Philipp Klotz (links) wurde am Sonntag mit 58,8 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Jochen Paleit (rechts) gewählt. Ab 1. März 2024 wird er die Geschicke Kappel-Grafenhausens leiten – vermutlich als jüngster Bürgermeister Deutschlands. Foto: Decoux

Mit der Wahl von Philipp Klotz am Sonntag hat die Doppelgemeinde auf einen jungen Kandidaten gesetzt: Stand heute wird der 26-Jährige ab 1. März 2024 der jüngste hauptamtliche Bürgermeister Deutschlands sein.

Zwei Tage haben den Unterschied gemacht: Wird bis zum 1. März nicht noch ein jüngerer Rathauschef gewählt, wird Philipp Klotz bei seinem Amtsantritt in Kappel-Grafenhausen Deutschlands jüngster hauptamtlicher Bürgermeister sein. Er verdrängt damit Lukas Becker aus Lautertal in Hessen. Das bestätigte Henning Witzel, Verbandsgeschäftsführer Netzwerk Junge Bürgermeister*innen der Bundesrepublik Deutschland, unserer Redaktion am Montag.

 

Das Netzwerk ist ein Verein, der die Vernetzung für Akteure der Kommunalpolitik fördern will. Als „junge Bürgermeister“ werden dabei alle verstanden, die bei ihrer letzten Wahl jünger als 40 Jahre alt waren. Bundesschatzmeister des Vereins ist übrigens Martin Aßmuth, Bürgermeister der Gemeinde Hofstetten. „Baden-Württemberg ist ein Bundesland, dass sehr häufig die jüngsten Bürgermeister stellt. In letzter Zeit hat es aber auch durch Sachsen, Brandenburg und Hessen Konkurrenz bekommen“, bilanziert Witzel. Insgesamt wird Philipp Klotz der fünftjüngste Bürgermeister Deutschlands sein. Die vier vor ihm sind jedoch ehrenamtlich tätig.

Auch 18-Jährige dürfen schon kandidieren

Dank der Wahlrechtsreform könnte es bald noch mehr junge Bürgermeister in Baden-Württemberg geben: Denn bei Bürgermeisterwahlen dürfen künftig schon 18-Jährige kandidieren. Bislang war ein Mindestalter von 25 Jahren vorgeschrieben. Aber auch ältere Rathauschefs sind nun erlaubt: Die Höchstaltersgrenze von 67 Jahren für die Wahl und 73 Jahren für die Amtsausübung gibt es nun nicht mehr.

Und wie geht es Kappel-Grafenhausens Amtsanwärter jetzt am Tag nach der Wahl? „Ich bin echt glücklich und fühle mich sehr bestätigt. Ich könnte nicht zufriedener sein“, erklärte Klotz unserer Redaktion am Montag. „Ich danke den Bürgern für ihr Vertrauen. Auch ein großes Dankeschön gilt den Mitarbeitenden der Verwaltung und den zahlreichen Wahlhelfern für die Organisation der Wahl, den Musikvereinen für die großartige musikalische Untermalung des Abends, der Feuerwehr für die Bewirtung und den Bürgerinnen und Bürgern für das lange Ausharren in der Kälte“, schreibt Klotz später noch in einer Pressemitteilung.

Rund 500 Menschen warteten am Sonntag gespannt beim Kappeler Rathaus auf die Verkündung des Wahlergebnisses. Foto: Decoux

Mit seinem Wahlkampfteam habe er am Sonntag noch bis Mitternacht gefeiert. Länger ging nicht, da am Montag viele Helfer arbeiten mussten. „Wir haben tatsächlich noch ein Restaurant gefunden, das noch freie Plätze und eine warme Küche hatte“, berichtete er.

Um sich bei seinem Wahlkampfteam zu bedanken, will Klotz mit ihnen nochmals ausführlich feiern. „Die vergangenen Monate des Wahlkampfes wären ohne die Zuarbeit und Unterstützung vieler Helfer nicht möglich gewesen. Vor allem ohne meine Familie – besonders ohne meinen Bruder Stephan Klotz – wäre vieles bis gar nichts möglich gewesen“, betont er.

Jetzt heißt es Plätzchenbacken statt Wahlkampf

Er und auch die Bürger Kappel-Grafenhausens hätten nun zunächst die Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und nun den Advent und die Weihnachtszeit zu genießen. „Bei mir ist dann Plätzchenbacken und Plätzchenessen angesagt und ich werde mich wieder stärker um mein Privatleben kümmern, das während des Wahlkampfs gelitten hat“, meinte er lachend.

Doch wie wird es nun in Waldkirch weitergehen, wo Klotz aktuell noch als Fachbediensteter für Finanzwesen tätig ist? „Mein Chef kennt das Wahlergebnis und wir werden jetzt besprechen, wie es weiter geht . Es ist mir wichtig, eine ordentliche Übergabe hinzubekommen.“

Das gilt nicht nur in Waldkirch, sondern auch für Kappel-Grafenhausen. „Ich werde mich mit Jochen Paleit und den Abteilungsleitern für eine ordentliche Übergabe zusammensetzen. Ich möchte bei Entscheidungen, die meine Amtszeit betreffen schon miteingebunden werden“, erklärte Klotz. Dazu zählen für ihn etwa die Haushaltsfragen für 2024.

Stellenbesetzung hat höchste Priorität

Es gebe viele kleinere Themen, die Klotz bei seinem Amtsantritt am 1. März zügig angehen wolle. Das wichtigste, drängendste Thema sei jedoch die personelle Ausstattung – ohne die in seinen Augen nichts laufe. „Wenn es Bewerbungen für die offene Stelle des Bauamtsleiters gibt, möchte ich auf jeden Fall bei der Bewerberauswahl hinzugezogen werden. Es stehen viele Themen an – aber ohne ein gutes Team werden wir das nicht hinkriegen“, betont er. In dieses Team bezieht er nicht nur die Verwaltung, sondern auch den Gemeinderat mit ein: „Eine Gemeinde kann nur erfolgreich sein, wenn die Arbeit von Verwaltung und Gemeinderat sich gegenseitig bereichern. Ich konnte mich in den vergangenen Monaten davon überzeugen, dass Kappel-Grafenhausen tolle und kompetente Gemeinderatsmitglieder hat, und ich würde mir wünschen, dass bei der anstehenden Kommunalwahl am 9. Juni möglichst viele von ihnen wieder antreten. Demokratie lebt von der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger – in besonderer Weise tritt diese Beteiligung durch den Gemeinderat zu Tage.“

Tanne gibt es erst im März

Es ist in der Region üblich, dass nach der Wahl dem neuen Bürgermeister eine sogenannte Bürgermeister-Tanne gestellt wird. „Diese wird auch noch kommen, aber erst im März. Denn es hätte keinen Sinn ergeben neben dem Weihnachtsbaum jetzt noch zusätzlich eine Tanne aufzustellen für einen Bürgermeister, der aktuell noch nicht in der Gemeinde wohnt“, erklärt Klotz. Die Tanne soll dann im März mit einem Fest aufgestellt werden. Dann ist es hoffentlich auch vom Wetter her etwas angenehmer als am Sonntag“, so Klotz.