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Schenkenzell Verletzter liegt in 48 Metern Tiefe

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Fritz Arnold, der sich damals zu dem Schwerverletzten abseilen ließ, am Eingang des Stollens im BöckelsbachFoto: Schoch Foto: Schwarzwälder Bote

Große Aufregung oberhalb des Witticher Klosters vor 50 Jahren. Im Simson-Stollen im Böckelsbach war ein "Amateur-Geologe" in den Förderschacht gestürzt. Fritz Arnold erwies sich als der mutige Lebensretter.

Schenkenzell-Wittichen . Das Überleben von Herbert Klöpfer aus Freiburg gleicht noch heute einem Wunder. Das Bergbaurevier Wittichen zählte einstmals zu den berühmtesten Erzrevieren des mittleren Schwarzwaldes. Es war das Zentrum des nachmittelalterlichen Bergbaues. Denn hier lagen bekannte Gruben wie etwa "Sophia" im Böckelsbach, "Gnade Gottes" und "Alt Sankt Joseph" am Silberberg, die "Güte Gottes" im Zundelgraben, die "Grube Anton" und viele andere.

Diese Gruben erwirtschafteten, bis sie 1856 in das sogenannte "Bergfreie" verfielen, die bemerkenswerte Menge von mehr als 5,8 Tonnen Silber und 2380 Tonnen Kobalt. Mehr als 80 Stollen und Schächte wurden in dem kleinen Gebiet angelegt, von denen einige mehrere Kilometer lang waren und eine für damalige Zeit beachtliche Tiefe von 200 Meter und mehr erreichten. Manch einer der vielen Mineralogen und Steinsammler fand in den vergangenen Jahrzehnten in den Stollen und Schächten, wie auch auf den Abraumhalten bei der Nachlese noch wertvolle Objekte.

Viele wagten sich in die finsteren und engen Gruben und setzten sich dadurch enormen Gefahren und Risiken aus. Dies veranlasste den Grundstückseigentümer, Fürst zu Fürstenberg, sämtliche Grubeneingänge um 2000 zu schließen. Nur ein Stollen wird noch begangen und genutzt und zwar die Grube Anton im Heubach. Dort befindet sich seit 1971 das geowissenschaftliche Gemeinschaftsobservatorium der Universitäten Karlsruhe und Stuttgart.

Im Witticher Tal wurden die Besucher nur "Steinklopfer" oder "Amateur-Mineralogen" genannt. So versuchten auch zwei Ehepaare aus Freiburg am 1. August 1970 im Simson-Stollen ihr Glück. Am rechten Hang des Böckelsbaches wurden in diesem Stollen ab 1751 Silber und Kobalt abgebaut. Vom Stolleneingang geht es rund 150 Meter in den Berg. Dort befindet sich der Förderschacht – ehemals abgedeckt mit Eichendielen.

Als Herbert Klöpfer das marode Eichenholz betrat, brach dieses und der illegale Grubengänger stürzte in die Tiefe. Kein Lebenszeichen war aus der Dunkelheit zu hören. In höchster Aufregung gaben die Beteiligten einen Notruf ab. Dieser kam beim DRK Schiltach und der Feuerwehr Schiltach um 11 Uhr an. Hinweis: "Ein Mann ist in eine Grube gefallen."

Als die Rettungskräfte eintrafen, war die Situation wesentlich komplizierter als angenommen. Nun war zu klären, wer bereit ist, diese Rettungsaktion in Angriff zu nehmen. Arzt Heinz Vollmer bestimmte, das könne nur ein Lediger sein. Fritz Arnold, ein damals 25-jähriger DRK-ler meldete sich. Er zeigte Mut und als der "Lange Wilhelm" (Wilhelm Trautwein) das Kommando des Abseilens übernahm, wurde er darin bestärkt. "In ihn hatte ich Vertrauen", so Arnold.

Als nach 18 Metern das Feuerwehrseil endete und noch kein Schachtende zu sehen war, mussten nochmals zwei Seile angeknüpft werden. Meter für Meter ging es den dunklen Förderschacht hinunter. Nach 48 Metern war er auf der Sohle angekommen und sah den Schwerverletzten, der nur stöhnte. Fritz Arnold forderte eine Marinetrage an. In diese Trage legte er den Schwerverletzten, schnallte ihn fest und gab das Zeichen, ihn quasi stehend nach oben zum Stollen hochzuziehen.

Arnold erinnert sich: "Der war nicht gerade ein Hering. Er war circa 100 Kilogramm schwer und 190 Zentimeter groß. Hat aber ganz gut geklappt." Per Rettungswagen ging es dann vom Böckelsbach zum Sportplatz Schiltach. Ein Rettungshubschrauber brachte Klöpfer gegen 13.30 Uhr von dort in die Uniklinik Freiburg.

Herbert Klöpfer hatte bei seinem Sturz ein großes Glück. Er durchbrach mehrere morsche Zwischenböden und landete nach 48 Metern auf einem Schuttkegel, dadurch wurde der Sturz mehrfach abgefedert. Ohne Helm waren seine Kopfverletzungen groß. Umso mehr war der Lebensretter Fritz Arnold überrascht, als der junge Mann erstaunlich schnell nach einer Schädel-Operation wieder auf den Beinen war und zur Herbstprobe der Schiltacher Wehr kam, um sich sowohl bei der Feuerwehr wie auch beim DRK für die ungewöhnliche Hilfe zu danken. Auch das Land bedankte sich bei Arnold mit einer Lebensrettungsmedaille.

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