Der Blick von oben macht es deutlich: Rund um die Zugspitze warten auf Winterfreunde reihenweise weiß gezuckerte Gipfel, Skipisten und Rodelbahnen. Foto: t

Skifahren rund um Deutschlands höchsten Berg verspricht Abwechslung: Vom Gletscher bis zur Familienabfahrt ist alles dabei. Eine neue deutsch-österreichische Organisation sorgt für Mobilität auf Straßen und Pisten rund um die Zugspitze.

Erst mal den Überblick verschaffen. Das geht flott mit einer der beiden Gondelbahnen, die auf Deutschlands Höchsten führen. Entweder man nimmt das flotte Technikwunder, das mit nur einer Stütze die 1945 Meter zwischen dem deutschen Eibsee und dem Zugspitzgipfel überbrückt. Oder man lässt sich von der österreichischen Seite eng an den spektakulären Felswänden hinaufgondeln.

 

Egal wie, oben wartet dasselbe Wetter. Zur Ankunft Nebel und Schneetreiben, wenig später pustet ein kräftiger Wind die Sicht frei und alle streben nach draußen. Die Aussicht ist grandios, der eiskalte Wind jedoch gnadenlos.

400 schneebedeckte Gipfel

Um in Ruhe zu zählen, ob das Panorama wirklich fast 400 schneebedeckte Gipfel hergibt, bräuchte man polartaugliche Kleidung. Für einen genauen Blick hinab aufs Zugspitzplateau, Deutschlands höchstgelegenes Skigebiet, reicht es aber: gletschertypisch flache Pisten, erschlossen von fünf Schlepp- und Sesselliften, dazu drei Rodelbahnen. Das ist zwar keine größere Herausforderung für Skifahrer, dafür ist das Gebiet absolut schneesicher, unterhaltsam für Familien und konkurrenzlos in puncto Aussicht.

Ebenfalls hübsch gelegen und deutlich anspruchsvoller präsentiert sich das Skigebiet Garmisch Classic an den Hängen im Süden der Doppelstadt. Skilehrer Wolfgang Schumpp kennt das Skigebiet mit Hausberg, Kreuzjoch und Osterfelderkopf wie seine Westentasche und speziell dessen Highlight: die Kandahar, berühmt-berüchtigte Weltcup-Abfahrt mit unglaublich steilen Passagen. Was dem normalen Skifahrer als schwarze Abfahrt angeboten wird, ist eine entschärfte Version. Die hat es zwar auch in sich, führt aber wenigstens nicht in Falllinie bergab.

Kandahar – nur was für Mutige

Wobei alle, die sich an diesem Wintermorgen stolz vor dem Starthäuschen oder dem Pistenschild der Kandahar fotografieren ließen, am Nachmittag ihre Lektion lernen: Inzwischen ist ein Teil der Abfahrt gesperrt, markiert und eingezäunt und die Bühne frei fürs Training der Elite der Abfahrts-Damen.

Alle paar Minuten kommt ein farbiges Bündel über die Kuppe geflogen und verschwindet blitzschnell hinter der nächsten Kehre. „Schweiz“, „Italien“, „Deutschland“, kommentiert Wolfgang Schumpp, der die Damen am länderspezifischen Anzug erkennt. Kein Wunder, hat er doch früher das deutsche Skiteam für Olympia trainiert.

Garmisch-Partenkirchen

Olympia ist auch „schuld“ daran, dass es in Garmisch-Partenkirchen (fast) alles zweimal gibt: Skiclub, Feuerwehr, Polizei, Trachtenverein. Die beiden Gemeinden wurden 1936 zwangsverheiratet – das war Voraussetzung dafür, die Olympischen Spiele ausrichten zu dürfen. Heute sind die beiden Teile zwar optisch zusammengewachsen, Befindlichkeiten gibt es aber immer noch. So füllte vor Jahren ein grenz- und damit kompetenzüberschreitender Feuerwehreinsatz der einen Stadtteil-Feuerwehr im anderen Stadtteil wochenlang die Lokalzeitungen.

Und der neue Bahnhof (auf Garmischer Gemarkung) konnte nur realisiert werden, weil sein Hauptausgang dafür Richtung Partenkirchen führt. Sobald es aber gegen die Invasion Münchener SUVs am Wochenende geht oder darum, ob in der Friedhofsgärtnerei schon wieder die Schnittblumen ausverkauft sind, weil der thailändische König seine Dependance bezogen hat, wird einmütig geschimpft in der Doppelstadt.

