Der Salafistenprediger Pierre Vogel war in Schramberg zu Gast und polarisierte. Foto: dpa

Der Salafistenprediger Pierre Vogel war jüngst beim „Islamischen Verein Schramberg“ zu einem Vortrag zu Gast. Mit seinen Worten polarisierte er und wühlte Teile des Publikums auf. Ein Leser wandte sich deshalb zur Einordnung des Vortrags an uns.

In den uns ebenfalls zugespielten Videosequenzen grenzt sich Vogel gegenüber Christen mit den folgenden Worten ab: „Nehmt den Islam zu eurer eigenen Rettung an!Hört auf mit dem Polytheismus! Hört auf einen Menschen anzubeten!“.

 

Damit dürfte er bei Christen anecken, schließlich verstehen diese sich als monotheistisch und sehen Christus dem gängigen Glaubensverständnis nach als „in Gänze göttlich als auch menschlich an“. Nur in solch einem Verständnis ist es der christlichen Glaubenslehre zufolge möglich, dass Jesus die Sünde der Welt auf sich nimmt und Versöhnung, auch unter Mitmenschen, konzeptionell möglich macht.

Außerdem soll Vogel dem Leser zufolge gepredigt haben, dass jedem, der den Islam nicht annehme, die Hölle drohe. Diese Botschaft polarisiert heute ebenfalls. Schließlich zeigen religionssoziologische Studien, dass immer weniger Menschen und weniger als die Hälfte der Bevölkerung überhaupt an die Existenz einer Hölle glaubt.

Der „Islamische Verein Schramberg“ äußerte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht dazu, weshalb er den polarisierenden Prediger einlud und welchen Mehrwert er sich davon versprach.

Ein Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz teilte mit, dass Pierre Vogel seit Anfang der 2000er Jahre als einer der bedeutendsten salafistischen Akteure in Deutschland gelte. Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, der nur einen kleinen Bruchteil der muslimischen Glaubensanhänger ausmacht.

Ziel Vogels ist eine „Islamische Gesellschaft“

Vogel bedient laut dem Landesamt für Verfassungsschutz eine große Bandbreite an Aktivitätsformen. Er mache etwa Vorträge und trete in Social Media-Plattformen auf. Außerdem begleite er Pilgerreisen.

„Als politischer Salafist zielt Pierre Vogel darauf, das Ziel einer islamischen Gesellschaftsordnung mittels Missionierung (Da’wa) zu erreichen“, fasste ein Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz Vogels mit seinem Wirken verbundene Anliegen zusammen.

Vogel sei auch einer der Hauptprotagonisten der verbotenen „Lies!“-Kampagne und der kostenlosen Verteilung von Koran-Exemplaren gewesen. Begründet wurde das Verbot damals damit, dass das dazugehörige Predigernetzwerk ein extremistisches Verständnis der Scharia lehre. Außerdem stellten die Sicherheitsbehörden auch fest, dass damals mindestens 140 Menschen in den Krieg nach Syrien ausgewandert und sich der Terrororganisation „IS“ angeschlossen hätten.

Aktueller Schwerpunkt des öffentlichen Wirkens Vogels

Aktuell bewirbt Vogel laut dem Verfassungsschutz Baden-Württemberg die Flyerkampagne „Was danach?“ der „Deutschsprachigen Muslimischen Gemeinschaft Braunschweig“, welche mit Sinnfragen die Annäherung zum salafistischen Glaubensverständnis zu vollziehen versucht.

Nach Informationen unserer Redaktion war es für Vogel nicht sein erster Besuch in Schramberg. Auch in früheren Jahren war er bereits als Vortragsredner zu Gast.