Die bisherige Unterstützung gibt dem Vereinsvorsitzenden Jonathan Dom Hoffnung. Foto: Reimer

Der Stadtjugendring steht kurz vor dem Aus. Durch die Corona-Krise hat sich inzwischen ein Schuldenberg angehäuft. Das Ende wäre ein besonders schwerer Verlust, denn für viele Rottweiler ist der Stadtjugendring mehr als nur ein Verein.

Rottweil - "Der Stadtjugendring hat Rottweil seinen Stempel aufgedrückt", meint der Vorsitzende Jonathan Dom. Die ersten Vorläufer des Vereins gab es bereits in den 70ern. Seitdem habe der Stadtjugendring das kulturelle Leben durch seine Veranstaltungen wesentlich mitgeprägt und sei für das junge Rottweil zum Zentrum geworden, so Dom.

Doch der Verein steckt derzeit in seiner schwersten Krise. Das Corona-Jahr sorgte für einen kompletten Wegbruch der Einnahmen. Mit Ausnahme eines Poetry-Slams, der im vergangenen Sommer noch stattfinden konnte, gab es keine Veranstaltungen. Doch diese sind die Haupteinnahmequelle des Vereins. Laufende Kosten fielen weiterhin an. "Der Verein war schon immer knapp auf Kante genäht. Das war bis jetzt aber auch nie ein Problem", sagt der 21-Jährige.

Schulden liegen im vierstelligen Bereich

Ohne die Möglichkeit, Geld zu verdienen, und ohne staatliche Hilfen stehe der Verein nun vor dem Aus. Inzwischen hat sich ein Schuldenberg angehäuft. Der Verein benötigt etwa 4000 bis 4500 Euro, um zu überleben. "Es droht sonst die Insolvenz", macht Dom deutlich. Auch wenn die Krise nun schon seit über einem Jahr andauert, die Realität trifft die Verantwortlichen und Vereinsmitglieder trotzdem hart. "Wir waren dann doch geschockt, als wir das Wort Insolvenz zum ersten Mal laut aussprechen mussten."

Etwa 40 Mitglieder bilden den "harten Kern" des Vereins, die regelmäßig Veranstaltungen mitorganisieren, die "immer mit dabei sind". Für diese Mitglieder ist der Verein eine Herzensangelegenheit geworden. "Viele von uns hätten als Jugendliche gar nicht gewusst, was wir in unserer Freizeit gemacht hätten, wenn es den Stadtjugendring nicht gegeben hätte." Dom ist selbst seit seinem 15. Lebensjahr mit dabei.

Dass diese treue Anhängerschaft weiter zum Verein hält, gibt in diesen Zeiten Mut. Es ist allerdings nicht der einzige Hoffnungsschimmer. Am Donnerstag veröffentlichte der Verein auf seiner Facebook-Seite einen Post, in dem Dom die schwierige Lage erklärte und um Spenden bat. "Daraufhin gab es eine große Resonanz. Viele ehemalige Mitglieder haben sich bei uns gemeldet."

Einige haben ihre Erinnerungen geschildert, die deutlich machen, was der Verein ihnen bedeutet. Ein Nutzer schreibt, dass der Stadtjugendring der Ursprung vieler Freundschaften war. Vor 20 Jahren sei es dann zu der Begegnung gekommen, die sein Leben verändert habe. Er lernte seine spätere Ehefrau kennen, mit der er bis heute verheiratet ist. "Darum geht noch heute meine Überweisung raus."

Inzwischen kamen bereits etwa 1000 Euro an Spenden zusammen. Damit konnte der Verein die erste große Rechnung, die noch in dieser Woche beglichen werden musste, bezahlen. "Diese Rechnung haben wir ein halbes Jahr vor uns hergeschoben. Das ist schonmal ein erster Schritt. Das macht uns Mut", sagt Dom.

Stadt zeigt sich hilfsbereit

Inzwischen hat sich auch die Stadtverwaltung beim Verein gemeldet und Bereitschaft zur Unterstützung gezeigt. Weitere Gespräche sollen folgen. "Wir wollen helfen, wir müssen uns aber erst ein Bild von der Lage machen", sagt Fachbereichsleiter Marco Schaffert. Von den finanziellen Problemen habe man auch erst über die sozialen Medien erfahren. Die Stadt misst der Einrichtung ebenfalls eine große Bedeutung für die Jugendlichen in Rottweil bei. "Es wäre ein großer Verlust. Das wollen wir verhindern", so Schaffert.

Für die Unterstützung der Stadt, die bereits in der Vergangenheit ausgeholfen hat oder für die Miete aufkommt, sei man dankbar, sagt der Vorsitzende. Dennoch hoffe man darauf, dass die privaten Spenden ausreichen, um die Schulden zu tilgen.

Die Resonanz stimmt die Vereinsmitglieder jedenfalls optimistisch. "Man merkt, die Stadt hält in diesen Zeiten zusammen", sagt Dom. 5000 Euro habe man sich als Spendenziel gesetzt. Mit dem überschüssigen Geld, wolle man sich für die Zukunft wappnen. Einige Reparaturen stehen an, mögliche Veranstaltungen müssten entsprechend vorbereitet werden. "Zunächst muss der Verein gerettet werden. Danach wollen wir für Events wieder startklar sein." Und die nächste Generation aktiver Jugendlicher ist auch schon in Sicht: "In ein paar Jahren kommen dann schon die Jugendlichen, deren Großeltern bereits im Verein aktiv waren."

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