Allez, allez – der lange Weg nach Paris (II): Die Sommerspiele 2024 beginnen in rund einem Jahr. In unserer Serie stellen wir Athletinnen und Athleten vor, die in Frankreich unbedingt dabei sein wollen. In Teil zwei ist es der BMX-Fahrer Philip Schaub.
Wirklich alt ist Philip Schaub ja noch nicht mit seinen gerade einmal 26 Jahren. Und doch kann er bereits Geschichten von früher erzählen. Damals, als Stuttgart zwar schon Hochburg und Stützpunkt der BMX-Sportler war – und doch meilenweit hinterherhinkte. „Ich habe seit 2010 die eine oder andere Entwicklung mitgemacht“, sagt Philip Schaub also – und erinnert sich an Trainingsfahrten wie Stürze im „Sportspeicher“.
Unterirdisch hatten sich die BMX-Fahrerinnen und -Fahrer eine Trainingsstrecke eingerichtet. Sie war gut – aber lange nicht gut genug, um mit den Standards der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. Den Wendepunkt markierte dann das Jahr 2018. „Endlich“, wie Philip Schaub im Rückblick sagt.
Nach langem Hin und Her und einer umfangreichen Standortsuche konnte vor fünf Jahren die BMX-Strecke eingeweiht werden, die es den hiesigen Sportlerinnen und Sportlern ermöglicht, so zu trainieren, wie es auch ihre Konkurrenz tut – „auf Topniveau“, sagt Philip Schaub. Und Simon Schirle, der Bundestrainer, der sich jahrelang für den Bau eingesetzt hat, weiß: „So langsam ernten wir die Früchte der Arbeit unter diesen Bedingungen.“ Die WM in Glasgow soll das belegen.
Ab diesem Donnerstag werden in Schottland in zahlreichen Radsport-Disziplinen Medaillen vergeben. Die BMX-Racer sind erst am Ende dran – doch geht es auch für sie um mehr als das Streben nach Edelmetall. Neben Schaub starten bei den Männern in der BMX-Disziplin Race noch Stefan Heil und Julian Schmidt/beide MSC Ingersheim sowie Kay Stindl/SZ Kornwestheim. Um „bestmöglichen Ergebnisse“ fahren die deutschen Athletinnen und Athleten nicht nur, um die eigene Statistik aufzuhübschen – der Blick ist perspektivisch.
Zurück nach einem Bandscheibenvorfall
In einem Jahr finden in Paris die Olympischen Spiele statt. Schon seit Monaten läuft für die BMX-Cracks die Qualifikationsphase, sie sammeln Punkte für das Ranking der Nationen, um sich einen, besser zwei Plätze zu sichern. Bei der WM ist es nun möglich, das Unternehmen ein wenig abzusichern. Denn von den Nationen, die am Ende nicht über das Ranking nach Paris kommen, werden die drei besten der WM mit einem Startplatz belohnt.
Im Normalfall ist das deutsche Team darauf nicht angewiesen. Nach einem guten Start ins Jahr haben Verletzungen die Equipe zurückgeworfen. Auch Philip Schaub, der im März einen Bandscheibvorfall erlitt und sich noch immer auf dem Weg zurück zu alter Stärke befindet. Immerhin ist er dabei zuletzt ein gutes Stück vorangekommen. Getränkekisten darf er zwar noch keine schleppen, aber Platz fünf bei der EM auf dem BMX-Rad vor drei Wochen im französischen Besançon hat bewiesen, dass er wieder im Kommen ist. „Die Saison“, sagt er, „hat sich doch noch gut entwickelt.“
Natürlich soll es so weitergehen, schließlich geht es in den kommenden Wochen und Monaten um nicht weniger als den großen Traum von Philip Schaub – die Teilnahme an den Olympischen Spielen. „Seit Jugendtagen“, sagt der 26-Jährige aus Ingersheim, denke er an den Start im Zeichen der Ringe. Damit der wahr werden kann, gilt die fast volle Konzentration ab sofort dem Sport.
Was im Leistungsbereich als normal vorausgesetzt wird, ist bei Philip Schaub durchaus eine Erwähnung wert. Denn allein auf den Sport hat der Radsportler bislang nicht gesetzt. Zunächst hat er eine Ausbildung zum Mechatroniker absolviert und abgeschlossen, den darauf folgenden Plan aber wieder verworfen. Statt Maschinenbau studiert er nun an der Universität Tübingen Psychologie. „Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, nicht nur Leistungssport zu betreiben“, sagt er, „Ausbildung und Studium tragen zu einer gesunden persönlichen Balance bei.“ Er wolle „einen Ausgleich haben mit etwas, das mich wirklich interessiert“.
Seit vielen Jahren mentales Training
Im Studium der Psychologie hat er ihn nun gefunden – da ihn das Thema schon aus Eigennutz als Leistungssportler interessiert und fasziniert. Seit Jahren schon arbeitet Philip Schaub auch im mentalen Bereich und ist sicher: „Im Leistungssport geht es um Nuancen. Durch gezieltes Mentaltraining kann man da viel herausholen.“ Das zeigt: Trotz der Mehrfachbelastung ist Philip Schaub kein Mann für halbe Sachen. An der Uni reduziert er den Arbeitsaufwand zwar bis zu den Spielen von Paris, danach will er dann aber auch als Student wieder richtig Gas geben.
Am allerliebsten dann als frisch gekürter Medaillengewinner bei Olympia. „Dafür“, versichert Philip Schaub, „werde ich jeden Tag alles geben.“ Und später sicher mal davon erzählen.
Unsere Serie im Überblick:
Genau ein Jahr vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris haben wir damit begonnen, Sportlerinnen und Sportler aus der Region Stuttgart vorzustellen. Sie alle eint ein Ziel: Sie wollen im Sommer 2024 im Zeichen der Ringe starten. Bisher erschienen:
Der Schorndorfer Ringer Jello Krahmer
In den kommenden Wochen und Monaten stellen wir weitere Athletinnen und Athleten in großen Porträts vor.