Neuer Schulweg, neue Klassenkameraden, alles unbekannt – auf den Schulwechsel schaut manches Kind mit banger Sorge. Foto: IMAGO//xromrodinkax

Alles anders nach den großen Ferien: Der Schulübergang von der Grundschule in eine weiterführende Schule ist ein unglaublich großer Einschnitt im Leben von Kindern. Eine Schulpsychologin erklärt, wie Eltern ihre Kinder jetzt unterstützen können.

Wenn es jetzt für die Fünftklässler an den weiterführenden Schulen los geht, müssen sie sich auf vieles Neue einstellen. Bisher hatten die meisten der im Schnitt 10-jährigen Kinder die gleiche Lehrerin in fast allen Fächern, die Mitschüler kannten sie oft schon seit Kindergartenzeiten, der Schulweg war kurz, und gelernt wurde gemeinsam im Unterricht, fast wie nebenbei. Nun aber müssen die Fünftklässler selbst daran denken, die Hausaufgaben zu notieren, sie müssen verstehen, wie das mit dem Lernen zu Hause geht, sich auf den Vokabeltest vorbereiten, in einer neuen Klassengemeinschaft, im viel größeren Schulgebäude und mit unterschiedlichen Anforderungen der wechselnden Lehrer zurecht finden. Kurzum: eine große Herausforderung und Zeit des Umbruchs.

 

Manche Kinder empfinden jetzt ein Verlustgefühl

Die Ludwigsburger Schulpsychologin Nina Großmann erklärt: „Man kann sich das so vorstellen, wie wenn man als Erwachsener plötzlich in eine andere Stadt zieht – das ist zwar auch mit Ansage, doch es verändert sich schlagartig alles.“ Diese große Veränderung sieht die Psychologin als Entwicklungsschritt, „der dringend erforderlich ist“, eine Art „Lernfeld“ für die Kinder, in eine neue soziale Gemeinschaft zu kommen. Damit ist es grundsätzlich natürlich eine positive Veränderung: „Das regt die Entwicklung der Kinder an.“

Trotzdem ist klar: Nicht für jeden ist es einfach, in so einer Veränderung zu bestehen. Nicht alle kommen gut damit zurecht und fühlen sich gleich wohl. Bei einigen Kindern macht sich in diesen ersten Wochen ein Unwohlsein breit, wie häufig in Übergangssituationen. „Nicht zu wissen, was auf sie zukommt, das kann Stress verursachen, die Kinder können sich belastet fühlen“, sagt Nina Großmann. Manche empfänden auch ein Verlustgefühl: Es war so schön in der Grundschule – und jetzt ist das vorbei.

Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern schon im Vorfeld genau prüfen, welche Schule zu ihrem Kind passt, wie der Schulweg ist, wie es ihn bewältigen kann – idealerweise zusammen mit Freunden – , damit es Brücken gibt zum Bekannten, die dem Kind helfen können, in der neuen Situation anzukommen, erklärt Nina Großmann.

Wie können Eltern die Kinder in dieser Übergangszeit unterstützen?

Es gibt natürlich auch viele Kinder, die besonders euphorisch und glücklich sind über den bevorstehenden Übergang in die weiterführende Schule und die Herausforderung genießen. Andere Kinder tun sich generell schwerer mit Veränderungen, und Eltern sollten deshalb aufmerksam verfolgen, wie der Nachwuchs mit dem Schulwechsel umgeht. „Wenn das Kind schlechter einschläft, Regeln am Esstisch nicht mehr einhält, insgesamt trauriger oder zeitweise aggressiv wirkt, dann ist es gut, wenn Eltern Verständnis dafür haben, dass das Kind gerade an einer anderen Front kämpft“, sagt Nina Großmann. Eltern sollten versuchen, zu verstehen, dass ihr Kind gegebenenfalls irgendwo den Druck und den Stress rauslassen möchte.

Unterstützen können Eltern ihre Kinder Großmann zufolge dann vor allem, indem sie selbst entspannt sind und optimistisch bleiben. „Man sollte aber nicht mit dem Optimismus die Sorgen und Ängste des Kindes überdecken, sondern bewusst zuhören, Zwischentöne wahrnehmen.“

Eine gute Idee kann es dann sein, in dieser Zeit zu Hause immer wieder für Entspannung beim Kind zu sorgen. Die Eltern wissen, was dem Kind gut tut und was ihm besonders gut gefällt. Vielleicht hilft es, gemeinsam ein Spiel zu machen, ins Schwimmbad zu gehen oder Freunde zu treffen. Alles, was einen Ausgleich schafft und eine Entspannung bringt, kommt in Frage.

Bis zu den Herbstferien hat es sich zurecht geruckelt

Die Erfahrung zeigt: An den weiterführenden Schulen spielen sich die Übergangsschwierigkeiten der meisten Fünftklässler bis zum Beginn der Herbstferien nach und nach ein. „Das ist so diese erste Phase, wenn sich alles zurecht rückt. Die meisten Kinder kommen innerhalb dieser Phase an, wissen dann wie es läuft“, sagt Nina Großmann.

„Aber es gibt durchaus auch Kinder, die länger brauchen, und manche kommen gar nicht an.“ Schulpsychologin Großmann bezeichnet diese Fälle jedoch als Ausnahmen. Hier sei es dann besonders wichtig, dass Eltern die Probleme frühzeitig bemerken und Gespräche suchen: mit der Klassenlehrerin, den Schulpsychologen oder Schulsozialarbeitern, mit anderen Eltern oder auch mal dem Kinderarzt.

Hinweis: Dieser Artikel ist erstmals im September 2023 erschienen und wurde zum Schuljahresbeginn 2024 aktualisiert.