Zum 20-Jahr-Jubiläum des ersten „Harry Potter“-Kinofilms hat der Verleih Warner Brothers noch einmal alle Darsteller zum Klassentreffen gebeten. Für wahre Fans gibt es ein Wiedersehen voller Anekdoten – und Tränen.
Stuttgart - TV-Kritiker machen gern Witzchen, wenn die Privatsender RTL oder Sat 1 mal wieder die acht „Harry Potter“-Filme aus dem Archiv holen und zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr ins Programm bringen. Doch die sehr ansehnlichen Einschaltquoten geben ihnen recht – auch das x-te Wiedersehen mit den Zauberschülern in Hogwarts in ihrem dramatischen Kampf gegen Lord Voldemort und seine Magie des Schreckens scheint für ein großes Publikum ein anhaltend schönes Erlebnis zu sein. Das noch dazu die Generationen verbindet: die jungen Fans von einst haben inzwischen selbst Kinder, die ins Harry-Potter-Fieber gekommen sind, und die damals und heute vorlesenden Großeltern sind auch mit von der Partie.
Der Filmproduzent Warner Brothers kalkuliert zweifellos richtig, dass all diesen Menschen in der ganzen Welt ein Wiedersehen mit der „HP“-Filmcrew Freude machen könnte – und so lud man im vergangenen Jahr die Helden ein, sich in den alten Kulissen wiederzusehen: Ganz vorn natürlich Daniel Radcliffe (Harry), Rupert Grint (Ron) und Emma Watson (Hermine), aber auch Robbie Coltrane (Hagrid), Tom Felton (Draco Malfoy), Ralph Fiennes (Voldemort) oder Matthew Lewis (Neville). Denn auch das macht die von 2001 bis 2011 produzierte Filmreihe in der Kinogeschichte ja so besonders: Es gelang Warner Brothers, die Besetzungsliste trotz der langen Zeit fast komplett durchzuhalten; so wie in den sieben Büchern wurden auch in den Filmen aus den Internats-Debütanten erst Teenager und dann junge Erwachsene.
Ihre Rollen bekamen sie im Grundschulalter
„Return to Hogwarts“ oder „Die Rückkehr nach Hogwarts“ heißen nun die rund 100 Minuten Film, die das Wiedersehen dokumentieren. Und vielleicht hätte man auf das ein oder andere Kitschelement – zum Beispiel das altbackene Begrüßungsballett beim Einzug in die Festhalle oder manchen allzu durchsichtig inszenierten Überraschungseffekt – gern verzichtet. Aber wer sich für die Filme und das ganze Drumherum interessiert, wird durch diese Produktion glänzend unterhalten und noch viel Neues und Interessantes erfahren.
Zu sehen sind ja nicht nur die Schauspieler, die vor über zwanzig Jahren noch im Grundschulalter gecastet wurden und nun berichten, wie sie im Lauf der Jahre lernten, aus ihrem kindlichen Spielbetrieb nach und nach so etwas wie Schauspielkunst zu entwickeln. Zu erleben sind auch die insgesamt vier Regisseure, die Produzent David Heyman im Lauf der Zeit engagierte: Chris Columbus, Alfonso Cuarón, Mike Newell und David Yates. Sie sprechen über ihre jeweiligen Perspektiven auf den Stoff – und es wird nochmals sehr deutlich, wie weise und wegweisend die Entscheidung war, die letzten drei „Potter“-Filme dem „politischen David Yates“ anzuvertrauen.
Da fließt dann doch ein Tränchen
Aber es gibt in der Doku natürlich auch viele kleine lustige und romantische Erinnerungen, zum Beispiel an Pannen am Set oder an erste echte Kuscheleien in der Drehpause (Hermine mit Draco, Harry ausgerechnet mit Beatrix Lestrange). Und wenn man sich auch nicht täuschen lassen sollte, denn natürlich schauspielern Schauspieler auch in Interviews: Ein paar Tränen, die hier fließen, halten wir wirklich für echt. Mindestens in der letzten Szene mit dem längst vollbärtigen Daniel Radcliffe, der feststellt, so gar keine Ahnung zu haben, wie sein Leben ohne diese Jahre als Harry Potter aussehen würde. Da fließt wohl selbst beim nörgeligsten Zuschauer dann auch noch ein Tränchen.
„Harry Potter 20th Anniversary: Return to Hogwarts“; Sky