Die Geschwister Niederbacher machen in zweiter Generation Volksmusik. Foto: Thomas Meinert

Dass sich „Schlager“ nicht nur auf „seichte Inhalte“ beschränkt, erlebten die Zuhörer in der Balinger Stadthalle bei der aktuellen Ausgabe der „Südtiroler Heimatsterne“.

In einem fast dreistündigen Programm zauberten Oswald Sattler, den Brüdern „Vincent und Fernando“, den Geschwistern Niederbacher und Moderatorin Nadine Meypo. starke Gefühle auf die Bühne und verbanden „Show“ und „Authentizität“ - Partystimmung wechselte mit besinnlichen Titeln, und das Nebeneinander der verschiedenen Musiker-Generationen sorgte für ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm.

 

Dass „icke als Bealina Pflanze“ eigentlich keinen Bezug nach Südtirol hat, gestand die in Frankfurt/Oder geborene Moderatorin Nadin Meypo gleich am Beginn der Veranstaltung ein. Dennoch habe sie „ja“ gesagt, als man sie vor drei Jahren für die Rolle der Moderatorin für die „Südtiroler Heimatsterne“ anfragte. Als solche kündigte sie die „Geschwister Niederbacher aus dem Pustertal“ an, die - 2008 gegründet - die zweite Generation der ’Musikerdynastie Niederbacher’ bilden: Andrea, Angelika, Christina und Manfred führen die 1970 von ’Onkel Walter’ gegründete Volksmusikformation weiter und besangen zunächst ihre südtiroler Heimat, um anschließend mit „und manchmal schweigen auch die Berge“ an den Tod Walters zu erinnern.

Glaube, Mut und Hoffnung vermitteln

Als nächstes kündigte Meypo die Brüder „Vincent und Fernando aus der Nähe von Meran“ an. Otto und Ulrich Messner, wie die Brüder mit bürgerlichem Namen heißen, erhielten 2009 den ersten Platz beim „Grand Prix der Volksmusik“, nachdem sie von 2006 bis 2008 jeweils den zweiten Platz errungen hatten.

Ihr Ziel sei es – so „Moderator“ Ulrich alias Fernando – „Glaube, Mut und Hoffnung“ zu vermitteln. Dies gelang ihnen mit Titeln wie „Wie eine Brücke zum Himmel“ und „Auch Sterne brauchen Sonne“. Etwas grotesk wirkte hierbei Vincents Spiel auf der Akkustik-Gittarre zum Playback-Klang einer E-Gitarre.

Nadin Meypo singt gemeinsam in einem Duett mit Vincent und Fernando „Ein bisschen Frieden“. Foto: Thomas Meinert

Nachdem Nadin Meypo mehrere „eigene Songs“ präsentiert hatte, folgte der heimliche Star des Abends: Oswald Sattler gründete mit 17 Jahren die „Kastelruther Spatzen“ und feierte mit dieser Formation 18 Jahre lang große Erfolge. 1993 zog sich der „Bergbauer von der Seiser-Alm“ aus der Formation zurück und begann 1996 eine Solo-Karriere, die er im letzten Jahr mit einer Doppel-CD zum 40-jährigen Bühnenjubiläum krönte.

Auf der Stadthallenbühne überzeugte der im wahrsten Sinne des Wortes „gestandene“ Sänger weniger durch seine „Fuß-Arbeit“, sondern umso mehr durch seine „Stimm-Arbeit“. Mit einem von allen Mitwirkenden vorgetragenen „Wanderlieder-Potpourri“ zum Mitsingen endete der erste Konzertteil.

Schwungvoller Start in die zweite Hälfte

Nach der Pause mit Autogrammstunde und CD-Verkauf starteten die Geschwister Niederbacher die zweite Konzerthälfte schwungvoll mit „So san’ mer, und so bleib’n mer“. Auf „Hoamat versteh’n“ und den „Bozener Bergsteigermarsch“ folgte ein Duett mit Nadin Meypo: „Manches geht niemals vorüber“ beschrieb die melancholische Erinnerung an Vergangenes.

Oswald Sattler überzeugt die Zuhörer nicht durch Fuß-, sondern vor allem durch Stimmarbeit. Foto: Thomas Meinert

Auf einen weiteren Songblock Nadin Meypos folgten erneut Vincent und Fernando, die ihren Auftritt nach den eher sentimentalen Titeln „Heut’ ist die Nacht der Lieder“ und „Man muss auch mal zufrieden sein“ mit einem Schlager-Medley beendeten, bevor sie gemeinsam mit Nadin Meypo den 40 Jahre alten Titel „Ein bisschen Frieden“ von Nicole zum Besten gaben.

Auch der abschließende Auftritt Oswald Sattlers griff noch einmal die diesjährige Sentimentalität der ’Südtiroler Heimatsterne’ auf: „Montagna Blu“ besang die Liebe, „Wenn ein Stern die Welt verlässt“ erinnerte an den Abschied von einem Verstorbenen. Mit „Und manchmal weinst du sicher ein paar Tränen“, „Ich bin kein Bajazzo“ und „Gefangen in maurischer Wüste“ verabschiedete sich Sattler mit drei „Klassikern“, die einen Querschnitt aus seiner mehr als 40-jährigen Bühnentätigkeit bildeten und zugleich die Zuhörer emotional ansprachen.

Mit dem gemeinsam vorgetragenen und zum Mitsingen anregenden Titel „Auf Wiederseh’n“ und – als Zugabe – „Muss i’ denn“ verabschiedeten sich die Ausführenden winkend vom Balinger Publikum.