Ein abenteuerliches Praxissemester an einem ungewöhnlichen Ort absolviert derzeit die Zimmernerin Leonie Scheible. Seit September ist sie in Ghana und beschäftigt sich mit dem Thema Mülltrennung.
Im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg absolviert Leonie Scheible derzeit ihr Praxissemester in Westafrika, genauer in Ghana. Neben den alltäglichen Gebrauchsgegenständen, die sie für ihre große Reise braucht, packte sie auch ganz viel Mut in ihren Koffer. Die Zimmernerin wird nach ihrem dreimonatigen Aufenthalt in Ghana mit reichlichen Eindrücken und Erfahrungen in ihre Heimat zurückkehren.
Die 21-Jährige ist in Zimmern unter der Burg mit Landwirtschaft großgeworden – daher ist sie es auch gewohnt, mit anzupacken. Nach ihrem Abitur am Droste-Hülshoff-Gymnasium in Rottweil begann sie im Oktober 2021 ihr Studium an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar und befindet sich im fünften Semester. Teil ihres Studiums ist ein verpflichtendes Praxissemester, das zwar nicht unbedingt im Ausland absolviert muss. Doch Leonie Scheible sah für sich eine große Chance darin, über den Tellerrand hinauszublicken und bei dieser Gelegenheit Land und Leute auf dem afrikanischen Kontinent kennen zu lernen.
Dem Müllproblem in Ghana Herr werden
Durch eine Hochschulkooperation mit der University of Ghana ist Leonie Scheible nun drei Monate lang als deutsche Studentin noch bis Ende November in Ghana, um ihr Wissen im Bereich „Abfallwirtschaft und Gender“ um regionale und lokale Hintergründe zu erweitern und vertiefen. Ihre Hauptaufgabe während ihrer Praxisphase liegt darin, an Grundschulen über die Abfallwirtschaft aufzuklären und Lösungsmöglichkeiten für die bestehenden Probleme zu bieten. Gemeinsam mit ihrer Tandempartnerin aus Ghana erarbeitete sie daher zuerst Fragebögen für Schüler, Schulleitung, Lehrer, Reinigungskräfte und Köche, um ein Bild von der praktizierten Abfallwirtschaft zu bekommen. Bisher gibt es in Ghana nämlich in den meisten Fällen keinerlei Mülltrennung und nur eine Müllabfuhr, die alle Abfälle einsammelt.
Große Unterschiede zwischen Arm und Reich
Die Studenten machten sich daher auf die Suche nach lokalen Organisationen und Firmen, die beispielsweise speziell Plastik recyceln oder Biomüll weiterverarbeiten.
Neben den Erfahrungen, die sie in ihrem Praxissemester sammeln konnte, profitiert sie auch sehr von dieser intensiven Zeit in einem doch so ganz anderen Land und kann viele Erinnerungen mit nach Hause nehmen. „Es ist eine aufregende und zugleich aufwühlende Zeit für mich mit vielen Emotionen“, erzählt die Studentin sowohl begeistert als auch nachdenklich. „Es gibt große Unterschiede zwischen Arm und Reich. Der eine Teil der Menschen besitzt villenähnliche Häuser und gleichzeitig leben Menschen in Blechhütten ohne Wasser und Strom. Wenn man in der Hauptstadt Accra beispielsweise im Stau steht, klopfen bettelnde Menschen an die Autoscheiben.“, erzählt sie aufgewühlt.
Das Leben ist entschleunigter als in Deutschland
Die 21-jährige empfindet die Gemüter der Menschen in Ghana als viel ruhiger und gelassener als in ihrer Heimat. „Das Leben dort ist im Vergleich zu Deutschland viel entschleunigter. Anfangs war es für mich eine große Umstellung, dass hier täglich weniger geplant ist und der Tagesablauf nicht so geregelt ist. Die Menschen sind hilfsbereiter, aufmerksamer und nehmen das Leben und die Umgebung mit allen Sinnen wahr. Das merkte ich schnell daran, dass beispielsweise das Schritttempo viel langsamer ist. Man braucht zwar länger, bis man an einem Ziel ankommt, dafür bleibt aber viel mehr Zeit, die Umgebung und das Geschehen um sich herum wahrzunehmen.“, schildert die Studentin. Außerdem habe sie recht schnell gelernt, für sie selbstverständliche Dinge wie fließendes Wasser, eine Waschmaschine und Strom, wieder mehr zu schätzen.
Herzlichkeit ließ Angst verfliegen
„Bevor ich nach Ghana gereist bin, hatte ich Sorge vor Heimweh, meine Freunde und Familie zu vermissen. Durch die Herzlichkeit der Menschen hier ließ diese Angst schnell verfliegen“, erzählt Leonie Scheible.
Im Anschluss an das Praxissemester erhält Scheible dreimonatigen Besuch von ihrer ghanaischen Tandempartnerin. Gemeinsam wollen sie ein digitales Lehr- und Lernmediums zur Gendersensibilisierung im Bereich Abfallwirtschaft in Grundschulen auf Grundlage der vorangegangenen Datenrecherche in Ghana erstellen.