D-Rad-Freunde kommen von 16. bis 18. August nach Rottweil / Ingo Kern ist vom Virus der Traditionsmarke infiziert

Von Bodo Schnekenburger

Rottweil-Göllsdorf. Das ist nichts für Schwächlinge: Setzen, Starter drücken, cruisen – von wegen. Schon die Vielzahl der Hebel und Hebelchen, die nacheinander und "mit Schmackes" betätigt werden wollen, die Entscheidung ob Hand- oder Fußkupplung gewählt wird, und dann dieses Knattern, mit dem sich die ganze Maschine in beeindruckende Vibration schwingt zeigen, dass es eine gehörige Portion Leidenschaft braucht, um ein "D-Rad" zum Bewegen zu bewegen.

Ingo Kern sammelt alte Motorräder. Seit er bei Biberach ein D-Rad fast aus erster Hand, verkauft hat es der betagte Sohn des ursprünglichen Käufers, und die ersten Kennzeichen sind auch noch dran, in hervorragendem Originalzustand ergattert hat, ist in ihm die Leidenschaft für die Spandauer Marke entflammt. "Der D-Rad-Virus hat mich infiziert", bekennt er. Ein bisschen davon will er auch weitergeben, weshalb er das D-Rad-Treffen 2013 nach Rottweil geholt hat.

Nicht nur, wenn vom 16. bis 18. August D-Rad-Freunde aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland nach Rottweil kommen, steht ihm Manfred Henschel zur Seite. Der Schwenninger hat bereits 1980 zum D-Rad, das "D" steht für "Deutsche Industrie-Werke Aktiengesellschaft", gefunden. Seine Beiwagenmaschine war allerdings in anderem Zustand als Kerns Maschine. Dass das schmucke Stück im Prinzip ein Haufen rostiger Teile war, von denen nur der Rahmen dem Laien erklärlich macht, dass da ein Motorrad drin stecken könnte, ist heute kaum zu glauben.

Kennengelernt haben sich die beiden vor ein paar Jahren bei einem D-Rad-Treffen. Und beim Treffen 2011 in Lauerz haben sie der Fangemeinde der als robust geltenden preiswerten und deshalb in den 20er-Jahren vor allem von Handwerkern gerne genutzten Motorrädern angeboten, nach Rottweil zu kommen. Für vergangenes Jahr war allerdings noch Klingenthal als Austragungsort vorgesehen, doch 2013 knattern die D-Räder in die älteste Stadt Baden-Württembergs. An die 80 Anmeldungen hat Kern schon. Macht inklusive Begleitpersonen etwa 120 Teilnehmer. Das ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass auf einer Liste etwa 230 D-Rad-Besitzer registriert sind, etwa die selbe Zahl dürfte noch jenseits der Liste existieren. Das heißt, dass in knapp vier Wochen jedes sechste fahrtüchtige D-Rad in Rottweil sein wird.

Kern will den Gästen natürlich etwas bieten. Los geht’s mit einer Betriebsbesichtigung bei Mahle am Freitagnachmittag, abends gibt es schwäbisches Abendessen in der Turnhalle. Wobei die Erwartungen vor allem der Nordlichter an die Spätzle schon jetzt enorm sind. Am Samstag, 17. August, beginnt an der Göllsdorfer Halle eine Rundfahrt. Bis zur Flözlinger Hirschbrauerei ist eine Fahrzeit von einer Stunde einkalkuliert, anschließend geht es Richtung Schramberg, wo die Fahrzeuge beim Technik-Museum im H.A.U. ausgestellt werden. Die Fahrer besuchen das Museum und stärken sich für die Weiterfahrt nach Rottweil. Hier ist ab 15 Uhr die Ankunft am Schwarzen Tor und die Präsentation der D-Räder in der Fußgängerzone geplant. Die Feuerwehr sorgt für Kaffee und Kuchen. Ab 17 Uhr geht es wieder zurück nach Göllsdorf. Am Sonntag, 18. August, knattern die Teilnehmer wieder Richtung Heimat. Allerdings wohl nicht alle. Ingo Kern und Manfred Henschel wissen, dass mancher die Gelegenheit nutzt, um die Reize der für ihn neuen Gegend in der folgenden Woche in Ruhe zu erkunden.

Übrigens: Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen Ingo Kern und dem D-Rad, die schon etwas älter ist – und auch nicht direkt. Einer der im ganzen Reichsgebiet verteilten Händler war Franz Bader in Göllsdorf. Bei ihm hatte Kerns Großvater sein D-Rad gekauft.

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