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Rottweil Siebenstellige Gewinne verloren im Nebel

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Auf die Spur von Schleuserbanden führen die Ermittlungen in Nagelstudios.Symbolfoto: Pixabay Foto: Schwarzwälder Bote

Alles begann mit einer anonymen Anzeige im Jahr 2016: In einem Nagelstudio in Münster würden Beschäftige ausgebeutet. Zollfahnder nahmen sich der Sache an.

Rottweil/Münster. Anfangs war ihnen nicht klar, welche Kreise das Ganze ziehen und dass die Spuren bis nach Rottweil in den Schwarzwald führen würden. Tatsächlich mündeten die Ermittlungen vier Jahre später in einen großen Prozess am Landgericht Münster. Dort saß am Dienstag die Zollbeamtin auf dem Zeugenstuhl vor der 12. Großen Strafkammer, bei der alle Fäden zusammen liefen und dabei immer dicker wurden. Nach ersten Recherchen im Internet besuchten die Fahnder einige verdächtige Nagelstudios und trafen dort illegal Beschäftigte an, die zum Teil sofort die Flucht ergriffen. Alle stammten aus Vietnam, darunter auch einige junge Männer und Minderjährige.

2017 begannen die Ermittler mit systematischen Observationen der Studios sowie der Handyüberwachung der mutmaßlichen Drahtzieher. Obwohl die überwachten Nagelstudios allesamt in Nordrhein-Westfalen lagen, nahmen die Beamten auch eine damals 30-jährige Vietnamesin aus Rottweil ins Visier. Sie ist die Nichte der beiden, die die Ermittler für die Clanchefin halten. Am 20. November 2019 hatten die Fahnder genug Informationen und schlugen koordiniert zu. Mit sechs Haftbefehlen und etlichen Durchsuchungsbeschlüssen schwärmten sie in NRW und in Rottweil aus. Die Angeklagten kamen in U-Haft.

Das gefundene Material führte zu weiteren Erkenntnissen. Vor und nach der Aussage der Ermittlungsführerin legten drei Angeklagte Geständnisse ab. Allen voran die beiden 54 und 47 Jahre alten Brüder aus Ibbenbüren und Münster, gefolgt von einem 29-jährigen Vietnamesen aus Bergkamen. Sie räumten die Schwarzarbeit, den Steuer- und Sozialversicherungsbetrug ein.

Durch die mitangeklagte 37-jährige Schwester der Rottweilerin sei man auf Nagelstudios als Geldquelle gekommen. Von organisierten Schleuserbanden, von Geldwäsche und Menschenhandel habe man aber keine Ahnung.

Ob die deutsche Nagelstudio-Branche fest in vietnamesischer Hand sei, wollte der Vorsitzende Richter am Dienstag von der Zollbeamtin wissen. Im niedrigen Preissegment überwiegend, lautete die Antwort. Und es gehe über Deutschland hinaus. Die illegal Beschäftigten würden durch ganz Europa geschoben. Eingeschleust aus Vietnam würden sie über Russland und östliche EU-Staaten. In umgekehrter Reihenfolge flössen die siebenstelligen Gewinne zurück. Doch jenseits der deutschen Grenzen verliere sich alles im Nebel.

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