Während die Fahrgäste in altehrwürdigen Waggons Fahrt und Landschaft genießen, wird im Hintergrund geschuftet und geschwitzt: So arbeiten Heizer und Lokführer bei der Museumsbahn.
Einmal im Monat schnauft die Dampflok für die Sauschwänzlebahn. Eine Fahrt mit der Museumsbahn unter Dampf ist wegen ihrer Seltenheit inzwischen noch ein Stück besonderer, als sie es ohnehin schon war. Aufgrund der gestiegenen Kosten in den vergangenen Jahren wurde die Anzahl der Dampflokfahrten deutlich reduziert.
Der wöchentliche Regelbetrieb von April bis Oktober erfolgt jeweils von Donnerstag bis Sonntag mit der historischen Diesellok V36. Die Dampflok des Vereins der Dampflokfreunde Schwarzwald-Baar schnauft dagegen an durchschnittlich einem Wochenende pro Monat vor den Waggons der Sauschwänzlebahn durch die beeindruckende Landschaft. Die Fahrt geht entlang der rund 25 Kilometer langen Strecke von Blumberg-Zollhaus bis zum Bahnhof in Stühlingen-Weizen.
Viel Muskelkraft gefragt
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, was an Vorarbeit und Muskelkraft erforderlich ist, damit die Freunde des dampfenden Bahnvergnügens voll auf ihre Kosten kommen. Der große Heizkessel benötigt etwa sechs Stunden, bis er auf die richtige Temperatur aufgeheizt ist. Daher erfolgt das Vorheizen schon am Vorabend des Fahrtages, damit die Lok auch pünktlich startklar ist, wenn die erste Fahrt am Samstagmorgen um 10.10 Uhr am Bahnhof Zollhaus beginnt.
Vorbereitung im Schuppen
Die Vorbereitungen werden im Lokschuppen in Fützen getroffen, wo der Verein der Dampflokfreunde seinen Sitz und auch dessen Dampflok 50 2998 ihr Domizil hat. Dort wird der Kessel aufgeheizt und die Achsen- und Stangenlager werden geschmiert. „An einem Fahrtag mit zwei planmäßigen Fahrten liegt der Tagesverbrauch bei etwa dreieinhalb bis vier Tonnen Kohle. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte Steinkohle-Knabbeln zur Lokomotivfeuerung, die einen Durchmesser zwischen 40 und 100 Millimeter aufweisen“, erklärt der passionierte Heizer, Lokführer und Vorsitzende der Dampflokfreunde, Valentin Stöckle.
Ukrainekrieg ist zu spüren
Da der Ukrainekrieg den gesamten Rohstoffmarkt durcheinandergewirbelt habe und die Kohlequalität bei steigenden Preisen zunehmend schlechter geworden sei, sei der Verein dazu übergegangen, Holz zum Anheizen zu verwenden, bis der nötige Druck im Kessel aufgebaut sei. Erst dann kommt die Kohle zum Einsatz. „Auch während der Fahrt muss der Heizer immer wieder Kohle nachschaufeln, wobei es wichtig ist, den Kessel gleichmäßig und mit System zu beschicken“, wie Valentin Stöckle weiter erläutert.
Ein Ausbildungsberuf
Der Beruf des Heizers ist nach wie vor ein anerkannter Ausbildungsberuf, wenn auch die Zugfahrten seit Aufkommen der Diesel- und Elektroloks zunehmend zur Ausnahmeerscheinung geworden sind und dieses Berufsbild naturgemäß an Bedeutung verloren hat. Die Dampflokfreunde aus Fützen bestehen aus einem sechsköpfigen Team, das regelmäßig bei den Fahrten im Einsatz ist, wobei auch drei junge Nachwuchskräfte unter den ehrenamtlichen Mitgliedern sind. Einer davon ist Felix Scheuch aus Epfenhofen, der sich für die Sauschwänzlebahn interessierte und so im Jahr 2007 zum Verein kam. Er fing als Schraubenputzer an, half in der Werkstatt mit und arbeitete sich so Stück für Stück hoch, bis er vor zehn Jahren die Ausbildung zum Heizer absolvierte.
Es ist ein Knochenjob, doch Felix Scheuch hat viel Spaß daran und geht seinem Hobby mit Begeisterung nach. Pro Fahrt sind immer zwei Personen der Dampflokfreunde an Bord: der Lokführer und der Heizer. Wenn die Fahrgäste nach ihrem Fahrvergnügen zufrieden und mit vielen Erlebnissen und Eindrücken im Gepäck aussteigen, ist die Arbeit für das Personal des Vereins noch lange nicht beendet.
Arbeit geht noch weiter
Wieder in ihrem Domizil im Lokschuppen Fützen angekommen, müssen die Helfer unter anderem die Brennkammer ausschlacken, den Aschekasten leeren, neue Kohle für die nächste Fahrt laden, die Stangen schmieren, die Rauchkammer leeren, eventuell kleinere Reparaturen vornehmen und den Behälter mit neuem Wasser füllen.
Valentin Stöckle ist bereits seit 34 Jahren im Dienst und hat eine besondere Verbindung zum Verein wie auch zu dieser Lok, mit der früher bereits sein Großvater gefahren ist. Von einst 3164 baugleich hergestellten Lokomotiven aus den Baujahren 1935 bis 1942 ist die 81 Jahre alte Lok der Dampflokfreunde die letzte noch betriebsfähige originale DB-50 2988.
„Es ist für uns selbstverständlich, nach der Fahrt alles Notwendige durchzuführen, damit die Dampflok für die nächste Fahrt einsatzbereit ist“, berichtet Stöckle. Die Dampflok ist nämlich ein besonderes Schmuckstück, für dessen Erhaltung die Mitglieder des Vereins jährlich etwa 3000 Arbeitsstunden ehrenamtlich erbringen.
Anreiz zum Einstieg
Die Interessengemeinschaft
zur Erhaltung der Museumsbahn Wutachtalbahn, Spitzname Sauschwänzlebahn, gibt sich viel Mühe, Interessenten für eine Mitgliedschaft zu begeistern. Neu-Mitglieder erhalten als besonderes Erlebnis eine kostenlose Fahrt im Führerstand, weiterhin haben alle Mitglieder der Interessengemeinschaft den Anspruch auf eine jährliche Fahrt mit der Sauschwänzlebahn zum halben Preis. Fragen sowie weitere Auskünfte, auch zu einem möglichen Engagement im Vorstand, werden unter der E-Mail-Adresse 1.vorsitzender@ig-wtb.de beantwortet.