Zugspitzregion – Bayern und Tirol

Ähnlich verhält sich das mit Bayern und Tirol, die sozusagen die Hauptaktionäre der Zugspitzregion sind. Natürlich beharren beide Seiten auf landestypische Eigen- und Besonderheiten, Identität und mitunter Ideologie. Wo es aber ums große Ganze, in diesem Fall den Tourismus geht, wächst der Gemeinschaftssinn.

„Dem Gast in der Region ist es egal, ob er in Deutschland oder Österreich ist oder zu welchem Verband seine Unterkunft gehört. Er möchte sich schrankenlos bewegen, sei es mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Bergbahnen, auf Wander- oder Fahrradwegen – und das auch im Winter“, sagt Nicole Fischer.

Sie führt den 2015 entstandenen Verein Zugspitz Arena Bayern-Tirol, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein gemeinsames Marketing und Projekte für Touristen zu entwickeln. So wie das grenzenlose Skivergnügen rund um die Zugspitze mit Gästekarte, Skipass für zehn Skigebiete mit rund 213 Pistenkilometern und dem passenden Skibus, der sie sechsmal täglich verbindet.

Grubigstein bei Lermoos

Die zahlenden Mitglieder sind Garmisch-Partenkirchen, Grainau und die Tiroler Zugspitzarena mit sieben Orten – und einigen Skigebieten. Am größten, dem Grubigstein bei Lermoos, wartet Michael Fasser, Inhaber einer Skischule und seit 28 Jahren Skilehrer.

Er führt quer durch „sein“ Skigebiet über blaue, rote und schwarze Pisten, vorbei an einem naturbelassenen Hang, der bei genug Schnee für Boarder-Premieren und Jägerslalom genutzt werden darf, und zur Kinder-Gondel. „Das ist eine der kürzesten Gondelbahnen und sie wurde extra für Kinder und Anfänger gebaut, die an diesem Hang Skifahren lernen“, erzählt Michael. „Früher musste man hier ewig am Schlepplift anstehen und jedes dritte Kind flogt erst mal raus.“

Jetzt kann er seine Schützlinge problemlos unten reinsetzen und oben einsammeln. Könner fahren auf der Panoramapiste mit Blick aufs Zugspitzmassiv oder von ganz oben zehn Kilometer lang zu Tal. Etwas für Groß und Klein bieten die Familienskigebiete Berwang-Bichlbach und Marienberg, und auf der Ehrwalder Alm kann man allerlei Akrobatik auf Brettern üben in verschiedenen Hindernisparcours mit Steilkurven, Wellen, Schanzen und Tunneln.

Info: Anreise

Garmisch-Partenkirchen und Grainau auf deutscher Seite sowie in Österreich die Orte Ehrwald, Lermoos, Berwang, Bichlbach und Heiterwang sind mit dem Zug erreichbar, www.bahn.de, www.oebb.at. In der gesamten Zugspitz Arena Bayern-Tirol verbindet ein Gästebus die Orte.

Unterkunft

Das Biohotel Garmischer Hof mit eigener Hausbrauerei liegt fußläufig zum Zentrum von Garmisch-Partenkirchen, DZ/F ab 128 Euro, www.garmischhotel.de.Familien sind willkommen im Hotel Stern in Ehrwald, DZ mit Halbpension ab 170 Euro, www.stern-ehrwald.at.Das Relais & Châteaux-Hotel Singer in Berwang punktet mit herzlichen Gastgebern, exquisitem Restaurant und ausgezeichnetem Spa. DZ/HP ab 306 Euro, www.hotelsinger.com.

Essen und Trinken

Deftige Stärkung in heimeliger Hüttenatmosphäre gibt es auf der Kreuzalm in Garmisch, www.kreuzalm-garmisch.de.Mittagspause mit Weitblick im Gipfelrestaurant Panorama 2962 auf der Zugspitze, www.zugspitze.de.

Skigebiet

Zehn Skigebiete mit 213 Pistenkilometern auf bayerischer und Tiroler Seite inklusive Zugspitzplatt erschließt die Top Snow Card, 2 Tage kosten 101 Euro (Jugendliche 81 Euro, Kinder 50,50 Euro).

Weitere Infos

Zugspitz Arena Bayern-Tirol, www.zugspitze.com

Reise