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Vereinbarung gekündigt Bürgerinitiative muss aus Kapuziner in Rottweil

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So präsentiert sich der Kapuziner heute. Foto: Otto

Die Bürgerinitiative hat den Kapuziner in Rottweil aufgebaut. Doch nun hat die Initiative die Heimstätte verloren. Warum das so ist, steht in unserem (SB+)Artikel.

Rottweil - Von einem erheblichen Einschnitt spricht der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Kapuziner Rottweil, Henry Rauner, in einem Brief an die Mitglieder. Der Grund: Die BruderhausDiakonie hat demnach eine Vereinbarung gekündigt, nach der die BI Räume im Kapuziner nutzen konnte. Nun, so Rauner, verliere die BI "ihre Heimstatt". Es ist nun die Frage, wie es mit der BI weitergeht. Wir sprachen mit Henry Rauner.

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Die BruderhausDiakonie (BD) hat die Vereinbarung mit der Bürgerinitiative Kapuziner (BI) gekündigt. Worum ging es in dieser Vereinbarung?

Der Gegenstand der Vereinbarung war, dass die BI den von ihr betriebenen Teil des Kapuziners inklusive Kutschenhaus an die BruderhausDiakonie übergibt. Die Übergabe beinhaltet sämtliches Mobiliar und sonstige Güter, das sich im Eigentum der BI befindet und in einer Anlage aufgelistet wurde. Die Überlassung erfolgte kostenlos mit der Bedingung, die Güter pfleglich zu behandeln und bei Kündigung wieder zurückzugeben.

Warum erfolgte der damalige Schritt zur Übergabe?

Die BI hat in ihrer Satzung den Zweck einer möglichst weitgehenden und angemessenen, denkmalgerechten Nutzung des Kapuziners samt dem benachbarten Kutschenhaus. Zur damaligen Zeit der Vereinbarung hat die BI das Kapuziner samt Bistro, Mehrgenerationenthema, Vermietung und eigene Veranstaltungen fast nur mit ehrenamtlichen Kräften betrieben. Dies überstieg mit gewisser Zeit unsere Möglichkeiten, so dass wir auf der Suche eines professionellen Betreibers waren, was uns letztendlich auch aus sozialen Gründen mit dem damaligen Bruderhaus am sinnvollsten erschien. Diese bieten mit hauptamtlichem Personal gleichzeitig den Menschen mit Behinderung hier einen optimalen Standort.

Können Sie die Kündigung und ihre Begründung nachvollziehen?

Ehrlicherweise nein, vor allem die Kurzfristigkeit - gemäß Vertrag drei Monate zum Jahresende - überraschte mich: Die Übergabe des Kündigungsschreibens erfolgte am 29. September, ohne davor ein Wort zu sagen. Dabei bin ich regelmäßig im Kapuziner. Als Begründung nannte die BD: "man hat sich auseinandergelebt". Ich kann das nicht nachvollziehen. Wir haben immer wieder von uns aus darauf gedrängt, gemeinsam die Räume zu besichtigen und aufzuschreiben, was man reparieren oder verbessern kann, mit dem Angebot, dass wir uns ehrenamtlich einbringen. Wir haben uns gemäß der besagten Vereinbarung sogar dazu verpflichtet, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, das Thema Mehrgenerationenhaus bis zu einem Betrag von maximal 10 000 Euro jährlich zu unterstützen - bis heute ging nie ein Antrag oder ein Nachweis ein. Außerdem funktioniert ja die Zusammenarbeit mit den Personen vor Ort. Die Kündigung kam von überörtlicher Stelle, quasi von Reutlingen, dem Sitz der Diakonie, mit denen wir nie in Kontakt standen. Also - wie soll ich das nachvollziehen können?

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Was bedeutet das nun für die Bürgerinitiative Kapuziner?

Nun, der Verein hat in seiner Satzung den Kapuziner an sich als Zweck festgelegt. Die Kündigung bedeutet zum einen den Verlust dieses Satzungszwecks und dadurch das Abhandenkommen der "Heimstatt" des Vereins. Sämtliche Bezüge und Veranstaltungen für den Verein, darunter die öffentlichen Veranstaltungen wie Fasnet (Schmotziga, Narrhallaball), Jazz in Town, Tag des Denkmals fallen nun für uns weg.

Sie sind Gründungsmitglied, treibende Kraft, Vorsitzender der BI - nun diese Zäsur. Wie haben Sie die Kündigung persönlich aufgefasst?

Zuerst hat es mich tief getroffen; war der Kapuziner doch für uns, den internen Zirkel mit Vorstand und Ausschuss, "unser Baby".

Kommt nun nicht Wehmut bei Ihnen auf?

Tausende Stunden meinerseits und aller Mitglieder und Helfer flossen in den Kapuziner. Es schmerzt schon, wenn man so auf diese Art und Weise quasi aus "seinem eigenen Heim" hinauskomplimentiert wird. Andererseits sind wir auch stolz, dass wir alle gemeinsam diesen Kapuziner gerettet haben und auch viele schöne Stunden - wenn sie auch mit Arbeit verbunden waren - erleben durften. Das ist bürgerschaftliches Engagement. Gemeinsam etwas zustande bringen, das ist Sonne, Leben, Kapuziner (lacht).

Lassen Sie uns zu den Anfängen zurückkehren. Warum hat sich die BI überhaupt gegründet?

