Freuen sich auf das gemeinsame Mega-Projekt (von links): Bürgermeister Werner Guhl, Oberbürgermeister Ralf Broß sowie ThyssenKrupp Elevator-Europachef Alexander Keller, Sprecherin Martina Behrend und Entwicklungschef Gerhard Thumm. Foto: Schwarzwälder-Bote

Erste Signale der Behörden zum Power-Tower positiv  / "Die Chance nicht verpassen"

Von Corinne Otto

Rottweil. Die einen können es noch gar nicht recht glauben, die anderen träumen schon davon, wie sie ihre erste Tasse Kaffee auf der Aussichtsplattform schlürfen, und Handel und Gastronomie sind elektrisiert: Der neue Mega-Turm für Rottweil ist Thema Nummer eins.

Und die Zeichen stehen gut: Die ersten Resonanzen auf das am Donnerstag bekannt gewordene Riesen-Projekt von ThyssenKrupp Elevator sind positiv. Die Nachricht vom geplanten "Power-Tower", ein 235 Meter hoher Test-Turm für High-Tech-Aufzüge, schlägt in der Region ein wie eine Bombe. Und nicht nur aus dem Gemeinderat wird grünes Licht signalisiert (siehe gestrige Berichterstattung), auch beim Genehmigungsverfahren durch die Behörden erwartet Oberbürgermeister Ralf Broß "keine Überraschungen". Das zumindest sei den ersten Signalen aus dieser Richtung zu entnehmen.

Nichtsdestotrotz gilt es jetzt, das aufwendige Planungs- und Genehmigungsverfahren schnellstmöglich in Gang zu bringen. Schließlich will der Investor am liebsten noch dieses Jahr mit dem Bau des Mega-Turms im Neckartal beginnen.

OB Broß erläutert die Vorgehensweise: Der Turm wird zwar in einem Gewerbegebiet gebaut, dennoch ist eine Änderung des Bebauungsplans vonnöten. Mit der bislang vorgeschriebenen Gebäudehöhe von maximal 15 Metern kommt der Power-Tower nämlich nicht ganz aus. Am 5. Juni soll der Gemeinderat die Bebauungsplanänderung auf den Weg bringen, dann gehen die Planungsunterlagen an Landratsamt und Regierungspräsidium: Belange hinsichtlich Naturschutz, Denkmalschutz, Brandschutz, Wasserrecht und – in diesem Fall – der Flugsicherung werden geprüft. Bei der öffentlichen Auslegung im Rathaus können auch Bürger ihre Bedenken vorbringen. Im September sollen alle Stellungnahmen vorliegen, parallel kann der Bauherr seinen Antrag auf Baugenehmigung stellen. Und wenn die Bebauungsplanänderung im November wie erwartet vom Rat beschlossen und die Baugenehmigung erteilt wird, kann ThyssenKrupp Elevator noch in diesem Jahr loslegen.

Genau darauf hofft Jörg Stauss, Einzelhändler und Stadtrat in Personalunion: "Das ist ein ganz wichtiges Highlight für Rottweil, das man auf keinen Fall verpassen darf." Stauss ist sich sicher, dass der Power-Tower einen Boom für den Handel mit sich bringt, denn der Turm werde viele Menschen nach Rottweil bringen. Und natürlich müsse man hinterher sein, dass die touristische Nutzung kommt.

Der OB ist da sehr zuversichtlich: Für eine Aussichtsplattform und Gastronomie "will ThyssenKrupp Elevator die Voraussetzung schaffen", sagt er. Freilich wolle sich das Unternehmen aber nicht selbst als Betreiber einbringen. "Wir sind uns bewusst, dass das ein Test-Turm, ein technisches Gebäude ist", betont Broß. Dennoch sei die touristische Nutzung möglich.

Rottweils ehemaliger Stadtarchivar Winfried Hecht kann sich dagegen kaum vorstellen, dass ThyssenKrupp Elevator "tatsächlich Touristen auf dem High-Tech-Turm haben will". Das Projekt sei sicher eine Chance für Rottweil und verspreche wirtschaftliche Impulse, dennoch sei man gut beraten, Für und Wider sorgfältig abzuwägen.

Negative Aspekte des Power-Towers fallen Thomas Wenger, Geschäftsführer der Trendfactory im Neckartal, beim besten Willen nicht ein – und das liegt nicht daran, dass seine Firma Grundstückseigentümer ist. "Bei den Verhandlungen halten wir uns ganz bewusst im Hintergrund", sagt Wenger. Ihm geht es um das große Ganze: "Das Projekt bringt zu 100 Prozent noch mehr Innovation und Inspiration nach Rottweil". Der Turm habe Potenzial, zum neuen Markenbotschafter für die Stadt der Türme zu werden, meint Wenger, der hofft, dass das Projekt jetzt auf allen Wegen positiv vorangebracht wird. "Das ist ein Glücksfall nicht nur für Rottweil, sondern die ganze Region."

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