Bettina Pecha aus Schwenningen hat mit "Die Straße des Glücks" ihr drittes Buch geschrieben, das in Villingen spielt. Foto: Heinig

Ihre ersten beiden Bücher spielten in England und Schottland des 16. Jahrhunderts. Das dritte, "Die Straße des Glücks", erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die die Nachkriegsjahre in Villingen erlebt. Bettina Pecha hat sich damit einen Herzenswunsch erfüllt.

VS-Villingen - Die aus Siegen stammende Autorin lebt seit 2001 in der Doppelstadt, wohnte zunächst in Villingen, jetzt in Schwenningen. Schon als Schülerin habe sie Kurzgeschichten verfasst, die in Zeitschriften erschienen. Ihre Leidenschaft galt der Geschichte, vor allem der englischen.

Für den sicheren Weg als Industriekauffrau entschieden

Bis sie daraus den historischen Roman mit dem Titel "Die Liebesbotin der Königin" werden ließ, sollten allerdings noch einige Jahre ins Land gehen. Schriftstellerin zu werden, damit habe sie damals zwar geliebäugelt, sich aber dann doch für den wirtschaftlich sichereren Weg entschieden, den Beruf der Industriekauffrau erlernt, in Büros gearbeitet und in München zwei Söhne großgezogen. Nebenbei schrieb sie für einen Zeitschriftenverlag Heftromane und Kurzgeschichten. 2007 – ihre Jungs waren "aus dem Gröbsten heraus" – begann sie doch noch, ihren Traum von einst zu leben. 2014 erschien ihr erstes Buch. "Eine Liebe im Schatten der Krone" folgte 2015.

Für "Die Straße des Glücks" recherchierte sie das Leben und die Rolle der Frau nach dem Krieg und im deutschen Wirtschaftswunder, "ein Herzensprojekt", wie sie sagt. In dieser Zeit ist die heute 60-Jährige aufgewachsen. Was sie als Kind nicht selbst miterlebte, erzählten ihr ihre Eltern, Verwandten und Bekannten, die meisten sind inzwischen verstorben. Bettina Pecha hat jedoch alles gespeichert, zudem viel recherchiert und jetzt eine Geschichte zu Papier gebracht, die sich um die junge Frau mit dem Namen Katharina rankt.

Dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit

1942 wütet noch der Zweite Weltkrieg. Katharina ist verliebt. Doch Frank muss an die Front. Als er 1948 unversehrt zurückkehrt, scheint ihr Glück perfekt. Bald vermisst Katharina jedoch ihren Beruf als Schneiderin und Modezeichnerin. Nur Ehefrau zu sein, reicht ihr nicht. Als sie ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit einholt, droht sie endgültig an den Konventionen dieser Zeit zu ersticken. Findet sie in den Nachkriegsjahren doch noch ihr eigenes Wunder? Bettina Pecha lässt Katharina in Villingen bis 1957 auf die Suche nach diesem Wunder gehen.

In ihrem Buch heißt das Städtchen allerdings "Ebringen" und auch sonst tragen die Örtlichkeiten andere Namen. Das Riettor ist das "Stadttor", und die Bäckerei Waldkircher, in der sich für Katharina Entscheidendes abspielt, nennt sich "Rombach". Auch das Münster, die ­Niedere Straße, die Erker der Innenstadthäuser, das Lederwarengeschäft Hügel – im Roman Hauser – und der Villinger Bahnhof werden so detailgetreu beschrieben, "dass jeder Ortskundige beim Lesen sofort erkennt, wo er sich befindet", sagt Bettina Pecha und schmunzelt.

Von der Rolle der Frau in den Wirtschaftswunderjahren

Allerdings, so räumt sie ein, habe sie den badischen Teil Villingen-Schwenningens aus dramaturgischen Gründen ins Schwäbische verlegt. Das habe besser in die Handlung gepasst, erklärt sie, da sie sich nicht mit den damals in Villingen stationierten französischen Besatzern, sondern mit den amerikanischen Befreiern und ihrem rettenden Marshallplan habe befassen wollen. Schwenningen kommt in ihrem Buch übrigens auch vor: das Offizierscasino der Amerikaner befindet sich im "Irish Pub", und da die zweite Hälfte des Buches spielt, begegnet der Leser auch der Königsstraße, dem Weihnachtsmarkt und dem "Breuninger".

Mit ihrer jungen Protagonisten spricht Bettina Pecha die Rolle der Frau in den Wirtschaftswunderjahren an. "Tatsache ist: verheiratete Frauen konnten daran nicht aktiv teilnehmen", sagt die Autorin. Sie waren Hausfrau, ob mit oder ohne Kinder, und durften per Gesetz nur einem Beruf nachgehen, wenn es der Ehemann erlaubte. Mit der Hochzeit gaben sie ein selbstbestimmtes Leben auf, Scheidungen waren schwierig. Noch schwieriger wurde das Leben allerdings als "alte Jungfer". Katharina ist nicht emanzipiert, dennoch kämpft sie um die Erfüllung ihrer Träume. Inzwischen sei Frau zwar viel weiter in Sachen Gleichberechtigung, "aber es gibt immer noch viel zu tun", sagt Bettina Pecha. Der Entwurf des Nachfolgeband, der Katharinas Geschichte ab 1958 weitererzählt, liegt schon bereit.

Info: Bezugsquellen

Das Buch "Die Straße des Glücks" ist über alle Online-Buchshops zu erhalten. Es kostet 9,99 Euro. Bei der Buchhaltestelle in der Brunnenstraße in Villingen ist der Band vorrätig.