Der Kapuziner damals (bis 2004) war jahrelang in einem Art Dornröschenschlaf; wenn man die Bilder vom damaligen Innenhof betrachtet im wahrsten Sinne des Wortes - er war zugewuchert mit Bäumen und Pflanzen; die Boden-Archäologen hatten ganze Arbeit in dem ehemaligen Refektorium samt Kirche und Sonnensaal geleistet - unbegehbar durch tiefe Löcher. Als Fazit auch von außen galt der Kapuziner als „Schandfleck“. Man wusste nichts mit ihm anzufangen. Sämtliche, teilweise hochtrabende Pläne für z.B. ein Kongresszentrum scheiterten an der Machbarkeit und Finanzierung. 2003 stellte dann die Fraktion der CDU im Gemeinderat den Antrag zum Abriss - man wollte einen Parkplatz.

Was war das für eine Stimmung in der Stadt?

Einerseits war es verständlich: ein Objekt mitten in der Stadt, dem Zerfall preisgegeben, keine Ideen, kein Geld - also weg mit dem Glump. Andererseits konnte ich die Bürger nicht verstehen, da man doch stolz ist auf die ehemalige Reichsstadt mit seiner Geschichte und seinen Gebäuden. Es konnte doch nicht sein, dass die älteste Stadt Baden-Württembergs ein über 350 Jahre altes Gebäude - ein ehemaliges fast noch in seiner Struktur vollständiges Kloster - mitten in der Stadt für einen Parkplatz abreißen will!?

Was war der entscheidende Punkt, der zur Rettung geführt hat?

Wie so meistens gibt es mehrere entscheidende Punkte: zuerst die Gründung der Bürgerinitiative. Hier war ausschlaggebend, dass Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen (Historiker, Handwerker, Unternehmer, Banker, aktive Pensionäre) zusammenkamen, die alle von dem gleichen Geist, von der gleichen Idee beseelt waren: Sonne – Leben – Kapuziner. Ein weiterer großer Moment war, dass Bürgermeister Werner Guhl den Kapuziner im Jahr 2005 in seinen langfristigen Investitionsplan aufgenommen hat und der Gemeinderat diesem gefolgt ist. Einer der wichtigsten Punkte überhaupt war, die Unterstützung durch das Landesamt für Denkmalpflege in Person von Michael Goer. Ihn hatten wir im Jahr 2005 zu einem sogenannten Rosen-Essen im Innenhof des Kapuziners eingeladen. Er war vom Kapuziner in Rottweil bisher schon begeistert, lernte uns noch näher kennen und war vom ehrenamtlichen Engagement so angetan, dass er alles Finanzielle mit in die Wege leitete und denkmaltechnisch die Brocken aus dem Weg räumte.

Im Januar 2011 wurde der Kapuziner wiedereröffnet - können Sie sich noch an das Gefühl erinnern, das Sie damals hatten?

Es war für uns alle ein Hochgefühl: für die Bevölkerung ein Staunen, was aus dem einstigen Schmuddelkind Kapuziner geworden ist; für uns als Vereinstätige eine tief gehende Befriedigung, dass sich unsere Vision so toll umsetzen ließ und für mich persönlich eine ganz tiefgreifende Berührung, als ich zusammen mit den fünf von uns eingeladenen und extra angereisten Kapuzinerbrüdern zusammen mit den geistlichen Herrschaften der ansässigen Kirchen durch den Kapuziner gehen und bei der Wiedereröffnungs-Weihe des Kapuziners dabei sein durfte. Da kommen mir heute noch die Tränen der Rührung.

Welche Bedeutung hat der Kapuziner inzwischen in der Stadt?

Der Kapuziner ist einfach nicht mehr wegzudenken, er ist ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Darüber hinaus konnte und kann man mit diesem bürgerschaftlichen Engagement, das vielfach in Rottweil anzutreffen ist, auch punkten. Es ist sicherlich ein Baustein, auf dem Weiteres aufbauen konnte. So wurde die Landesregierung auf Rottweil aufmerksam wie für die JVA, die Landesgartenschau und die Rose der Demokratie und was sonst noch so kommen mag.

Nun also müssen Sie Ihr Baby loslassen. Sie haben doch sicher schon die eine oder andere Idee - wie geht es nun weiter?

Ja, alles hat seine Zeit - das muss man sich zuerst mal selbst eingestehen. Und dann gibt es auch wieder Platz für vielleicht etwas Neues. Seit dem Erhalt des Kündigungsschreibens haben wir im Vorstand und Ausschuss intensiv nachgedacht und Ideen gesponnen. Wir haben nun auch unsere Mitglieder informiert und darum gebeten, sich selbst Gedanken zu machen. Unsere Stärke und Kompetenz ist es, verschiedene Personen zusammenzubringen und zum Beispiel wertvolle, denkmalgeschützte Gebäude der Allgemeinheit wieder zur Verfügung zustellen. Insoweit waren und sind wir bisher auf der Suche nach solchen Objekten. Dabei finde ich es persönlich notwendig, auch junge Kräfte dafür zu gewinnen und einzubeziehen - man wird ja auch nicht jünger (lacht). Spätestens im Frühjahr, sofern Corona es zulässt, wollen wir eine Mitgliederversammlung abhalten, in der wir dann diese Ideen diskutieren wollen, oder, wenn es zu keinem Konsens kommt, die Frage zu stellen ist, ob wir den Verein auflösen.

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