Der Hagelflieger überwintert – die Berufspiloten Holger Miconi, links,und Markus Duwe, demontieren den Generator. Foto: Schimkat

Heinz I ist gelandet. Seine Saison für die Hagelabwehr Südwest ist vorbei. Und trotzdem darf das Flugzeug zwar in die Winterruhe, keineswegs aber in den Winterschlaf gehen. Letzteres nämlich wäre für die nächste Saison fatal.

Villingen-Schwenningen - Die Partenavia P 68B D-GERY steht vor dem Hangar auf dem Donaueschinger Flugplatz. Die diesjährige Saison des Fliegers ist beendet.

 

Der robuste zweimotorige Flieger, Baujahr 1975, aber noch top in Schuss, hat in dieser Saison einiges leisten müssen – die Unwetter kamen häufig, oft sehr plötzlich und heftig waren sie auch.

Das gleiche gilt für die Piloten Markus Duwe, Holger Miconi und Sebastian Keller. Wenn sie mit dem Flieger "Heinz I" – benannt nach Heinz Messner, dem Gründer der Hagelabwehr Südwest – in den Aufwindbereich der Gewitterwolken flogen, wurden sie oft gewaltig durchgeschüttelt.

Heinz I wird nach Mannheim zur Jahresprüfung geflogen, anschließend kommt er zurück nach Donaueschingen, wo er im Hangar überwintert. Aber einmal im Monat kommt sein großer Auftritt: Dann wird Heinz I bewegt, damit er sich "nicht kaputt steht".

Generatoren werden mit Aceton durchspült

Doch bevor er nach Mannheim geflogen wird, müssen die beiden Generatoren, in denen sich jeweils 20 Liter des Aceton/Silberjodid-Gemischs befinden, demontiert werden. Das machten Ende vergangener Woche die beiden Piloten Markus Duwe und Holger Miconi.

Dass die Generatoren sicher verschraubt sind, ist selbstverständlich – der Flieger wurde eigens für die Hagelabwehr umgerüstet. Jetzt werden die Generatoren mit Aceton durchgespült. Vorher wurde das Silberjodid rausgeholt, damit die Leitungen leer sind.

So schnell wie man annehmen könnte, geht das nicht. Endlich aber dann ist es geschafft; der Flieger ist bereit für seinen Flug nach Mannheim.

Eine Woche werde er wohl in der Werft stehen und durchgecheckt, wobei es bei dem Motor um eine gründliche Sichtkontrolle gehe, erklärt Duwe, Öl, Bremsen werden überprüft, ebenso die Aluminiumhülle, der man ansieht, dass ihr immer mal wieder Hagelkörner um die Ohren fliegen.

Auf die Frage, inwiefern sich der Flieger im Hangar "kaputtstehen" könne, antwortet Miconi: Es ist nicht nur für Räder nicht gut, zu stehen, es müsse auch die Korrosion der Kolben vermieden werden. "Also wird der Flieger einmal im Monat bewegt." Unter Bewegen verstehe er aber nicht, nur die Motoren anzulassen, er müsse eine Runde geflogen werden, ergänzt Duwe.

Markus Duwe, Geschäftsführer von Jumara Air Service UG, sitzt schon seit zehn Jahren regelmäßig im Hagelflieger, Holger Miconi seit sieben Jahren. Beide erklärten auf die Frage, wieso sie Hagelfliegerpiloten sind: "Wir wurden gefragt." Und: Ssie betonen, dass sie von der Wirksamkeit der Hagelabwehr überzeugt sind und sie ja immer wieder erlebt hätten, dass sie mit ihren Einsätzen schwere Hagelschäden vermeiden konnten.

Wer Bereitschaft hat, beobachtet das Wetter

Beide Berufspiloten mussten bei einem erfahrenen Hagelfliegerpilot eine Saison mitfliegen, bevor sie alleine bei Einsatzbereitschaft aufsteigen durften.

"Wer Bereitschaft hat, ist ab der Mittagszeit in Donaueschingen und beobachtet das Wetter", erklärt Duwe. Natürlich sei man im Vorfeld nervös, aber nicht aus Angst, sondern es gelte, den richtigen Zeitpunkt, an dem man sich der Gewitterzelle nähere, zu finden, fährt er fort. Dabei seien die Aufwinde in der Gewitterwolke nicht unerheblich, aber der Selbstschutz und der Schutz der Maschine seien wichtig: "Es heißt Ruhe bewahren, konzentrieren und schnell handeln", betont er.

Im nächsten Jahr ist der Hagelflieger ab dem 1. Mai wieder einsatzbereit. Dann heißt es wieder "Und täglich grüßt das Murmeltier" – oder hier eher die Gewitterwolke .