Der Angeklagte soll mit verschiedenen Substanzen gehandelt haben. (Symbolfoto) Foto: New Africa-stock.adobe.com

Ein Balinger soll im großen Stil mit verschiedenen Drogen gehandelt haben. Es geht um mehrere Kilos Kokain, Cannabis, Amphetamin und Ecstasy. Davon soll er sich einen luxuriösen Lebensstil finanziert haben. Am Hechinger Landgericht wird der Fall nun verhandelt.

Zollernalbkreis - Es geht insgesamt um über 140.000 Euro. Sieben verschiedene unabhängige Taten wirft die Staatsanwaltschaft dem 26-jährigen Balinger am Hechinger Landgericht vor. Der Tatvorwurf ist stets der gleiche: Unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Am ersten Prozesstag werden zwei Polizisten und ein Sachverständiger gehört. Außerdem äußerte sich der Angeklagte zu den Taten. Geplant sind drei weitere Prozesstage.

Insgesamt soll der Angeklagte über das vergangene Jahr hinweg etwa 1,5 Kilogramm Kokain gekauft und anschließend verkauft haben. Außerdem handelte er mit Cannabis, Amphetamin und Ecstasy. Zu einer Gelegenheit verkaufte er beispielsweise ein Kilogramm Amphetamin, 1000 Ecstasy-Tabletten sowie vier Kilogramm Marihuana für 30 000 Euro. Die Anklageschrift sieht außerdem die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 143 550 Euro vor. Die Geschäfte liefen offenbar gut.

Leben mit mehr Tiefen als Höhen

Der Angeklagte selbst schweigt während des ersten Verhandlungstages die meiste Zeit. Begleitet wird er von gleich zwei Anwälten, die für ihn die meiste Zeit das Reden übernehmen. Über sie gibt er eine Erklärung zur Sache ab: Die Tatvorwürfe räumt er vollumfänglich ein. Woher die Drogen stammen und sämtliche weitere Fragen möchte er allerdings nicht beantworten. Er würde sein Fehlverhalten bedauern und entschuldigt sich bei seiner Freundin und Familie. Der Drogenhandel soll primär der Finanzierung seiner Sucht gedient haben.

Der psychiatrische Gutachter hat im Vorfeld der Verhandlung mit dem 26-Jährigen über seine Lebensgeschichte gesprochen. Vor Gericht gibt er nun Einblicke in ein Leben, das mehr Tiefen als Höhen hatte.

Die Eltern des Balingers ließen sich scheiden, als er sechs Jahre alt war. Sein Vater stammt aus Portugal und seine Mutter musste sich nach der Trennung mit Gelegenheitsjobs zunächst in Tübingen und anschließen in Frankfurt über Wasser halten. Aus diesem Grund musste er häufig umziehen und hatte Probleme in der Schule.

Luxuriöser Lebensstil

Nach seinem Hauptschulabschluss in Albstadt versuchte er eine Ausbildung als Industriemechaniker zu beginnen. Doch sein starker Drogenkonsum soll ihm diesen Weg versperrt haben, sagt der Gutachter. Eine weitere Ausbildung als Einzelhandelskaufmann bei einem Mobilfunkunternehmen habe die Agentur für Arbeit nicht mehr bezahlen wollen. Der Tod seiner Halbschwester, die in den USA lebte und an einer Überdosis gestorben sein soll, soll die "Flucht in den Drogenkonsum" weiter verstärkt haben, so die Diagnose des Sachverständigen.

Dass es bei dem Handeln mit Betäubungsmitteln allerdings nicht nur um die Finanzierung seiner eigenen Sucht ging, zeigte sich, als eine Polizeibeamtin über den Inhalt seines Mobiltelefons berichtet. Zahlreiche Bilder bilden einen Lebensstil ab, bei dem es offenbar kein Limit gab.

Die Fotos zeigen den Angeklagten mit hochwertigen Uhren und teurer Kleidung. Außerdem gibt es Partys mit Champagner sowie Essen in teuren Restaurants und an exotischen Urlaubsorten. Auszüge aus den Chatverläufen machen außerdem deutlich, dass der Angeklagte und seine Komplizen äußerst professionell vorgingen.

Sie nutzten für ihre Kommunikation so genannte Kryptohandys. Diese gelten in der Drogenszene als besonders abhörsicher. Außerdem war dem Angeklagten stets wichtig, nicht direkt mit der Ware in Berührung zu kommen – um keine DNA-Spuren auf den Drogen zu hinterlassen. Außerdem hatten die Kuriere Instruktionen, besonders zu Zeiten unterwegs zu sein, bei denen man viel im Stau steht. Das sollte eine Kontrolle unwahrscheinlicher machen.

In den folgenden Verhandlungstagen sollen noch weitere Zeugen gehört werden sowie Beweismaterial begutachtet werden. Der nächste Verhandlungstag ist am 21. Juni.

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