Nach acht Jahren Einsatz für das Projekt „Rottweiler Stadttauben“ muss Arzu Paj kürzer treten. Foto: /Otto

Der Gemeinderat spricht sich für die Erhöhung des Zuschusses für den Taubenschutzverein aus. Arzu Paj, Vorsitzende und Initiatorin des Projektes, muss aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Steht das Rottweiler Erfolgskonzept auf der Kippe?

Der 2018 gegründete Verein „Unsere Rottweiler Stadttauben“ betreut derzeit mehr als 1500 Tauben in drei Schlägen, einem Turm und zwei Volieren für Zuchttauben. Vorsitzende Arzu Paj setzt sich tagtäglich nicht nur für den Schutz der Stadttauben, sondern für ein sauberes Stadtbild ein.

 

Vor acht Jahren hatte sie selbst die Initiative ergriffen und das Projekt der von Tauben geplagten Gemeinde Rottweil vorgeschlagen.

Tauben sind ortsbezogene Tiere und kehren immer in die Schläge zurück. /Arzu Paj

Ein Erfolg: Die Situation um die Rottweiler Stadttauben sei nicht mehr problematisch, bestätigte der Gemeinderat kürzlich in einer Sitzung. Künftig aber wird es eine grundlegende Veränderung geben: Arzu Paj kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in die operative Arbeit des Vereins einbringen. Sie bleibt indes im Vorstand

Ein Vollzeit Job

„Es ist ein harter Job“, sagt Arzu Paj. Bisher widmete sie sich sieben Stunden pro Tag, von Montag bis Sonntag, den oft „missverstandenen“ Tieren. Ein Alltag in den Taubenschlägen beginnt um acht Uhr morgens und ist mit körperlicher Anstrengung verbunden.

Die Taubenschläge befinden sich in den Dachböden der Rottweiler Innenstadt, ohne Aufzug. Die wenigen ehrenamtlichen Helfer müssten jeden Tag 15 Liter Wasser und 16 Kilogramm Futter nach oben schleppen.

„Keine andere Wahl“

Arzu Paj kann das künftig nicht mehr erledigen. Als einziger praktikabler Ausweg erscheint im Moment, den Jahreszuschuss der Stadt an den Taubenschutzverein zu erhöhen – von 50 000 auf 100 000 Euro. So soll eine Festanstellung finanziert werden, um die Arbeit zu erledigen.

In seiner jüngsten Sitzung folgte der Gemeinderat dem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung. Der Erfolg gebe dem Taubenschutzverein Recht. Der Verein soll nun monatliche Zahlungen erhalten.

Zuchttauben, nur auf Schönheit gezüchtet, gehören zu den größten Sorgenkindern. /Arzu PaJ

Tatsächlich habe man in der Rottweiler Innenstadt das Taubenproblem mittlerweile im Griff. Fachbereichsleiter Bernd Pfaff berichtete von verschiedenen Anfragen anderer Kommunen nach dem Rottweiler Erfolgskonzept.

Daran soll festgehalten werden. Glücklicherweise sei für die Nachfolge von Arzu Paj bereits eine Vollzeitkraft gefunden. Sie soll in Zukunft die artgerechte Betreuung der Taubenschläge weiterführen und dabei durch die zusätzlichen 50 000 Euro finanziell unterstützt werden.

Helfer und Spender gesucht

Wofür das Geld benötigt wird? Das haben wir bei Arzu Paj nachgefragt, denn auch sie weiß: Das Verständnis in der Gesellschaft sei nach wie vor mangelhaft. Sie wisse, dass viele Menschen das taubenfreie Stadtbild genießen, aber kein Verständnis für den dafür notwendigen Aufwand hätten. „Jeder, der bereit ist, Kritik auszuüben, ist herzlich eingeladen, bei uns ehrenamtlich zu helfen“, lädt Arzu Paj ein. Gäbe es mehr ehrenamtliche Helfer und Spender, würde man weniger Geld von der Stadt benötigen.

Der bisherige Betrag von 50 000 Euro reiche nur für wesentliche Kosten wie Futter, Einstreu, Instandhaltung, Reinigungszubehör und Mitarbeiter. Die gesamten zusätzlichen Tierarztkosten trage sie aus eigener Tasche, klärt die Vereinsvorsitzende auf.

Im eigenen Zuhause, im Untergeschoss, betreibe sie eine Krankenstation mit derzeit 60 Taubenküken. Außerdem seien die Kosten im zurückliegenden Jahr enorm gestiegen. Durch den Ukraine-Krieg seien vor allem Energie- und Futterkosten in die Höhe geschossen. Das täglich benötigte Taubenfutter koste jetzt 40 Prozent mehr. Dass alles mit rechten Dingen zugehe, überprüfe zudem die Stadtverwaltung regelmäßig, bestätigt Paj.

„Zucht gehört Verboten“

Gibt es einen Hauptverantwortlichen für das Taubenproblem? Arzu Paj hat dazu eine klare Meinung: „Die Züchter sind verantwortlich.“ Während sie und ihre Helfer monatlich 800 Taubeneier gegen Plastikeier austauschen, um das Kükenschlüpfen zu verringern, finde in Sinkingen, bei Fischbach, jeden Sonntag ein schrecklicher, so findet Arzu, Tiermarkt statt. Dort könnten Züchter, für nicht einmal fünf Euro, eine weiße Taube kaufen.