Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß willTelekom-Chef René Obermann an seine Bekenntnisse zum Telekom-Standort Rottweil erinnern, wie er gestern nicht nur dem ver.di-Beauftragten Salvatore Bertolino (rechts) versicherte. Foto: Scheidel

Telekom-Beschäftigte schockiert über Verlagerungspläne. OB will helfen.

Kreis Rottweil - "Das soziale Klima ist schlecht, auf den kleinen Mann wird immer mehr abgeladen", sagten Gewerkschafter am Mittwoch vor etwa 60 Telekom-Beschäftigten in der Betriebskantine an der Steig in Rottweil.

Die meisten, die zu der Informationsveranstaltung kamen, fühlen sich aber nicht nur von "der Politik, "die vor allem das Wohl der Besserverdiener und Bessergestellten im Auge hat", betrogen. Der Telekom-Konzern bekommt heftige Schelte für seinen Plan, ab Juli 2011 64 Arbeitsplätze von Rottweil wegzunehmen, um sie, wie berichtet, nach Darmstadt und Stuttgart zu verlagern.

Von diesem forschen Drang nach weiterer Zentralisierung zu Lasten von dadurch um ihre berufliche Existenz bangenden Bürgern zeigt sich auch der Rottweiler Oberbürgermeister Ralf Broß, der von Salvatore Bertolino, dem ver.di-Beauftragten in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, eine Petition mit deutlichen Forderungen entgegennahm: Großkonzerne hätten die Möglichkeit und Pflicht, Arbeitsplätze dezentral im ländlichen Raum zu erhalten.

Vorhaben nochmals auf den Prüfstand stellen

Broß erinnert sich in diesem Zusammenhang an den Rottweil-Besuch des obersten Telekom-Chefs René Obermann im vergangen Jahr. Da habe dieser ausdrücklich auf die hohe Wertigkeit des Telekom-Standorts Rottweil verwiesen, auch mit Verweis auf die Bereiche Mittelstands-Service und -Vertrieb sowie IT, die nun verlagert werden sollen. Broß will Obermann beim Wort nehmen und versprach, die Petition umgehend an diesen weiterzuleiten mit der Bitte, das Vorhaben nochmals auf den Prüfstand zu stellen.

Der Schock bei den Telekom-Beschäftigten über die weiteren Zentralisierungsbestrebungen sitzt tief. Als zwei Beschäftigte vortreten und ihre Perspektiven skizzieren, die sie bei einer Umsetzung erwarten, macht sich im Saal große Betroffenheit breit. Andreas Blattert aus Rottweil-Hausen sagt, dass er lange Zeit große Flexibilität bewiesen habe, um bei Telekom voranzukommen. So sei es für ihn auch kein Problem gewesen, sich von Waldshut hierher zu verändern. Jetzt, mit Familie und zwei Kindern von acht und sechs, sei die Ahnung, von Darmstadt aus die Familie nur noch am Wochenende erleben zu können, ein schwerer Schock, sagt der 46-Jährige mit leiser Stimme. Vielen anderen der 64 in den beiden vakanten Bereichen Beschäftigten geht es wohl ähnlich.

Zu Felde ziehen wollen DGB und ver.di mit vielen Beschäftigten im Rücken auch gegen die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung. Viele Menschen würden in die soziale Not und das gesellschaftliche Abseits gedrängt. Es sei eine Politik der gesellschaftlichen Spaltung, sagten gestern Sprecher von DGB und ver.di. Am 13. November soll es in Stuttgart eine Großdemonstration geben, zu der 50 000 Menschen erwartet werden.

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