Der Supermarkt auf vier Rädern hat eine Verkaufsfläche von 20 Quadratmetern. Foto: Thomas Fritsch

Der Andrang auf den rollenden Supermarkt in Neuweiler war gering. Jetzt wird über Standorte in den Ortsteilen nachgedacht. Sollte sich das Konzept doch etablieren, sind damit die Bestrebungen, einen Einzelhandelsmarkt anzusiedeln, erloschen? Und was sagt das Ehepaar Ditscher, das einen Dorfladen betreibt?

Der Tante-Emma-Laden auf Rädern hat jetzt auch in Neuweiler Halt gemacht. Am Donnerstagmittag stand der rollende Supermarkt auf dem Rathausplatz, damit die Bürger die Einkaufsmöglichkeit der etwas anderen Art „beschnuppern“ können. Der mobile Kaufladen zog an dem Kennenlerntag jedoch nur eine Handvoll Interessierte an, die mit ihren leeren Einkaufskörben den Lastwagen mit rund 20 Quadratmeter Fläche erkundeten.

 

Ob es daran lag, dass der Wettergott am Donnerstagmittag ganz und gar nicht auf der Seite von „Aaron´s rollendem Supermarkt“ war und es in Strömen regnete? „Das kann schon sein“, meinte Michael Daubner, der die Touren im Nordschwarzwald übernimmt. Chef ist aber sein Sohn Aaron Daubner – und der fährt 47 Kommunen im Enzkreis, Ludwigsburger Raum, Heilbronner Land, Kraichtal, Bretten und im Zabergäu an.

Vertrauen fassen Doch auch wenn der Ansturm nicht so groß war wie noch am Tag zuvor, als der rollende Supermarkt in Enzklösterle unterwegs war, weiß Michael Daubner: „Wir geben nicht so schnell auf. Es dauert, bis die Leute Vertrauen gefasst haben.“

Michael Daubner (links) kommt gerne ins Gespräch mit Kunden. Foto: Thomas Fritsch

So will der Fahrer des Kaufladens mit Neuweilers Bürgermeister Martin Buchwald das Gespräch suchen und andere Standorte herausfinden. Buchwald sagte nämlich, dass er die Idee des rollenden Supermarkts gut finde – den Bedarf aber eher in Zwerenberg, Breitenberg oder Oberkollwangen sieht.

Zum Konzept Das Familienunternehmen möchte den Bürgern die Möglichkeit geben, bis ins hohe Alter selbstständig Einkäufe erledigen zu können. Dafür gibt es Sammelplätze vor Ort, an denen der Lastwagen dann Halt macht, damit die Kunden in aller Ruhe ihre Einkäufe erledigen können. Doch darüber hinaus nimmt er auch im Vorfeld Bestellungen an und fährt dann wortwörtlich bis vor die Haustür.

In seinem motorisierten Kaufladen hat Daubner praktisch alles für den täglichen Bedarf dabei. Von Fleisch und Wurst über Molkereiprodukte, Obst, Gemüse, Backwaren bis hin zu Drogerieartikeln und vielem mehr. Seine Waren bezieht Daubner von Konzernen, doch bei Brot und Co. sowie Fleisch- und Wurstwaren setzt er auf regionale Betriebe.

Bedarf in Ortsteilen Gerade also nicht im Gemeindekern – also Neuweiler – sieht der Bürgermeister eine Chance für den rollenden Supermarkt, sondern in den kleineren Ortsteilen. In Neuweiler gebe es eben schon den Dorfladen des Ehepaars Ditscher und damit ein Angebot für die Bürger, Lebensmittel zu besorgen. Michael Daubner meinte, dass er er mit dem mobilen Kaufladen keine Konkurrenz zu Dorfläden und Selbstvermarktern sein möchte. Denn das Konzept richte sich an nicht mehr mobile Bürger.

Den Dorfladen Ditscher in Neuweiler gibt es seit neun Jahren. Und wenn sich der rollende Supermarkt in der Gemeinde etabliert? „Ich würde jetzt nicht so schnell aufgeben mit dem Dorfmarkt“, sagt Ruth Ditscher. Die Stammkunden sind vor allem ältere Einwohner. Sogar über 90-Jährige würden noch zum Einkaufen kommen. Momentan überlege sich das Ehepaar, auch einen Lieferservice anzubieten.

Konzern ansiedeln? Sollte der Supermarkt auf Rädern sich aber in der Gemeinde etablieren – wären damit die Bestrebungen erloschen, einen großen Einzelhandelsmarkt anzusiedeln? „Nein“, sagte Buchwald wie aus der Pistole geschossen. Und: „Wir arbeiten dran.“ So gebe es jedenfalls eine (zwar schon etwas ältere) Nahversorgungsanalyse, in der Potenzial für einen Konzern in der Größe von Lidl oder Norma bestehen würde. Wann der rollende Supermarkt wieder nach Neuweiler kommt und wo er halten wird, das wollen der Verwaltungschef und Michael Daubner nun besprechen. Übrigens: Aus Bad Teinach-Zavelstein gab es mittlerweile ein positives Signal für den Supermarkt auf Rädern. In sechs Stadtteilen könnte sich Bürgermeister Markus Wendel das Angebot auch vorstellen. Kommende Woche soll geklärt werden, wann und wo der rollende Supermarkt halten könnte.

Im Sortiment gibt’s allerlei Produkte für den täglichen Bedarf. Foto: Thomas Fritsch