Die kurvenreiche Strecke am Randenaufstieg reizt viele Biker zu gefährlicher Raserei. Dietmar Schweigler sieht die Sicherheit auf der Strecke in Gefahr und ärgert sich über die Lärmbelästigung. Die Raser hat er nun auch auf Video festgehalten und fordert deutlich mehr Abschreckung.
Die Motoren drehen hoch. Ein Dröhnen, gesund klingt es nicht. Mit geschlossenen Augen könnte man meinen, im Zuschauerrang am Hockenheimring zu sitzen. Mit geöffneten Augen ist es: Ein Youtube-Video vom Randenaufstieg, das Dietmar Schweigler am ersten September-Sonntag von seinem Grundstück aus aufgenommen hat.
Fünf Motorräder sind in der ersten Sequenz des einminütigen Films zu sehen. Sie setzen zum Überholen an, nehmen Kurs auf zwei Autos, die auf der Bundesstraße 314 talwärts in Richtung Epfenhofen fahren. Dass sie über eine doppelte durchgezogene Linie brettern – egal. Dass sie dabei auf der Gegenfahrbahn unterwegs sind, scheint keinen zu kümmern. Die kurvenreiche Strecke lädt viele Biker zu gefährlichen Rasereien ein. Dietmar Schweigler geht das „zusehends auf den Sender“, wie er sagt.
„Sonntagsgrüße von Randen“
Mit dem Betreff „Sonntagsgrüße vom Randen“ hat der frühere Blumberger Stadtrat deshalb eine E-Mail verschickt. Darin enthalten: Der Link zu seinem Youtube-Video, das er direkt am Sonntag hochgeladen hat. Die Empfänger: unter anderem Landtagsabgeordneter Guido Wolf (FDP), Blumbergs Bürgermeister Markus Keller und CDU-Bundestagsabgeordneter Thorsten Frei.
Die oben geschilderte Szene spielt sich in seinem Video mehrfach ab: Bergauf, bergab. Nicht immer sind es gefährliche Überholmanöver, doch in jeder Sequenz ist das Dröhnen der Motoren deutlich zu hören. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass es bei dieser Geräuschkulisse wenig Spaß macht, auf dem Balkon oder im Garten zu sitzen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Dietmar Schweigler mit seinem Ärger an diverse Mandatsträger wendet. Seit 30 Jahren beschäftigt ihn das Thema, vor allem in den Sommermonaten, wenn schönes Wetter die Biker auf die Straßen lockt.
Motoren dröhnen an sonnigen Wochenenden
Obwohl er gemeinsam mit Guido Wolf zu diesem Thema sogar bei Verkehrsminister Winfried Hermann in Stuttgart vorstellig geworden sei, tue sich rein gar nichts. Stattdessen dröhnen an jedem sonnigen Wochenende die Motoren. „Es geht morgens um 8 Uhr los und hört bis nach 19 Uhr nicht auf“, schildert der Randener einen typischen Sommersamstag oder -sonntag. Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und einem Buch im Garten genießen – ein Ding der Unmöglichkeit.
Schon lange treibe ihn das Thema um, sagt Schweigler. Anfang der 90er-Jahre sei die Strecke noch in den Zuständigkeitsbereich der Villinger Verkehrspolizei gefallen. „Die hatten das ganz gut im Griff“, sagt er. Gleichwohl habe es in den frühen 90er-Jahren in vier bis fünf Jahren acht oder neun Verkehrstote auf der Strecke gegeben.
Biker halten sich an Tempo 60 nicht
„Heute hört man von der Polizei die Aussage: Dort passiert ja nichts.“ Das will Schweigler aber so nicht stehen lassen. Die wenigsten Biker würden sich an Tempo 60 halten. „Wenn sie sich so in die Kurve legen, dass die Knie fast den Boden berühren, können sie gar nicht nur 60 fahren“, sagt er. „Dabei würde das Motorrad nämlich umfallen.“ Gerade in letzter Zeit habe sich das Problem wieder verstärkt. Die meisten Motorradraser kämen aus der Schweiz, manche Kennzeichen habe er schon mehrfach gesehen.
Sicherheit auf der Strecke
„Da fährt dann einer voraus und schaut, ob kontrolliert wird, und meldet dann den anderen, dass die Luft rein ist“, schildert Dietmar Schweigler die Situation. Woher er das weiß? „Ich beobachte die Szene jetzt schon dreißig Jahre.“ Ihm gehe es dabei nicht nur um die Lärmbelästigung der Anwohner, sondern auch um die Sicherheit auf der Strecke. „Stellen Sie sich einmal vor, da fährt ein 80-Jähriger vor Schreck in den Graben, weil von hinten ein Motorrad angeschossen kommt. Und dann heißt es am Ende: Der hat das Auto nicht mehr im Griff und er darf seinen Führerschein abgeben.“
Was würde er sich von den Entscheidern und Verantwortlichen wünschen? Der Randener muss nicht lange nachdenken. „Dass mal einem der Führerschein für lange Zeit abgenommen und die Maschine verkauft wird und eine Geldstrafe noch dazu. So, dass es alle mitbekommen. Das würde garantiert die meisten abschrecken.“
Teilsperrung
Behörde
Das Landratsamt sperrt seit einigen Jahren die Überholspur am Randenaufstieg auf einer Länge von etwa 750 Metern im Bereich der Sonnenhofkurve. Diese Sperrung gilt von 1. April bis Ende Oktober immer über das Wochenende bis zum folgenden Montag, 8 Uhr, sowie an Feiertagen. Allerdings: „Die Plastikmatten, die dann auf der Überholspur liegen, wurden auch schon weggeräumt“, hat Dietmar Schweigler beobachtet.