Der Hubschrauber flog nah an den Dächern der anliegenden Häuser vorbei. Foto: Niklas Ortmann

Trotz strömenden Regens und Windböen hob der Spezialhubschrauber am Donnerstagmorgen ab, mit dem auch an diesem Freitag noch Holz aus dem Süd-West-Hang des Christophtals in Freudenstadt abgeflogen wird. Welches Projekt hinter dem Einsatz steckt.

Das Geräusch der Rotorblätter war am Donnerstag bis in die Innenstadt zu hören. Von der Schillerstraße aus bot sich eine klare Sicht auf den ungewöhnlichen Einsatz, der am Morgen begonnen hatte: Ein Spezialhubschrauber des Typs K-1200 K-Max der US-amerikanischen Firma Kaman Aerospace flog alle paar Minuten von einem Hang des Christophstals zum anderen. Am Süd-West-Hang nahm der Helikopter Baumstämme auf und brachte sie auf den Forstweg am gegenüberliegenden Hang, wo das Holz schließlich abtransportiert oder gehäckselt wurde.

 

Für die Anwohner in der Schillerstraße bot sich ein einzigartiges Schauspiel, denn um an den Hang zu gelangen, musste der Hubschrauber nah an die Häuser fliegen. Ein Anwohner schilderte unserer Redaktion, dass er aus seinem Wintergarten beobachtet habe, wie der Hubschrauber bis auf „30, 40 Meter“ an sein Haus herangekommen sei und sich „halb über dem Dach“ befunden habe. Über die Sicherheit habe er sich dabei aber keine Sorgen gemacht. Auch der Lärm habe sich in Grenzen gehalten und sei abzusehen gewesen, da die Arbeiten angekündigt worden waren. Gegen 13 Uhr sei der Einsatz dann auch schon wieder zu Ende gewesen.

Bei den Arbeiten kam ein Spezialhubschrauber des Typs K-1200 K-Max der US-amerikanischen Firma Kaman Aerospace zum Einsatz. Foto: Niklas Ortmann

Die Holzarbeiten sind Teil des „Biotopverbundprojekts im Christophstal“, das vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) des Landkreises Freudenstadt koordiniert wird. Projektleiterin Joana Czermin erklärt, was hinter dem Projekt steckt, das bereits seit 2022 läuft: Ziel sei es, den Süd-West-Hang des Tals auf sechs Hektar Fläche wieder freizustellen und langfristig offenzuhalten. Da der Hang nicht mehr attraktiv für eine Bewirtschaftung gewesen sei, sei er über die Jahre immer weiter zugewachsen. Die Flächen gehören laut Czermin größtenteils den Anwohnern, und für die sei es schwierig, an dem steilen Hang Arbeiten zu verrichten.

Um den Hubschraubereinsatz so kurz wie möglich zu halten, lag das Holz schon in Bündeln vorbereitet im Hang. Foto: Niklas Ortmann

Die Idee, den Hang wieder offenzulegen, sei daher auf reges Interesse gestoßen. Fast alle Anwohner hätten ihr Einverständnis für das Projekt gegeben, weshalb nun an einer „durchgängigen zusammenhängenden Fläche“ gearbeitet werden könne, erklärt Czermin. Durch die Offenlegung will der LEV den „wertvollen mageren Trockenrasen“ wiederherstellen, von dem verschiedene Tier- und Pflanzenarten profitieren, wie die Projektleiterin erläutert.

Die Baumstämme wurden vom Süd-West-Hang aus mit dem Hubschrauber auf die gegenüberliegende Seite des Tals transportiert. Foto: Niklas Ortmann

Dass für den Abtransport des Holzes ein Hubschrauber eingesetzt wird, ist ungewöhnlich und in der Beschaffenheit des Geländes begründet. „Wir haben noch nie einen Helikopter beauftragt“, erklärt Czermin. Dessen Einsatz sei teuer und verbrauche viel Sprit. Aber für den steilen Hang sei ein Hubschrauber dennoch die „wirtschaftlichste Lösung“ gewesen, sagt die Projektleiterin.

Der Auftrag sei an eine Schweizer Spezialfirma vergeben worden. Um den Einsatz so kurz wie möglich zu halten, habe das Holz schon in Bündeln vorbereitet im Hang gelegen.

Der Hubschrauber wird auch an diesem Freitag wieder in der Luft sein. Czermin rechnet damit, dass etwa noch ein halber Arbeitstag für die Holzarbeiten fällig sein wird.