Von Kuschelfaktor kann bei diesen Haustieren nun wirklich keine Rede sein. Für viele sind Schlangen und Echsen dennoch die perfekten Mitbewohner. Peter Fritz vom Albaquarium in Albstadt klärt über mögliche Gefahren auf.
Peter Fritz kümmert sich seit vielen Jahren um die vereinsgeführte Aquarien- und Terrarienausstellung im Albaquarium Albstadt-Ebingen. Es sei nicht sonderlich schwer Pythons, Boas oder Echsen als Haustiere zu halten.
Kurz zusammengefasst braucht man ein geräumiges Terrarium, Beleuchtung, Bodengrund, eine Wasserstelle, Versteck- und Klettermöglichkeiten sowie eine Beleuchtung, die für eine wohlig warme Temperatur sorgt.
Einige Exoten sind meldepflichtig, oftmals reiche auch ein Herkunftsnachweis. Diesen erhalte man bei seriösen Händlern. Wildfänge seien tabu. Vorab müsse abgeklärt werden, welcher Tierarzt in der Umgebung Reptilien behandeln kann.
„Niemals den Respekt vor den Tieren verlieren“
Während der Vereinsvorsitzende Fritz stolz den Schlangennachwuchs aus eigener Zucht präsentiert, warnt er eindringlich: „Man darf niemals den Respekt vor diesen Tieren verlieren“.
Familien mit kleinen Kindern rät Peter Fritz von der Haltung einer Schlange ab: „Die Boa constrictor beispielsweise ist zwar nicht giftig, aber wenn es ganz dumm läuft, kann sie sich festbeißen, um Gliedmaßen schlängeln und würgen. Das kann auch für kleine Hunde brenzlig werden.“ Es stecke viel Kraft in den Tieren, die über drei Meter lang werden können.
„Wenn sie hungrig sind, können sie schnell schlechte Laune bekommen“, berichtet der erfahrene Reptilienfan weiter. Einmal wöchentlich sollte es also „Frischfleisch“ geben. Wobei in der Terrarienhaltung überwiegend tote Mäuse oder Ratten verfüttert werden. Die gibt es tiefgekühlt zu kaufen.
Kein dressierbares Haustier
Kann man Schlangen zähmen? Peter Fritz verneint schmunzelnd. Man könne höchstens von einer Gewöhnung an den Menschen sprechen. „Es ist und bleibt ein Wildtier. Die wollen nicht kuscheln“, stellt er klar.
Echsen lieben die Sonne
Bartagamen, Leguane oder Chamäleons erfreuen sich großer Beliebtheit. Diese Insektenfresser seien auch einfacher zu halten als Schlangen. Im Albaquarium bekommen die Echsen mindestens einmal im Jahr neue UV-Lampen, da deren Leistung mit der Zeit nachlasse. Sie lieben die Wärme.
Peter Fritz hat einen Tipp für alle Echsen-Halter: „Jeder, der seine Tiere im Sommer in einem Außengehege gehalten hat, wird es wieder tun. Die natürliche UV-Strahlung tut den Tieren wahnsinnig gut“.
Bei den Stromkosten für ein Terrarium müsse man mit etwa 170 Euro im Jahr rechnen.
Tipps zur Haltung
M&S Reptilien ist einer der größten Terraristik-Händler in Deutschland und hat seinen Sitz in Villingen-Schwenningen. Gründer Stefan Broghammer – der aufgrund seiner zweiköpfigen Boa Constrictor deutschlandweite Bekanntheit erlangt hat - hat auf seiner Website ausführliche Informationen zur Haltung von Reptilien zusammengestellt.
Schattenseiten der Exotenhaltung
Immer wieder werden Reptilien einfach ausgesetzt. Im Juni wurden beispielsweise in Empfingen mehrere Schlangen gefunden. Sie wurden in einem Sack am Tälesee abgelegt. Drei der Königspythons wurden bereits tot gefunden, eine weitere starb wenig später.
Einen ähnlichen Fund gab es im August an einer Straße zwischen Breisach und Ihringen: Dort entdeckte eine Passantin insgesamt 14 Schlangen – darunter eine Kornnatter und mehrere Königspythons. Auch in diesem Fall starben zwei der Tiere.
Die Tierrechtsorganisation PETA lehnt die Haltung von exotischen Tieren generell ab. Viele Reptilien würden sterben, weil uninformierte Halter Krankheiten, die meist auf eine fehlerhafte Haltung zurückzuführen sind, zu spät oder gar nicht erkennen, heißt es auf der Website der Organisation.
Bitte immer beachten
Wer sich ein Haustier anschaffen will, sollte sich zunächst umfassend informieren. Eine falsche Haltung kann sowohl bei Fellnasen als auch bei Exoten fatale Folgen haben.