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Rottweil Protestbrief an den Bahn-Chef

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Auf der Gäubahn tut sich immer weniger, dabei ist die Forderung nach einem zweiten Gleis nach wie vor da. Doch die Deutsche Bahn scheint andere Interessen zu verfolgen und streicht demnächst weitere Zugverbindungen. Foto: SB-Archiv

Kreis Rottweil - In Sachen Gäubahn kommt was in Bewegung. Gegen die Pläne der Deutschen Bahn, Zugverbindungen auf dieser Strecke zu streichen, formiert sich weiterer Widerstand. Landrat Wolf-Rüdiger Michel schrieb einen Brief an den Bahn-Chef.

In einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG Rüdiger Grube fordert Landrat Michel einer Pressemitteilung zufolge eindringlich, die zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember beabsichtigten Streichungen im Fernverkehr auf der Gäubahn zu revidieren. Stattdessen solle man sich gemeinsam mit den weiteren Beteiligten wie dem Land Baden-Württemberg sowie den Gäubahnanliegern für eine Verbesserung des gegenwärtig unzulänglichen Fernverkehrsangebots einsetzen.

Zuvor schon hatte die CDU hier in die gleiche Kerbe geschlagen. Bei einem Gäubahntag hatten fünf CDU-Abgeordnete aus der Region, darunter der Landtagsabgeordnete Stefan Teufel, an die Bahn appelliert, von ihren Streichplänen abzurücken: "Die Gäubahn ist für den Personen- und Güterverkehr immens wichtig. Die Absicht der Deutschen Bahn, Fernzüge auf der Gäubahn zu streichen, würde uns ins Mark treffen", äußerte Teufel deutlich.

Das sieht auch der Landrat so. Er ergänzt: "Weitere Abstriche schwächen nicht nur die für die Anliegerkommunen wichtige Trasse, sondern unterlaufen auch die internationale Verpflichtung für den Korridor Stuttgart-Zürich aus dem Vertrag von Lugano". Die Vereinbarung mit der Schweiz sehe einen Schienenpersonenfernverkehr vor, der in Bezug auf Fahrzeiten, Komfort, Service und Zuverlässigkeit konkurrenzfähig sei und mit einer Fahrzeit Stuttgart- Zürich von Zweieinviertelstunden eine Alternative zu Auto und Flugverkehr darstelle.

In den Chor der Protestler stimmen auch die Kreisgrünen ein: Die Ankündigung der Deutschen Bahn, ihr Angebot an Fernzügen auf der Gäubahn an den Wochenenden auszudünnen, sei im Kreisvorstand "mit Entsetzen" aufgenommen worden. Die Kreisgrünen fürchten, dass dies nur ein erster Schritt zur weiteren Ausdünnung des Angebots auf der Gäubahn sei. Trotz vollmundiger Ankündigungen, die Gäubahn attraktiver zu machen, sei der zweigleisige Ausbau der Strecke über die Planungsphase noch nicht hinausgekommen. Ebenso sei die Rückkehr der Neigetechnikzüge auf die Strecke in weite Ferne gerückt.

Für Landrat Michel ist die Politik der Bahn nicht nachvollziehbar: "Die Gäubahnanlieger sind mit dem Land und der DB AG gemeinsam intensiv unterwegs, die Gäubahn zu ertüchtigen – ich nenne hier nur den auf den Weg gebrachten Doppelspurabschnitt Horb-Neckarhausen –, da ist es mir völlig unverständlich, wenn nun das Fernverkehrsangebot eingeschränkt werden soll."

Verbindungen werden immer schlechter

Seit Herbst 2008 habe es erhebliche Verschlechterungen im Fernverkehr auf der Gäubahn gegeben. Zunächst seien die ICE-Züge mit abgeschalteter Neigetechnik verkehrt, was zu regelmäßigen Verspätungen und Anschlussverlusten führte. Die DB habe Mitte März 2009 mit einem damals als "Notfahrplan" bezeichneten korrigierten Fahrplan operiert, so dass sich die Fahrgäste auf die verlängerten Fahrzeiten einrichten konnten. Aber auch mit diesem Fahrplan seien wichtige Anschlussverbindungen im Knoten Stuttgarter Hauptbahnhof verlorengegangen. Dieser Zustand, der die Gäubahn von wichtigen bundesweiten Transportketten abkoppele, halte bis heute an. Schließlich seien im März 2010 die ICE-Züge durch schweizerische Schnellzugwagen umgestellt worden, wodurch ein spürbarer Komfortverlust eingetreten sei.

Für die Gesamtmaßnahme Gäubahn seien neben dem Doppelspurabschnitt Horb-Neckarhausen noch zwei weitere Doppelspurabschnitte, nämlich Rottweil-Neufra und Rietheim-Wurmlingen, sowie acht weitere Beschleunigungsmaßnahmen an der Strecke geplant. Die Gesamtmaßnahme Gäubahn sei vollständig im Investitionsrahmenplan für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes für die Jahre 2011 bis 2015 verankert.

Die Kreisgrünen sagen, sie hofften, dass der Interessenverband der Gäubahn mit ihrem Vorsitzenden Landtagspräsident Guido Wolf so schnell wie möglich Kontakte zu den Schweizerischen Bundesbahnen AG (SBB) aufnehme, mit dem Ziel, den Fernverkehr zwischen Stuttgart und Zürich auch in Zukunft sicherzustellen.

Es sei ein Armutszeugnis der Deutschen Bahn, dass sie mangels Masse auf der Gäubahn keine eigenen Züge einsetzen könne. Für die Kreisgrünen werde durch diese Politik der Ausdünnung des Bahnangebots auf der Gäubahn einmal mehr das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" in Frage gestellt. Werde der ländliche Raum abgehängt, blieben die angeblichen Vorteile von "S 21" für den Einzugsbereich der Gäubahn schnell auf der Strecke.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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