Es macht sich Frust breit angesichts der Flüchtlingssituation in Lauterbach – insbesondere in Schule und Kindergarten, aber auch bei den Medizinern, den Helfern der ersten Stunde und vielen in der Bevölkerung.
„Wir hatten eine Super-Willkommenskultur. Aber ich mache mir Gedanken, dass das Ganze so langsam kippen könnte“, brachte Stefan Weinmann die Sorgen vieler Lauterbacher im Gemeinderat zum Ausdruck.
Zehn Prozent der Flüchtlinge im Landkreis seien in Lauterbach untergebracht – obwohl Lauterbach lediglich einen Anteil von 2,1 Prozent der Bevölkerung des Landkreises stelle. „Der Landkreis nimmt unsere Leerstände gerne, stellt aber kein zusätzliches Personal für Kindergarten oder Schule. Auch andere Gemeinden sollten in die Pflicht genommen werden“, sagte Weinmann.
Benoit Lehotkay vom Landratsamt nahm den geballten Frust entgegen. Er sagte aber mehrfach, dass er selbst nichts machen könne, die Sorgen aber weitergeben werde.
Mangelhafte Leistungen
Rektorin Sandra Winterhalter und Kindergartenleiterin Theresia Buchholz gaben einen Überblick über die Lage in ihren Bildungseinrichtungen. „Von unseren derzeit 105 Kindern haben 30 Prozent einen Migrationshintergrund“, sagte Sandra Winterhalter. Ohne das unfassbare Engagement der Mitarbeiter würde das Ganze nicht finanzieren. Besonders problematisch: „Man kann nicht planen. Es gibt immer wieder neue Kinder“, so die Rektorin über die ständigen Wechsel.
Eine Lehrerin klagte auch über das Leistungsvermögen der entsprechenden Schüler. Manche hätten in der vierten Klasse noch Probleme, einen vernünftigen Satz aufs Blatt zu bringen. „Man hat das Gefühl, alleine gelassen zu werden“, klagte sie.
Auch Theresia Buchholz verwies auf Probleme von Kindern, die nicht lange da seien. „Wenn sie sich etwas eingelebt haben, müssen sie wieder gehen“, berichtete sie. Die alltägliche Arbeit werde so sehr schwierig. Sie brachte die Einrichtung einer Spielgruppe in der Erstunterbringung für Flüchtlinge ins Spiel, damit die Kinder dort schon etwas Deutsch lernen könnten.
Wenig Interesse an deutscher Sprache
Erich Fehrenbacher berichtete von Erfahrungen mit Ukrainern, die gesagt hätten: „Wir wollen gar kein Deutsch lernen“. Hier sollte der Gesetzgeber dafür sorgen, dass die Leute zu Sprachkursen verpflichtet würden.
„Es gibt solche und solche“, meinte Sonja Rajsp-Lauer. Manche wollten bald wieder in die Heimat, manche wollten sich hier ein neues Leben aufbauen. „Ein Neubürger:Innen-Empfang wäre daher eine tolle Sache“, sagte sie. Bürgermeister Jürgen Leichtle sicherte einen solchen nach der Fasnet zu. Sonja Rajsp-Lauer sagte auch, dass es an Strukturen fehle und nannte den mangelhaften Busanschluss nach Schramberg. Auch die Jugendsozialarbeit solle ausgebaut werden.
Hohe Sprachbarriere
Johannes Geprägs verwies auf Probleme im medizinischen Bereich durch die große Sprachbarriere. „Viele Ärzte nehmen deswegen keine Flüchtlinge mehr an, da der Arzt haftet“, wusste er. Ihm seien Fälle von Menschen bekannt, die seit 2015 hier seien und die kein Wort Deutsch sprechen würden.
Bernd Degner hatte den Eindruck, dass viele leerstehende Häuser gekauft, dem Landkreis angeboten und mit Flüchtlingen gefüllt worden seien, was Benoit Lehotkay bestätigte. „Die Menschen haben ein Recht, hier zu sein. Aber die Gesellschaft ist an einem Kipppunkt angelangt“, räumte er ein. Ehrenamtliche seien frustriert und ausgelaugt, was Britta Schondelmaier bestätigte.
Ansgar Fehrenbacher machte den Vorschlag, dass das Landratsamt Lauterbach eine Atempause von ein bis zwei Jahren in Sachen Zuweisungen von Flüchtlingen gewähren solle. „Die Situation ändert sich für gewöhnlich schnell“, wehrte Lehotkay ab. Er versprach aber, dass die Stimme Lauterbachs gehört werde.
Flüchtlingszahlen in Lauterbach
Einen Überblick
über die aktuelle Situation gab Hauptamtsleiter Andreas Kaupp: In 45 Wohnungen würden insgesamt 225 Flüchtlinge wohnen, die in den Jahren seit 2015 nach Lauterbach gekommen seien. Damit sei das Soll mehr als übererfüllt.
Die Flüchtlinge besitzen folgende Staatsangehörigkeiten:
Syrien (55 Personen), Ukraine (48), Nigeria (28), Guinea (24), staatenlos/ungeklärt (18), Türkei (16), Eritrea (9), Indien (6), Äthiopien (5), Kamerun (4), Kosovo (4), Albanien (4) und Nordmazedonien (4).
Der Verwaltungsaufwand
sei insbesondere im Bürgerbüro der Verwaltung sehr hoch, so Kaupp, da die Flüchtlinge das Bürgerbüro oft als erste Anlaufstelle nutzten. Die Kostenseite für die Gemeinde durch die Flüchtlinge sei hingegen überschaubar.