Für die letzten Schönstätter Marienschwestern Registraud, Helgarda, Hannita und Cordulaine endet mit dem Monat April ihre Zeit in Oberndorf und am SRH-Krankenhaus. Am Sonntag, 30. April, werden sie mit einem Gottesdienst (10 Uhr) und einer Andacht (17 Uhr) in St. Michael verabschiedet.
Schwester Siglinde M. Hilser von der Provinzleitung, die selbst zwölf Jahre in Oberndorf verbrachte, blickte auf die Anfänge der Marienschwestern zurück. Am 1. Oktober 1946 kamen die ersten acht Schwestern vom damaligen Provinzhaus Bad Wurzach, Liebfrauenberg, am Oberndorfer Bahnhof an, während die sogenannten „braunen Schwestern“ aus der Nazi-Zeit am selben Tag abreisten.
Sie trafen 38 Patienten, ein Krankenhaus in katastrophalem Zustand und fast keine Lebensmittel an, abgesehen von einem Säckchen Grieß in der verrußten Küche. Da die Anforderungen wuchsen und es an Krankenschwestern mangelte, initiierte die Gemeinschaft die Einrichtung einer Krankenpflegeschule und wurde von der Stadt unterstützt. Der erste, ausschließlich mit Marienschwestern belegte Kurs fing am 1. Mai 1951 an.
Fotos und Erinnerungsstücke
„Wir werden Oberndorf nicht vergessen“, versichern die Schwestern Registraud, Helgarda, Hannita und Cordulaine und verraten einige Lieblingsplätze, an erster Stelle die Hauskapelle und der Garten sowie der Wald als Erholungsfaktor, die Kirche St. Michael und die Bergkapelle mit ihrem Blick ins Tal. Alte Fotos und Erinnerungsstücke wanderten ins Umzugsgepäck, unter anderem einige Baumscheiben vom alten Lindenbaum, der dem Umbau auf dem Gelände weichen musste, denn von dort gibt es ein Foto mit ihrem Gründer, Pater Josef Kentenich, bei seinem Besuch im April 1950.
Die Schwestern gehen gefasst mit der Situation um, aber „dass die persönlichen Verbindungen abbrechen, tut uns schon leid.“ Künftig werde man in geistiger Verbindung mit den Kranken und Gesunden der Umgebung stehen. „Der Abschied wäre in absehbarer Zeit ohnehin gekommen, vielleicht nur nicht so schnell“, sagen sie im Hinblick auf ihr Alter zwischen 75 und 85 Jahren. Angst vor Langeweile am neuen Wohnort auf der Liebfrauenhöhe in Rottenburg haben sie nicht. Aufgaben gebe es genügend. „Dort findet jeder eine Arbeit, die er noch machen kann, zum Beispiel Hilfsdienste für Behinderte“, so Schwester Helgarda.
Patienten Beistand gespendet
Patienten und Angestellte wussten den Beistand und die Begleitung durch die Schwestern zu schätzen. „Ermunterung und ein freundliches Wort haben in angespannten Situationen manches aufgefangen“, sind sie sich einig. Sie standen Patienten mit Angst vor Operationen und Schmerzen sowie in Notfällen und in der Sterbebegleitung bei, halfen Ängste abzubauen, ermutigten Frischoperierte zu ersten Gehübungen und begleiteten die Menschen im Gebet.
Kraft schöpfen die Schwestern aus ihrem Glauben und einer bewussten täglichen Auszeit, die die Ausgeglichenheit fördert. Neben der Arbeit gehören für sie auch die Essenszeiten und Gebetszeit zum Tagesablauf und tragen zur Erholung bei. „Beim Vater im Himmel und unserer Gottesmutter holen wir uns Beistand und dürfen alles loslassen.“
Schwestern würden sich über besuch freuen
Da die Schwestern teils Jahrzehnte in Oberndorf verbracht haben, ist ihnen die Erhaltung des Krankenhauses ein großes Anliegen. Vor 1970 habe es noch kein Personalwohngebäude gegeben, „doch die Stadt hat immer dafür gesorgt, dass wir in mehreren Unterkünften in unmittelbarer Nähe wohnen konnten und bei Notfällen nur die Straße oder den Hof überqueren mussten.“
Am vergangenen Montag nutzte die Belegschaft die Gelegenheit, sich in der Cafeteria persönlich zu verabschieden. „Richten Sie allen, denen wir nicht mehr persönlich begegnen, unsere besten Wünsche für ihr Wohlergehen und ihre Gesundheit aus“, bitten die vier Frauen am Ende des Pressegesprächs und merken an, dass sie sich über Besuch auf der Liebfrauenhöhe freuen würden.
Werdegang und Verabschiedung
Schwester Registraud
und Schwester Helgarda
begannen ihre Ausbildung zur Krankenschwester 1957 in Oberndorf. Nach dem Examen traten sie dem Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern bei. Schwester Helgarda lebte über 50 Jahre ununterbrochen in Oberndorf, arbeitete in verschiedenen Bereichen und von 1983 bis 2006 im internistischen Funktionsbereich samt Ambulanz, davon viele Jahre mit Hans-Joachim Schmid, dem langjährigen Chefarzt der Inneren Medizin und ärztlichen Leiter des Hauses. Seit 17 Jahren kümmerte sie sich um die Hauskapelle, die Sakristei sowie die Krankenkommunion. Schwester Registraud wechselte 1961 als OP-Schwester nach Ulm. Nach ihrer Rückkehr übernahm sie 1972 die Stationsleitung in der Inneren Medizin, arbeitete später im Sozialdienst und ab 2017 in der Seelsorge. Schwester Hannita
, seit 1991 in Oberndorf, versah bis zur Coronazeit ihren Dienst an der Pforte, nahm Telefonate entgegen und kümmerte sich um die Patientenaufnahme. Danach wechselte sie in den seelsorgerlichen Dienst. Schwester Cordulaine
steht den drei Schwestern seit dreieinhalb Jahren als Oberin zur Seite und unterstützt die Seelsorge. Eine der schönsten Aufgaben sei es, Menschen mit göttlichem Beistand beim Übergang in die Ewigkeit gut zu begleiten. Die Verabschiedung
findet am morgigen Sonntag von 10 bis 17 Uhr statt. Um 10 Uhr beginnt der Dankgottesdienst in St. Michael. Anschließend wird ein Gemeindefest im Don-Bosco-Haus gefeiert. Um 17 Uhr gibt es noch eine Dankandacht in der Kirche.