Eine „Entschleunigung“ des Verkehrs, wie es sie in den vergangenen Tagen im Landkreis häufiger gab, haben die Landwirte diesmal nicht vorgenommen – vielmehr haben sie in Baiersbronn zumindest für einen Abend bewusst ihren eigenen Protest entschleunigt.
Die blinkenden gelben Leuchten sind in der Dunkelheit bereits aus weiter Ferne zu erkennen. Ein Traktor reiht sich an den nächsten, immer wieder hupen die Fahrer, die nach und nach in die Tonbachstraße einbiegen. Dort stellen sie auf einer anliegenden Wiesenfläche und einem Schotterplatz ihre Maschinen ab, die teils mit Schildern ausgestattet sind, auf die die Landwirte Sprüche wie „Keine Bauern – kein Essen – keine Zukunft“ geschrieben haben.
Es sind Szenen, wie sie die Menschen, vor allem Autofahrer, in den vergangenen Tagen und Wochen zuhauf gesehen haben, oftmals verbunden mit Staus und Verkehrsbehinderungen. Doch eine Blockade soll es an diesem Mittwochabend in Baiersbronn nicht geben. Stattdessen versammeln sich die Menschen zu einem „Mahnfeuer gegen die aktuellen Sparpläne und die allgemeine Agrarpolitik“, mit dem sie friedlich auf sich aufmerksam machen wollen, ohne für Ärger zu sorgen. Das hatten die Veranstalter zumindest im Voraus versprochen.
Vor Ort zeigen sich Mario Zimmermann und Ralf Beilharz von der Interessensgemeinschaft Baiersbronner Landwirtschaft (IBL), die die Aktion initiiert haben, zufrieden. „Wir wollten ein Pendant zu den restlichen Protesten organisieren“, erklärt Zimmermann, der den Seidtenhof in Baiersbronn betreibt. Daher hätten sie sich bewusst gegen eine Blockade entschieden, ergänzt Beilharz vom Baiersbronner Lochdavidshof.
Auch Reden sind bei der Veranstaltung nicht vorgesehen. „Uns geht es nicht darum, die Massen für irgendetwas zu begeistern. Vielmehr möchten wir miteinander in den Dialog kommen“, betont Zimmermann. Und dieser Dialog solle sich nicht nur auf die Landwirtschaft beschränken. Jäger, Handwerker und Spediteure folgten dem Aufruf ebenso wie einige Familien mit Kindern.
Laut Polizei sind es etwa 250 Menschen, die sich an diesem Abend, umgeben von rund 95 Traktoren, versammeln. Die Veranstalter sprechen von rund 450 bis 500 Teilnehmern. Auf dem Platz sind verschiedene Feuerstellen aufgebaut worden, die in der eisigen Kälte zumindest für etwas Wärme sorgen. Helfer verkaufen Getränke und Würste an die Teilnehmer, die Einnahmen sollen im Ort gespendet werden, heißt es. Ordner in gelben und orangenen Warnwesten weisen die Autofahrer zu den Parkplätzen und sorgen dafür, dass niemand von ihnen auf der Wiese parkt, denn die ist schließlich für die Fahrzeuge der Landwirte vorgesehen. Bis auf das gelegentliche Hupen der Traktoren und vorbeifahrender Autos bleibt es vergleichsweise ruhig an diesem Abend.
Das bestätigt auch die Polizei: Wie ein Pressesprecher am Donnerstagmorgen auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, hätten die Veranstalter die Versammlung ordnungsgemäß angemeldet und die Auflagen eingehalten, auch Verkehrsbehinderungen habe es keine gegeben.