Der VfB Stuttgart widmet den 3:1-Auswärtssieg beim SC Freiburg seinem schwer verletzten Abwehrspieler. Und reist nun selbstbewusst zum Pokal-Viertelfinale nach Leverkusen.
Am Ende galt der Sieg nur Einem: „Die drei Punkte sind heute für Daxo“, entfuhr es Sportdirektor Fabian Wohlgemuth direkt nach dem 3:1 (2:1)-Auswärtssieg des VfB Stuttgart beim SC Freiburg. Trainer Sebastian Hoeneß äußerte sich ähnlich Richtung Abwehrspieler Dan-Axel Zagadou, und auch die Spieler hatten bereits vor der Partie ein Signal gesetzt: Auf ihren Aufwärm-Shirts prangte die Rückennummer des Mannes, der sich unter der Woche schwer am Knie verletzt hatte und für den Rest der Saison ausfällt.
Was viel aussagt über den intakten Teamgeist einer Mannschaft, die nach zwei Niederlagen zum Jahresauftakt endgültig zurück ist in der Spur. „Wir wollen den Weg weitergehen und am Ende international spielen“, bekräftigte Kapitän Waldemar Anton, nachdem die magische 40-Punkte-Marke mit dem fünften Auswärtssieg der Saison erreicht war.
Der VfB hat die 40-Punkte-Marke erreicht
Somit ist das ursprüngliche Saisonziel, der Klassenverbleib, bereits nach dem 20. Spieltag unter Dach und Fach. Was Hoeneß schlichtweg „überragend“ fand und nicht weiter ausführen musste, dass sein Team vor einem halben Jahr noch mit einem Bein in der zweiten Liga stand. Den Sieg in Freiburg mache ihn unheimlich „stolz und froh“, bekannte der Coach. Denn ganz so einfach wie es das Ergebnis aussagt, war die Angelegenheit nicht.
Dabei legte der VfB einen perfekten Frühstart hin. Waldemar Anton zauberte einen Benjamin-Pavard-Gedächtnis-Steilpass auf den Rasen, den Deniz Undav ebenso perfekt annahm und zum 1:0 verwertete. Es war Undavs erster Ballkontakt, sein zweiter hatte es ebenfalls in sich. Seine Vorlage schloss Chris Führich zum 2:0 ab (7.). Die Freiburger waren bedient, an der Seitenlinie verlor Trainer Christian Streich schnell die Nerven. Und es sollte noch schlimmer kommen für die Gastgeber. Es waren noch keine 20 Minuten gespielt, da war der Sportclub nur noch zu zehnt. Weil Merlin Röhl beim Ausrutschen Maximilian Mittelstädt so schwer am Sprunggelenk traf, dass Schiedsrichter Daniel Siebert keine andere Wahl blieb, als den Youngster nach Videostudium vom Platz zu stellen.
Und wieder ein Standard-Gegentor
„Die Karte kann man geben“, bekannte Streich hinterher kleinlaut, nachdem er sich im Spiel noch fürchterlich echauffiert hatte und selbst auf dem Weg zum Platzverweis war. Früh wähnte man den VfB als den sicheren Sieger – ehe er sich das Leben selbst schwer machte. Wohlgemuth sprach von einem „gewissen Sicherheitsgefühl“, dass sich bei seinen Spielern nach der roten Karte einschlich. Der VfB baute den Gegner wieder auf. Ließ erst beste Chancen auf das 3:0 liegen. Und kassierte dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit den Anschlusstreffer. Aus dem Nichts und nach einem Eckball per Kopf. Mal wieder. „Unsere Defensivstandards müssen wir besser verteidigen“, stellte Anton klar. „Das müssen wir aufarbeiten und analysieren.“
Statt wie der sichere Sieger ging der VfB also mit einem Dämpfer in die Pause. Fand aber nach dem Wiederanpfiff schnell wieder in den Rhythmus. Die Gäste ließen Ball und Gegner laufen (und spielten 716 zu 356 Pässe), verpassten es aber lange, für die Entscheidung zu sorgen. Bis Maximilian Mittelstädt seinen großen Auftritt hatte. Nach 74 Minuten tauchte er halb links frei vor Torhüter Noah Atubolu auf – und zauberte ein echtes Schmankerl aus seinem linken Fuß. Sein überraschender Lupfer ins kurze Eck war hinterher das Gesprächsthema.
„Ich habe darauf spekuliert, dass der Torhüter runtergeht. Es hätte aber auch anders ausgehen können. Ich habe im Moment viel Selbstvertrauen, da kann man so etwas auch mal probieren.“ Sah auch Fabian Wohlgemuth so, der seinem Linksverteidiger eine astreine Defensivleistung attestierte und ergänzte: „Mit seinem Tor hat er sich auf die nächste Qualitätsstufe gehievt.“
Mittelstädts frecher Treffer – sein erster für den VfB
Es war das I-Tüpfelchen auf einen rundum gelungen Nachmittag im Breisgau. Viel Zeit zum Genießen bleibt aber nicht. Schon am kommenden Dienstag (20.45 Uhr) geht es im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen weiter. „Wir haben in der Liga gezeigt, dass wir mit ihnen mithalten können“, sagte Mittelstädt. „Im Pokal ist bekanntlich alles möglich. Wir reisen mit viel Selbstvertrauen dorthin.“
Damit sprach Mittelstädt für sich – und für die gesamte Mannschaft des wiedererstarkten VfB.