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Schäfer berichtet Fleisch ist mehr gefragt als Wolle

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Wanderschäfer Thilo Studer ist derzeit bei Bad Herrenalb und Dobel unterwegs. Foto: Gegenheimer

Bad Herrenalb/Dobel - Wanderschäfer Thilo Studer ist mit seinen 650 Tieren wieder in Bad Herrenalb und Dobel unterwegs. Was bei der Schäferei überhaupt noch lohnend ist, erfahren Sie im (SB+) Artikel.

Noch einmal Festschmaus halten können Thilo Studers Schafe auf den weitläufigen Wiesen um Rotensol, Neusatz und Dobel. "Solch große, offene Flächen, dazu aus dem Sommer noch immer deutlich feuchter als bei uns – das haben wir um Gaggenau herum nicht", erzählt der Wanderschäfer. Dort halten seine Schafe als vierbeinige "Kulturlandschaftspfleger" vielfach unwegsame Steillagen von Verbuschung frei.

Herde umfasst etwa 650 Tiere

Seit mehr als 25 Jahren kommt die Herde des Schafhofes aus Bad Rotenfels alle Jahre, von Dobel her, Anfang November einige Wochen nach Neusatz und Rotensol.

Vor 19 Jahren hat der Schäfer den Betrieb von seinem Vater übernommen. Dieses Jahr ist die Herde etwas kleiner, rund 650 Tiere. Dadurch kann das Beweiden der Wiesen ein wenig in die Länge gezogen werden. Welche Wiesen wann – das geschieht hier oben vor allem in enger Absprache mit Heiko Duss vom Schwalbenhof, den Studer seit Jahren kennt, aber auch in Absprache mit dem Rotensoler Reitverein.

Kommende Woche ziehen sie weiter

Über Bernbach, Althof, Moosbronn und Freiolsheim wird er die kommenden Wochen weiterziehen. Wieder Richtung Schafhof, wo die zurückgebliebenen Mutterschafe mit späten Lämmern, zur Schlachtung anstehende Schafe und ein paar "Omas" im Stall stehen. Samt der Böcke. "Die haben wir jetzt für zwei Wochen rausgenommen", grinst Studer, "damit es nicht direkt an Ostern, wenn wir sowieso viel Arbeit haben, auch noch neugeborene Lämmer gibt". Ziemlich exakt könne man die Tragzeit bei den Schafen nämlich bestimmen.

Spät in diesem Jahr ist auch ein Mutterschaf dran, das in diesem Moment zwei staksige Lämmchen geduldig zur Herde schubst. "Die sind heute hier zwischen Neusatz und Rotensol geboren worden", berichtet der Schäfer, "und weil die Herde immer in Bewegung ist, müssen die Kleinen gleich mit".

365 Tage bei den Tieren

Studer treibt die Schafe den Hang hinauf auf ein neues Wiesenstück, das er dann für die kommende Nacht einpfercht. Dicht an dicht, Nase an Po, trappeln die Tiere übers Feld, fast wie ein einziger großer Körper mit 2600 Beinen.

Die Hunde, Flink, der nicht mehr ganz so flinke Zwölfjährige, die umsichtige Senta und Jungspund Yoka, eine knapp zweijährige altdeutsche Schäferhündin, die es faustdick hinter den Ohren hat, sausen an den Schafreihen entlang. Nur das Mutterschaf mit den Neugeborenen kriegen sie nicht recht herübergetrieben. Geduldig stupst die Mutter ihre Lämmer an, schaut ein bisschen ratlos auf den entstehenden Zaun für den Pferch. Dann findet sie doch die offene Stelle, alle drei schlüpfen zu ihren Kolleginnen. Allseitiges, entspanntes Grasrupfen setzt ein.

Auge für die Schönheiten der Natur

Über der Herde wölbt sich ein strahlend blauer Herbsthimmel. Ein echter Traumtag. "Sehen Sie die unzähligen Spinnwebfäden in der Sonne glitzern?", fragt Studer –noch immer hat er ein Auge für die Schönheit der Natur, die ihn bei seiner täglichen Arbeit umgibt. Und doch ist es harte Arbeit: "Ich bin 365 Tage bei meinen Schafen. Wenn ich nicht weiterziehe, komme ich vormittags her, am späten Nachmittag lasse ich sie im Pferch zurück. Krank – das wird man einfach nicht."

Jüngst hat eine ehemalige Mitarbeiterin für eine Woche Urlaubsvertretung gemacht – ein seltener Luxus. "Es gibt nur noch sehr wenig Nachwuchs im Beruf", weiß der 49-Jährige, "nur noch zwei Meisterschulen in ganz Deutschland. Baden-Württemberg hat nicht mal mehr eine Schule für die Lehrlinge."

Fleisch ist mehr gefragt als Wolle

Wirtschaftlich lohnend ist für die Schäferei einzig die Fleischvermarktung: "Das hat sich ganz gut entwickelt, das ganze Jahr über." Wolle hingegen sei gar nicht mehr gefragt: "Vor Jahren habe ich sie noch aufgehoben und gedacht, irgendwer muss sich doch dafür interessieren. Ich hätte sie sogar hingebracht." Aber das weltweite Angebot übersteigt deutlich die Nachfrage. Mit dem Wolf hat Studer zum Glück noch keine Bekanntschaft gemacht, obwohl sein gesamtes Weidegebiet mittlerweile "Wolfsgebiet" ist: "Ich glaube, so lange es keine ansässigen Rudel, sondern nur Einzeltiere gibt, wird sich der Schaden in Grenzen halten. Aber dann…"

Sorgfältig stellt er seine 1,05 Meter hohen Pferchzäune, schließt vor seiner Abfahrt den Strom an. Und merkt an: "Die Zaunhöhe allein wäre für einen Wolf gar kein Problem. Selbst ein sportliches Schaf käme da drüber."

Sogar Studer sieht übrigens durch Corona eine Veränderung in seinem Berufsalltag: "Die Spaziergänger und Wanderer schauen sich zwar die Herde von Weitem an, aber auf ein Schwätzchen herkommen, das findet nur noch selten statt."

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