefunden zu haben – im Umfeld der noch verbliebenen Fabrikgebäude von Junghans und dem Terrassenbau. "Geradezu ein magischer Platz", schwärmt Erath beim Pressetermin mit unserer Zeitung im Bau 50. Wo visionäre Zukunftsideen inspiriert werden durch traditionellen Einfallsreichtum, wie es in der Imagebroschüre des Innolab heißt.

Auch Klaus Grohe, Sohn des Firmengründers Hans Grohe, ziehe es immer wieder zum Innolab in die Geißhalde mit den historischen Fabrikgebäuden: Auch Junghans war einmal wie Hansgrohe SE heute ein Weltmarktführer, bei dem das Design eine große Rolle spielte. Und der Blick aus den Fenstern der hellen Arbeitsräume auf das Junghans-Gebäude ist für Erath und sein Team Mahnung und Ansporn: Erinnerung daran, wie schnell auch ein Weltmarktführer nicht nur durch geringere Arbeitskosten im Ausland und starkem Dollarkurs, sondern auch durch Technologiewandel (Quarzuhrwerke) unter Druck kommen kann (nicht zuletzt auch durch einen neuen Eigentümer und eine dann auch andere Unternehmenskultur).

Liegenschaftsverwalter Klaus Dreyer – inzwischen hat er diese Aufgabe an Manuel Kaltenbacher abgegeben – hat das Innolab-Team mit dem Gelände und seiner Geschichte vertraut gemacht. Eine Weihnachtsfeier im legendären Junghans-Bunker im Schlossberg hat es auch schon gegeben. Inzwischen arbeiten im Innolab vier Teams mit je drei bis sechs Mitarbeitern. Auf den Stockwerken können sie sich ausbreiten, Prototypen erstellen und testen; dort haben sie auch genug Platz, um Workshops abzuhalten.

Ein jahr lang mitarbeiten

Für größere Events ist die Szene 64 in der Nachbarschaft nicht weit. Für die möglichst große Ausbeute an Ideen werden Mitarbeiter unterschiedlicher Ausbildung und Erfahrung gemischt. Talente finden interessante Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten mit großen Freiräumen. Auch Mitarbeiter aus den klassischen Unternehmensabteilungen können ein Jahr lang im Innolab arbeiten, einen Entwicklungsschritt machen und dann wieder zurückgehen.

"Innovation als Geschäftsmodell heißt radikal andere Ansätze für neue Bereiche zu entdecken, die auf lange Sicht Wachstumsmöglichkeiten für das Unternehmen bedeuten. Nicht nur für Produkte, sondern auch für Prozesse und Dienstleistungen. Die bestehende Milliarde Umsatz zu sichern bedeutet, die nächste anzustreben", fasst Erath die Philosophie zusammen.

Von den Ideen, die umgesetzt wurden, ist die in Zusammenarbeit mit dem Europapark Rust als Schnellschuss entstandene "Seifenkiste" ein Beispiel: Sensoren und eine davon gesteuerte Bildschirmmaus animieren Kinder (und Erwachsene) zum richtigen Händewaschen. Inzwischen wurde das System auch schon in Rottweil und Dunningen an verschiedenen Plätzen aufgestellt.

Ein weiteres Beispiel ist der im 3D-Druck hergestellte Prototyp der "Furly Hundedusche" mit langen Noppen für das artgerechte Waschen von Hunden. Marktreife hat bereits das Duschsystem Raintunes erlangt, das Anfang 2021 auf den Markt kommt: Zwischen einer Reihe von Szenarien (Guten Morgen, Entspannung, Erholung, Natur, Gute Nacht, und mehr) kann der Nutzer per App wählen, begleitet von passenden Klängen aus den Lautsprechern und visuellen Effekten auf dem LED-Bildschirm.

Von der Arbeitsweise her geht es im Innolab um das Lernen, das Erfahrung sammeln: "Besser nach einigen Wochen schon ein Gefühl für die Machbarkeit einer Idee haben, als drei Jahre und eine Million Euro dafür zu brauchen." Dafür wird experimentiert, probiert und das Ergebnis gemessen. Von zehn Konzepten schafft es in der Regel eines zur Produktreife, die anderen landen auf dem "Innovationsfriedhof". Die Gründe für das Scheitern einer Idee tragen aber auch zum Lerneffekt bei. "Im gesamten Entwicklungsprozess fallen immer auch Lösungsansätze ab, die als Bausteine für die normale Entwicklungsarbeit zu Hansgrohe transformiert werden", ergänzt Jörg Hass, Leiter der Unternehmenskommunikation. Flankiert wird die Arbeit des Innolab durch Kooperationen zum Beispiel mit den Hochschulen in Furtwangen und Offenburg sowie durch "strategische Beratung" von der Universität St. Gallen.

Artikel bewerten
11
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.