Wohin führt das Zimmertheater sein weiterer Weg? Foto: Nädele

Gemeinderat stimmt kommende Woche über Erhöhung des Zuschusses ab. Grundprobleme nicht ausgeräumt. Mit Kommentar

Rottweil - Stimmt der Gemeinderat kommende Woche der Erhöhung des Zuschusses für das Zimmertheater zu, ist für den laufenden Betrieb eine wichtige Hürde genommen. Die Grundprobleme indes sind damit nicht ausgeräumt – entsprechend besorgt äußert sich Oberbürgermeister Ralf Broß.

Die Kulisse für zwei Szenarien hat der Zimmertheaterverein für den Fall aufgebaut, dass der Gemeinderat am Mittwoch, 29. April, nicht der Empfehlung des Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschusses (KSV) folgen sollte und die zusätzlichen 25.000 Euro nicht fließen. Zwei Reaktionen wären dann denkbar: das Theater reduziert sein Angebot, also die Ausgaben, oder schraubt die Eintrittspreise in die Höhe.

Nun ist das Zimmertheater eine der Kultureinrichtungen Rottweils, die als Leuchtturm gelten. Als zur Haushaltskonsolidierung Kürzungen der Vereinszuschüsse anstanden, ging die Stadt deshalb hier gebremst ans Werk. "Wir wollen diesen Leuchtturm auch weiter unterstützen", unterstrich Broß in der Ausschusssitzung die Bedeutung der Einrichtung.

Er wählte aber deutliche Worte, wie die Stadtverwaltung die finanzielle Situation des Theaters sieht. "Wir sehen das mit Sorge." Die inhaltliche Arbeit des Theaters habe sich weiter entwickelt in den vergangenen Jahren, aber die Finanzierung sei hängen geblieben. Nun gelte es, das Ruder herumzureißen. "Wir wollen das Zimmertheater nicht verlieren. Wir wollen, dass es auch in den nächsten Jahren funktioniert und auf stabile Beine gestellt wird", sagt er zwei Tage nach der Diskussion im KSV.

Das Erhöhen des Zuschusses könnte nicht nur den Weg für das Anzapfen weiterer Zuschusstöpfe bereiten, sondern verschaffe dem Vereinsvorstand die nötige Zeit, die Konsolidierung hinzubekommen und "die Grundfinanzierung auf ein anderes Niveau zu bringen".

"Es gibt ein grundsätzliches Strukturproblem", meint der Oberbürgermeister und spricht auch die Frage an, wie das richtige Maß an Kooperationen mit Kindergärten und Schulen in Rottweil, im Umland und der ganzen Region aussieht. Wiederholt fällt das Stichwort Regionaltheater, das sich Broß als Möglichkeit vorstellen könnte, neue Partner zu finden und die Art der Grundförderung umzubauen.

In der Sitzung des Gemeinderats will er deutlich machen, dass es nicht Aufgabe der Stadtverwaltung sei, sich in die internen Dinge des Trägervereins einzumischen, ob nun mehr Komödie oder mehr Drama gespielt wird. Der Umkehrschluss klingt dann so: Man achte auf die Schritte, die der Vorstand einleitet, denn "die Weiterentwicklung auf der bisherigen Schiene könnte problematisch werden". Und Broß wird noch deutlicher: "Der Vorstand und vor allem die Mitgliederversammlung müssen sich nochmals überlegen, ob es sinnvoll ist, die Zuständigkeiten so zu trennen, wie wir es momentan haben zwischen Vorstand und Intendanz, die jetzt seit dem Wechsel nicht nur künstlerisch verantwortlich zeichnet, sondern auch für Personal, Organisation und Finanzen."

Kommentar: Weckruf

Von Patrick Nädele

Auf diplomatischem Parkett wären die Worte von Oberbürgermeister Ralf Broß eine schallende Ohrfeige für das Zimmertheater. In Rottweil ist es immerhin noch ein besorgter Weckruf – adressiert an den Vorstand und die Mitglieder des Trägervereins. An den Zuschuss ist nicht nur der Verwendungszweck geknüpft, sondern auch der Auftrag, strukturelle Schritte einzuleiten, um die Finanzen in den Griff zu bekommen. Broß ist trotzdem diplomatisch genug, den Verein selbst den Weg aus der Misere suchen zu lassen – ­auch wenn er klar macht: Die Bündelung der Verantwortung bei der Intendanz wird kritisch gesehen. Allein die Sorge um die Einrichtung reicht für das Aufstocken der Fördermittel noch nicht. Dazu braucht der Gemeinderat auch Vertrauen in die Reformbereitschaft des Vereins. Für den wäre jetzt also ein guter Zeitpunkt, ein Zeichen zu setzen.

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