Hartes Training für den Erfolg: Judith Hauser (vorne), Anastasija Khmelnytska und Nicole Müller (hinten v. li.) von der RSG-Gruppe. Foto: Baumann

Für die Rhythmische Sportgymnastik lassen die Mädchen der Nationalmannschaft ihr altes Leben hinter sich. Das Fehlen der Familie wird durch den Zusammenhalt aufgefangen – weil alle nur ein Ziel haben: den Erfolg.

Für die Rhythmische Sportgymnastik lassen die Mädchen der Nationalmannschaft ihr altes Leben hinter sich. Das Fehlen der Familie wird durch den Zusammenhalt aufgefangen – weil alle nur ein Ziel haben: den Erfolg.

Fellbach - Wie aus dem Nichts durchbricht ein Schrei die laute Musik. Abrupt halten die fünf Mädchen inne. Die Musik geht aus. Bundestrainerin Natalia Stsiapanava ist unzufrieden mit ihrer Gruppe, so kurz vor dem Gazprom-Gymnastik-Weltcup in Stuttgart, wo sie an diesem Samstag (19 Uhr/Porsche-Arena) antreten werden. Der Ton während des Trainings ist rau, das ist nicht unüblich. „Ich denke, dass ist überall im Leistungssport so“, sagt die Gruppen-Bundestrainerin Karina Pfennig, „aber das darf natürlich kein Dauerzustand sein. Sonst kommt niemand mehr ins Training.“

Beim Gruppenwettkampf der Rhythmischen Sportgymnastik (RSG) sind Synchronität und Präzision entscheidend, um gute Wertungen von den Kampfrichtern zu erhalten. Deshalb üben die Mädchen die Teile ihrer Choreografie mit Bällen und Bändern immer und immer wieder – bis zur Perfektion. Der Sport ist eine harte Schule, ein Knochenjob. Sechs Trainingstage stehen für das Team RSG Deutschland pro Woche auf dem Plan. An zwei Tagen trainiert die Nationalmannschaft, um Sara Radman (21), Judith Hauser (21, beide TSV Schmiden), Nicole Müller (19, SC Nettelnburg-Allermöhe), Anastasia Khmelnytska (16, 1. VfL Fortuna Marzahn), Katerina Luschik (16, TaBeA Halle) Rana Tokmak (17, TV Wattenscheid) und Daniela Potapova (18, TSV Spandau) sogar vor der Schule. Nur sonntags haben die Mädchen frei. „Vor Europa- oder Weltmeisterschaften zählen wir jeden Tag, bis wir endlich aus der Halle raus sind, aber man weiß wofür man das macht“, sagt Daniela Potapova, die beim Heim-Weltcup allerdings verletzt zuschauen muss.

Die Anspannung vor dem großen Wettkampf ist greifbar – für die Mädchen ist es das erste Mal, dass sie vor der eigenen Haustür gegen die besten Gruppen der Welt antreten. Athletinnen und Trainerinnen sind nervös. Das heimische Publikum motiviert die Gruppe aber auch besonders. Den Familien und Freunden wollen die Mädchen eine gute Show liefern. „Ich spüre die Freude im Training. Die Mädels haben richtig Lust auf diesen Wettkampf“, sagt Karina Pfennig.

Ihre Schützlinge kommen aus ganz Deutschland und sind zum großen Teil wegen des Sports ins Leistungszentrum nach Fellbach-Schmiden umgezogen. Die Gruppe kompensiert das Fehlen der Familie: „Wenn man von zu Hause weg ist, hat man hier seine zweite Familie“, sagt Katerina Luschik. Daniela Potapova pflichtet ihr bei: „Wir verstehen uns alle super!“ Der gebürtigen Berlinerin ist der Umzug nach Schmiden schwer gefallen. Ihre Familie sieht sie inzwischen höchstens fünf Mal im Jahr.

Die Frage, ob man sich besser nicht mit den Trainerinnen anlegt, beantwortet Daniela Potapova übrigens eindeutig: „Um Gottes Willen, lieber nicht!“ Die Gymnastinnen sind den harschen Ton in der Halle aber von klein auf gewohnt. „Das wird irgendwann normal“, sagt Potapova, „außerhalb der Halle sind unsere Trainerinnen wie unsere Mamas.“ Und die Mamas sind voll des Lobes für ihre Schützlinge. Pfennig streicht den Zusammenhalt der Gruppe heraus. Meinungsverschiedenheiten gibt es natürlich auch mal. Aber im Training müssen sich die Mädels wieder zusammenraufen. Denn alle ziehen an einem Strang. „Das macht ein Team erfolgreich“, sagt Pfennig.

Mit der direkten Olympia-Qualifikation für die Spiele 2012 in London (Rang 10) hat das Team schon einen großen Schritt gemacht. „Jetzt Stabilität ist das Entscheidende“, betont Karina Pfennig, „wir müssen einfach dran bleiben.“ Für den Heim-Weltcup in Stuttgart hofft sie auf ein gutes Abschneiden ihrer Mädels:„Natürlich wäre ein Platz auf dem Treppchen wünschenswert.“

Der RSG-Weltcup findet an diesem Wochenende in der Porsche-Arena statt. Die Einzelgymnastinnen gehen am Samstag ab 13 Uhr auf die Matte, die Gruppen ab 19 Uhr. Für beide Veranstaltungen gibt es noch Karten (vier bis acht Euro) an den Tageskassen. Das Finale am Sonntag ist ausverkauft. Für die Gala (16.30 Uhr) gibt es noch Tickets (acht bis 22 Euro).

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