Bis Wacken hat es Andrea Schmid aus Calmbach geschafft – das Festival besucht sie aber doch nicht. Foto: Andrea Schmid

Eigentlich wollte Andrea Schmid nur zum Heavy-Metal-Festival. Doch schon die Anreise wird zur Katastrophe. Unserer Redaktion hat sie von ihrer Odysee erzählt.

Einmal im Jahr verwandelt sich das beschauliche Örtchen Wacken in Schleswig-Holstein in das Mekka für Heavy-Metal-Fans, dieses Mal vom 2. bis zum 5. August. Kamen beim ersten Festival 1990 800 Besucher, reisen mittlerweile jedes Jahr Zehntausende aus der ganzen Welt an. Das Gelände ist 240 Hektar groß, darauf finden während des Festivals 150 Konzerte auf acht Bühnen statt. Mit dabei sind unter anderem „Iron Maiden“, „Doro“, „Uriah Heep“ oder „Megadeth“.

 

Auch aus Calmbach machten sich „Metalheads“, wie die Anhänger dieser Musikrichtung auch genannt werden, auf den Weg. Und erlebten dabei eine Odyssee.

Das Drama nahm bereits am Montag seinen Lauf. Weil das Festivalgelände wegen der starken Niederschläge aufgeweicht und matschig war, riefen die Veranstalter einen Anreisestopp aus. Am Dienstag war dann endgültig Schluss. Es durften keine Fahrzeuge mehr aufs Festival-Gelände, das eher einer Matschgrube gleicht als einer Wiese. Statt der erwarteten 85 000 Besucher wurden nur etwa 50 000 Menschen eingelassen.

Wacken ist bis Samstag fest in der Hand der „Metalheads“. Foto: Andrea Schmid

Auch nicht mehr aufs Gelände hat es Andrea Schmid aus Calmbach geschafft. Immerhin kamen sie noch bis zum Ausweich-Campingplatz auf dem Flugplatz Hungriger Wolf in Itzehoe. „Wir durften gestern nicht weiter rein, da sie die am Montag Angereisten noch mit Traktor reinschleppten und am Sonntag nur mit Traktor wieder raus“, schreibt sie an unsere Redaktion. „Wir sind froh, dass wir hier sind und laut Lagebericht von denen, die dort sind, ist es katastrophal. Wir sind das erste Mal da und so wie dieses Jahr war es laut allen noch nie“, so Schmid weiter.

Eigentlich sollte das ihr erster Besuch auf dem Wacken-Open-Air (W:O:A) werden. Deshalb machte sie sich mit Familie und Freunden auf den knapp 800 Kilometer langen Weg – nur um kurz vor dem Ziel aufgehalten zu werden.

„Ja, wir haben Lust auf Wacken“, teilt sie mit – und „wenn es nicht regnet, ist es angenehm warm“. Immerhin sind sie auch mit dem Campingbus unterwegs. „Mit Zelt ist es sehr feucht“, schreibt sie weiter.

Sie sind einige der wenigen von außerhalb des Geländes, die noch zum Festival könnten. Irgendwie scheint dann das schlechte Wetter mit Dauerregen doch die Stimmung verhagelt zu haben: „Wir könnten rein, möchten aber nicht mehr. Ist echt heftig.“

Party, Musik, Essen, Trinken

Immerhin in den Ort selbst sind sie noch gegangen: „Da ist Party, Musik, Essen, Trinken – eine lange Meile.“ Dort hätte sie sich gerne noch aufgehalten, „doch nun regnet es wieder und nachher soll Gewitter kommen“, schreibt sie weiter. Deshalb entschieden sie sich dann schweren Herzens wieder zur Heimreise.

Das Bier schmeckt auch bei Matsch. Foto: Andreas Ross

Einer, der es aufs Gelände geschafft hat, ist dagegen Andreas Ross aus Karlsbad: „Ja, wir sind drin“, schreibt er. Und er meldet, dass sich der Festivalstart, eigentlich geplant am Mittwochmorgen um 11 Uhr, verzögert: „Um 11 Uhr hätten die Wacken Firefighters (Anm. d. Red.: der Name, unter dem der Musikzug der Feuerwehr Wacken auf dem Festival auftritt) gespielt, wurde aber alles nach hinten verschoben, weil sie noch die Flächen präparieren müssen.“

"Ein Krankenwagen hat keine Chance"

Auch wenn die Stimmung gut sei, sind bei Ross gemischte Gefühle dabei: „Wir sind gespannt, ob das Festival bis Samstag durchgezogen wird. Ein Krankenwagen oder ähnliches hat keine Chance. Passieren darf nichts.“ Die Whatsapp-Nachricht endet für Metalheads standesgemäß: „Grüße aus Wacken!“ – und zum Schluss das Emoji mit einer Faust, aus der Zeige- und kleiner Finger herausragen – auch bekannt als „Pommesgabel“.

Das mag an diesen Tagen auch als Zeichen gelten, dass sich „Metalheads“ nicht so leicht unterkriegen lassen. Nicht umsonst lautet ein Motto von W:O:A auch: „Rain or Shine“, also Regen oder Sonnenschein. Und Regen und Matsch sind die Festivalbesucher wahrlich aus den vergangenen Jahren gewöhnt. Wenn auch nicht in den Massen wie in diesem Jahr.