Im Vollmaringer Kindergarten ist die Warteliste lang. Zum Übergangen könnten Vollmaringer Kinder im Hasenbrunnen betreut werden. Foto: Fritsch

Nagold boomt, auch bei der Bevölkerungszahl. Eigentlich eine erfreuliche Tendenz. Doch es gibt Nebenwirkungen: Zum Beispiel klemmt es bei den Kita-Plätzen. Die Stadt wappnet sich nun mit einer ungewöhnlichen Lösung – bis zu 50 Betreuungsplätze könnten in Containern entstehen.

Nagold - Kita-Plätze in Containern? Damit würde die Stadt Nagold Neuland betreten. Doch alles deutet darauf hin, dass wirklich diese Lösung kommen wird. So geht es aktuell bereits eng bei den Kindergarten- und Kitaplätzen in Nagold zu. Einige Neubauprojekte und Erweiterungen stehen in der planerischen Pipeline – zwei Waldkindergärten zum Beispiel, Neubauten auf dem Lemberg, in Emmingen und in Vollmaringen. Und doch ist der Bedarf nicht gedeckt – und wird es wohl auch die nächsten Jahre nicht sein.

 

Angespannte Lage in Vollmaringen

Vor allem in Vollmaringen ist die Situation angespannt. Zum nächsten Kindergartenjahr gibt es dort rein rechnerisch 31 Kinder mehr als Plätze zur Verfügung stehen. Der ursprüngliche Plan der Verwaltung war denn auch, auf dem Oberen Steinberg durch den Umbau des Bürgerhauses 25 neue Kita-Plätze zu schaffen. Eine Idee, die man nun nach näherer Planung aber wieder verworfen hat – auch, um die Arbeit im Bürgerhaus Oberer Steinberg nicht einzuschränken.

Die nun favorisierte Lösung: Im Neubaugebiet Hasenbrunnen sollen bis zu 50 Kinder in Containern Platz finden. Am Eingangsbereich zu dem Wohngebiet – wo einst der Messe-Eingang lag – sollen die Container aufgestellt werden. Die Zustimmung zu diesem Vorhaben holte sich die Stadtverwaltung bereits in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ein. Dabei erläuterte Nagolds OB auch die Gedankengänge zu dieser "Interimslösung".

Neubaupläne für Vollmaringen

Der Weg für die Kinder aus Vollmaringen sei kaum weiter als zum Oberen Steinberg. Zudem wird für das Neubaugebiet Hasenbrunnen ebenfalls mit zusätzlichem Betreuungsbedarf gerechnet – genaue Zahlen dazu fehlen allerdings noch. Keine Plätze mehr anzubieten, hat die neue Kita am Platanenkubus. Im Gegenteil: Auch dort stehen bereits sechs Kinder auf der Warteliste, und erste aber nur wenige Abgänger in die Schulen werden erst im Sommer 2023 erwartet. Parallel wird in Vollmaringen an einer Neubauplanung gearbeitet – doch die neue Kita in dem Nagolder Teilort kann wohl frühestens Ende 2023 den Betrieb aufnehmen.

Calwer Decken-Areal im Blick

In der Sitzungsunterlage für den Nagolder Gemeinderat geht die Stadtverwaltung bei der Interimslösung von einer zweigruppigen Einrichtung aus Container-Elementen aus, die "bis zu 50 Betreuungsplätze" anbieten könnte. Es soll sich zwar um eine Interimslösung handeln, die nun möglichst schnell umgesetzt werden soll, doch für wie lange die Container-Lösung beibehalten wird, ist noch nicht absehbar. Im Hasenbrunnen selbst soll später einmal auch eine neue Kita entstehen. Doch ein konkreter Plan für diesen viergruppigen Neubau fehlt. Mit der Interimslösung gewinnt die Verwaltung also Zeit – auch, um die weiteren Entwicklungen auf dem angrenzenden Calwer Decken-Areal abzuwarten. Schließlich könnten auch dort weitere Familien mit Kindern wohnen – Kinder, die der Neubau im Hasenbrunnen natürlich mitversorgen sollte.

Da bereits für den Kita-Ausbau auf dem Oberen Steinberg 650 000 Euro an Finanzmittel eingeplant waren, sollen diese nun für die Container-Lösung umgeschichtet werden. Wobei noch nicht klar ist, ob die Container gekauft oder gemietet werden.

Fachkräftemangel bleibt

Ein ganz anderes Problem dagegen kann man nicht mit gemieteten Containern lösen: den Fachkräftemangel. Auch in Nagold sucht man händeringend nach Erzieherinnen – wie nahezu bei allen Kita-Trägern.