Die Dorfhelferinnen (von links): Marina Hör, Isabell Bea, Sophia Broghammer, Annika King, Christel Wälde, Einsatzleiterin Doris Klausmann, Heike Weißer und Christina Ruggaber. Es fehlen: Martina Krämer und Gabi Laile. Foto: Fritsche Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: Dorfhelferinnen unterstützen Familien und Senioren der Raumschaft in schwierigen Lebenslagen

Wenn in einer Familie die Person ausfällt, die das "Familienmanagement" in der Hand hat, braucht es die zeitweise Hilfe bei der Führung des Haushalts und der Versorgung der Kinder. Dafür gibt es die Dorfhelferinnen.

Schramberg-Sulgen. In einer Familie mit zwei Kindern im Alter von sechs Monaten und zwei Jahren zum Beispiel fällt die Mutter wegen einer Erkrankung aus. Der Vater arbeitet, Hilfe aus der Verwandtschaft ist nicht möglich. Die zwei Kinder müssen tagsüber betreut werden, das ist jetzt auch eine große Sorge für die im Krankenhaus liegende Mutter. In solchen Fällen helfen Dorfhelferinnen und Familienpflegerinnen.

Circa 290 Mitarbeiterinnen sind in 90 Dorfhelferinnenstationen in Baden-Württemberg tätig – von der Ortenau über den Hochschwarzwald bis nach Hohenzollern, vom Markgräflerland über den Hochrhein bis zum Bodensee. Träger ist das Dorfhelferinnenwerk Sölden, Mitglied im Caritasverband der Erzdiözese Freiburg.

Die Einsatzleitung für die Raumschaft Schramberg ist bei Doris Klausmann auf dem Beschenhof angesiedelt: Schramberg mit allen seinen Stadtteilen, Hardt, Lauterbach, Aichhalden, Rötenberg und Niedereschach sind Schwerpunkte der Einsätze. Im Juli 2017 konnte der Stützpunkt auf dem Sulgen sogar schon sein 30-jähriges Bestehen feiern.

Voraussetzungen

Mindestens einmal im Monat treffen sich die neun Mitarbeiterinnen bei Doris Klausmann zur Einsatzbesprechung. Sie kommen in die Familien, wenn ein oder mehrere Kinder unter zwölf beziehungsweise 14 Jahren (abhängig von den jeweiligen Satzungsregelungen der Krankenkassen) im Haushalt leben und der haushaltführende Teil der Familie ausfällt.

In landwirtschaftlichen Betrieben helfen die Dorfhelferinen auch dann, wenn keine Kinder im Haushalt sind. Hierbei geht es um die Weiterführung des Betriebs. Und auch, wenn zum Beispiel ein alleinlebender Senior aus dem Krankenhaus entlassen wurde und sich in den ersten Wochen noch nicht selbst helfen kann, ist ein Einsatz möglich. In allen Fällen stellt der Hausarzt oder der behandelnde Klinikarzt eine Verordnung für eine Haushaltshilfe aus, die Kosten tragen Krankenkasse und gegebenenfalls das Jugendamt.

Aufgaben der Einsatzkraft

Die notwendigen Tätigkeiten für die Aufrechterhaltung des Alltags – Aktionen wie Fenstergroßputz oder Entrümpelung des Kellers gehören nicht dazu – werden am Anfang des Einsatzes abgesprochen.

So wissen die Dorfhelferinnen, was die Kinder gerne essen. Sie kennen deren Reaktionen, wenn die Mutter krank und nicht da ist, und wissen, wie sie damit umgehen können. Sie helfen den Kindern bei den Schularbeiten, begleiten sie auf dem Weg in den Kindergarten, übernehmen den Einkauf, organisieren auch mal einen Kindergeburtstag und haben den Überblick über alle Termine der Kinder. "Auch ein wenig Krankenpflege kann dazu kommen", ergänzt Klausmann. Sie packen im Garten alles an, was gerade nötig ist. In der Landwirtschaft gehört auch Füttern und Melken dazu. "Gerade kleinere Höfe brauchen manchmal unsere Hilfe", berichtet Dorfhelferin Christel Wälde. Meistens wird eine Familie von zwei Dorfhelferinnen betreut, die im Falle eines 24-Stunden-Einsatzes dann auch dort wohnen. Die Einsatzzeiten am Tag sind unterschiedlich, die Wochenenden meistens frei.

Fachausbildung

Alle Einsatzkräfte haben eine mehrjährige Fachausbildung absolviert, die für die Familienpflegerin und die Hauswirtschaftsmeisterin drei, für die Dorfhelferin fünf Jahre dauert – eine Ausbildung, die auch eine Tätigkeit in Kitas, Seniorenheim, Behinderteneinrichtungen, Sozialstationen, sogar Hotels erlauben würde. Ihre Arbeit mit Familien und Senioren finden alle Dorfhelferinnen der Schramberger Station "toll, weil sie so abwechslungsreich ist und man bei jeder neuen Familie immer wieder neue Erfahrungen sammelt". Welche konkrete Situation beim Einsatz sie vorfinden und welche Erfahrung sie machen, darüber sprechen sie aber nicht mit anderen. "Wir haben Schweigepflicht", versichert Klausmann.

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