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Prostituierte erstattet Anzeige Polizist wollte offenbar Gratis-Sex im Bordell

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Prostituierte haben einen heiklen – und manchmal auch gefährlichen – Beruf. Foto: dpa

Ein Polizeibeamter soll mit Hinweis auf seinen Job im Bordell umsonst Sex verlangt haben. Die Prostituierte hat Anzeige erstattet.

Stuttgart - Mit der Begründung, dass er Polizist sei, soll ein junger Polizeibeamter von einer Prostituierten im Leonhardsviertel gratis sexuelle Dienstleistungen gefordert haben. Das Polizeipräsidium hat den Sachverhalt, der sich Ende 2013 ereignet hat, den Stuttgarter Nachrichten bestätigt.

„Dieser Mann hatte wohl gezielt nach mir gesucht, weil er mich aus einem anderen Zusammenhang kannte“, sagt die Prostituierte, die in einem Bordell in der Leonhardstraße arbeitet. Der Kunde habe Geschlechtsverkehr gewollt. „Als ich den Preis nannte, sagte er mir, dass für ihn als Polizist der Sex umsonst sei.“ Sie wisse aber, dass das in Deutschland nicht zutreffend sei, sagt die Prostituierte, die aus Osteuropa stammt. Als der Freier auf den Gratis-Sex beharrte, habe sie das Bordellpersonal um Hilfe gerufen. Der Mann wurde der Polizei übergeben. Die Frau erstattete Anzeige.

In der ersten Vernehmung stellte sich zur Überraschung der Ermittler heraus, dass der beschuldigte Freier tatsächlich Polizist ist in der Einsatzhundertschaft. Das Beamtenverhältnis besteht noch zur Probe.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart führt nach Informationen unserer Zeitung ein Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten. Falls die Darstellung der Prostituierten zutrifft, könnte es sich um Delikte wie Vorteilsannahme, sexuellen Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung oder um Nötigung handeln. Dafür drohen bei einer Verurteilung empfindliche Strafen.

„Wir können die Vorkommnisse in groben Zügen bestätigen“, sagt Polizeipressesprecher Stefan Keilbach. Den Ermittlungsbericht habe man der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Der Fall liege nun in Händen der Justiz. Bis zum Abschluss des Verfahrens gelte aber auch für einen beschuldigten Polizisten die Unschuldsvermutung, betont Keilbach. Erst im Anschluss werde man gegebenenfalls disziplinarrechtliche Schritte prüfen. „Vermutlich wird sich dann auch die Frage stellen, ob der Mann für den Polizeiberuf charakterlich geeignet ist“, sagt Keilbach.

Die Kriminalitätsbelastung im Leonhardsviertel ist höher als in anderen Stadtvierteln. Prostituierte und Freier sind dabei mal Täter, mal Opfer. Ein Kriminalitätsschwerpunkt sei das Viertel jedoch nicht, erklärt die Polizei. In der Sexbranche gibt es allerdings Stimmen, die seit zwei Jahren zunehmende Übergriffe gegen Prostituierte beklagen. Weil in der Branche generell wenig Wert auf Polizeikontakte gelegt wird, bleiben viele Straftaten jedoch im Dunkeln.

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