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Rottweil Frauenpower in Zeiten von Corona

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Nora Kühnlein (Zweite von links) spielt sowohl in "Fünf Frauen im Netz", als auch in "Das kunstseidene Mädchen". Auf dem Bild ist sie in "Die bessere Hälfte…der Familie" zu sehen, worauf das neue Stück basiert. Archiv-Foto: Cools Foto: Schwarzwälder Bote

Von Timo Beyer

Nach der coronabedingten Zwangspause kehrt das Rottweiler Zimmertheater mit einem an die Krise angepassten Sommerprogramm zurück und bleibt dabei thematisch am Puls der Zeit.

Rottweil. "Wir planen dreimal Frauenpower", so umreißt Bettina Schültke, die Intendantin des Zimmertheaters, das Programm des Sommertheaters, mit dem sich das prestigeträchtige Haus aus der Corona-Erstarrung befreien will. Schon diesen Monat soll es losgehen. Noch wartet Schültke aber auf eine ausstehende Förderung, bevor die Pläne in die Tat umgesetzt werden können.

Auch die Theater müssen zahlreiche Auflagen erfüllen, die entsprechende Verordnung ist erst vor einer Woche herausgekommen. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, werden pro Vorstellung nur 80 Karten verkauft, und es ist vorgesehen, dass die Zuschauer auf dem Weg zu ihren Plätzen Gesichtsmasken tragen. Da im Freien das Ansteckungsrisiko geringer ist als in geschlossenen Räumen, sei es dieses Jahr nicht möglich, im Falle von schlechtem Wetter von der Freilichtbühne ins Theaterhaus auszuweichen. Stattdessen werde man notfalls Ersatztermine ansetzen.

Eine logistische Herausforderung dürfte die Bestuhlung der Zuschauertribüne werden. Denn es sei geplant, dass Personen aus einer Wohngemeinschaft auch zusammen sitzen dürften, ansonsten müsse aber der vorgeschriebene Abstand eingehalten werden. Deshalb bittet Schültke die Besucher, "etwas mehr Zeit mitzubringen für die Platzierung." Und: "Wir wünschen, dass die Leute die Eintrittskarten im Vorverkauf kaufen", denn so lasse sich leichter planen.

Doch weniger Zuschauer bedeutet natürlich auch weniger Einnahmen pro Vorstellung. In normalen Zeiten finden in den Zuschauerreihen des Bockshof 300 Gäste Platz. Um die Einschränkungen zu kompensieren, plant Schültke einen Kraftakt: "Mehr als 30 Aufführungen zum Ausgleich. Das ist heftig." Und dennoch seien keine höheren Ticketpreise geplant. Allerdings sei es möglich, durch den Erwerb einer Solidaritätskarte das Theater mit fünf Euro zu unterstützen.

Einschränkungen werden kreativ verarbeitet

Doch die Auflagen der Landesregierung sind auch eine künstlerische Herausforderung. So wurde die im Theater übliche Pause verboten, weshalb es notwendig sei, die Dauer der Stücke auf eineinhalb Stunden zu begrenzen. Und auch die Schauspieler auf der Bühne müssten nach aktuellem Stand den Sicherheitsabstand untereinander einhalten.

Als kreative Antwort auf diese Herausforderung entstand das Stück "Fünf Frauen im Netz". Es handelt sich dabei um eine Neufassung von "Die bessere Hälfte… der Familie. Die Unmöglichkeit eine (moderne) Frau zu sein", das bereits am 6. März Premiere gefeiert hat und wegen Corona nach drei Aufführungen eingestellt wurde. Die neue Fassung dreht sich zwar um dieselben Figuren, ist aber kürzer und die Corona-Pandemie ist Teil der Geschichte. So könne man die auf der Bühne geltende Abstandsregel "konstruktiv einbauen", erläutert Schültke.

Geschrieben wurde das Stück von Peter Staatsmann, der auch Regie führt. In "Fünf Frauen im Netz", gehe es um fehllaufende oder sich rückwärtsentwickelnde Emanzipationsbestrebungen, die zunehmende Verbreitung von Verschwörungstheorien und die Problematik, "dass anstelle der soliden Bildung das Internet tritt", was dazu führe, "dass wir in eine Welt eintauchen, ohne zu wissen, wie man sie handhaben muss", so Staatsmann.

"Wir legen den Finger in die Wunde"

Dabei gehe es darum, den Zuschauer emotional anzusprechen: "Wir legen den Finger in die Wunde." Man darf sich also auf kritische, kontroverse und anspruchsvolle Abendunterhaltung freuen.

Um in Sachen Abstandsregelung ganz auf Nummer sicher zu gehen, sind auch zwei Solo-Stücke geplant. So wird eine Adaption des Romans "Das kunstseidene Mädchen" mit nur einer Schauspielerin auf der Bühne aufgeführt. Das andere Stück trägt den Titel "Malala" und handelt von der pakistanischen Frauenrechtsaktivistin Malala Yousafzai, der bisher jüngsten Trägerin des Friedensnobelpreises. Alle Aufführungen sind mit Live-Musik. Sie werden von Schlagzeug und Akkordeon begleitet.

Wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt, geht es am 26. Juni los mit "Das kunstseidene Mädchen", am 28. Juni startet "Malala", und am 10. Juli feiert "Fünf Frauen im Netz" Premiere.

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